"Einige waren schöner, einige schiacher"
Franz Christian "Blacky" Schwarz war bzw. ist langjähriger Freund, Manager und Nachlassverwalter von Georg Danzer: Im Interview spricht er zum fünften Todestag des Künstlers über Lieblingslieder, Weitblick und den "Wichser-Blues".

Foto © Anton SchönhoferFranz Christian "Blacky" Schwarz (rechts) mit dem Künstler anno 1996
Herr Schwarz, Sie waren langjähriger Manager von Georg Danzer - von wann bis wann genau? Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Franz Christian Schwarz: Ich war Georgs Manager von 1989 bis zu seinem Tod. Kennengelernt haben wir uns freilich schon viel früher, es muss im Jahr 1976 gewesen sein. Zur Zusammenarbeit kam es dann durch mein damaliges Aufgabenfeld. Ich war - wie es so schön hieß - "Label-Manager", also PR-Mann bei Polydor Österreich und dort für deutschsprachige Künstler zuständig.
Was sind Ihre bleibenden, liebsten, intensivsten Erinnerungen an Danzer?
Schwarz: Hier muss ich passen: Wir waren viel zu lange zusammen, um jetzt in dieser Kürze etwas Spezielles herausgreifen zu können. Unmöglich! Wir waren enge Freunde.
Die Bezeichnung "Austropop" wollte Danzer zeitlebens vermeiden - was war treffender? Liedermacher, Singer/Songwriter, Dichter?
Schwarz: Liedermacher würde es zwar auch treffen, aber der Ausdruck klingt doch etwas abgestanden. Ich würde Singer/Songwriter gebrauchen, auch wenn es Englisch ist. Georg sah sich selbst auch so.
Hatte er ein Lieblingsalbum, ein Lieblingslied?
Schwarz: Da etwas zu nennen, wäre sehr schwierig gewesen für ihn. "Traurig, aber wahr" war aber z.B. ein Album, auf das er sehr stolz war. Die Alben "13 schmutzige Lieder" und "Von Scheibbs bis Nebraska" waren späte Meilensteine, finde ich selbst. In den frühen Jahren z.B. "Ruhe vor dem Sturm", das sich auch in Deutschland gut verkaufte. Was seine Lieder anbelangt, meinte er einmal: "Das eine ist ein bissl schöner, das andere ein bissl schiacher - aber es sind alle meine Kinder".
Faszinierend ist, wie zeitlos viele seiner Texte sind - mehr: Heute sind sie beinahe noch wichtiger als früher...
Schwarz: Das stimmt definitiv. Man nehme nur "Der alte Wessely" als Beispiel: Diese Nummer ist von 1980 und aktueller denn je, wenn man sich z.B. einige Wahlergebnisse in Europa anschaut. Georg bewies oft unglaublichen Weitblick, ob nun gewollt oder ungewollt.
Danzer verstand es wie kaum ein anderer den Menschen einen Spiegel vorzuhalten und mit seinen Texten auch schallende "Ohrfeigen" zu verpassen. Gleichzeitig hatte er doch auch so viel menschliche Wärme. Ein bissiger Menschenfreund?
Schwarz: Das muss kein Widerspruch sein: Ich denke, einen Spiegel vorzuhalten, kann auch eine große Hilfe sein. Georg sah das auch so.
Sein soziales Engagement, z.B. für Obdachlose oder im Rahmen von "SOS Mitmensch" - Danzer machte nie eine große Geschichte daraus. Die Person Danzer diente der Sache, nicht umgekehrt...
Schwarz: So ist es. Neben diesen Initiativen gab es z.B. auch Konzerte für Amnesty International. Treten heute Künstler an Tribute-Abenden mit seinen Nummern auf, gehen z.B. die kompletten Einnahmen an die St. Anna Kinderkrebsforschung.
Gibt es noch Unveröffentlichtes, rare Titel oder Konzertmitschnitte, auf die sich der Fan freuen kann?
Schwarz: Ich bin sein Nachlassverwalter - und kann bestätigen, es gibt da natürlich einiges. Allerdings habe ich mit ihm vor seinem Tod ein Übereinkommen getroffen, dass nichts, was er nicht selbst veröffentlicht hat, vorgelegt wird. Es gibt auch Aufnahmen, die vor seinem Ende entstanden sind, allerdings war er da von seiner Krankheit schon schwer gezeichnet. Andere Künstler, z.B. der Wolfgang Ambros oder die Marianne Mendt, könnten mit diesen Titeln auftreten - aber das, was er selbst zu dieser Zeit festgehalten hat, bleibt unveröffentlicht. Alle Live-Alben, die er wollte, sind erhältlich. Andere wird es nicht geben.
Der Wechsel zwischen Dialekt und Hochdeutsch? Ein Spiel oder bewusst gesetzt?
Schwarz: Es war ein Stilmittel. Gewisse Geschichten hätten auf Hochdeutsch nicht funktioniert, andere Titel nicht im Dialekt. Die Sprache wurde also den Geschichten angepasst. Obwohl: Vor einigen Jahren gab es eine Cover-Version von "Der Legendäre Wichser-Blues vom 7. Oktober 1976" - die funktionierte erstaunlicherweise auch als hochdeutsche Variante.
Welches Andenken kann man bewahren, wenn man an den Danzer denkt?
Schwarz: Ich denke, und das sage ich nicht nur als Freund, es gab eine hohe künstlerische und menschliche Qualität beim Georg. Dass jedes Jahr junge Künstler mit seinen Nummern auftreten und sein Erbe weiter hochhalten, ist der beste Beweis dafür.
Mochte Danzer eigentlich seinen Spitznamen "Schurl"?
Schwarz: Ja, für seine Freunde war er auch der "Schurl".






