Wann i so z'ruckschau auf den Danzer
Am 21. Juni 2007 ging Georg Danzer und mit ihm einer der überragenden Songpoeten, die Österreich in Dekaden hatte. Ein knappes Jahr davor war mit "A letztes Liad" tatsächlich sein letztes Lied erschienen: Bis heute füllt niemand auch nur annähernd jene Lücke, die sein Tod klaffen ließ. Von Thomas Golser.

Foto © AP"I hob scho so fü Liada gschriebn": Georg Danzer (1946-2007)
"Ich finde, dass ich die Aufgabe, die man mir gestellt hat, gut erledigt habe. Unterm Strich habe ich das Beste aus dem bisschen Talent und den Anlagen, die ich mitbrachte, gemacht": Das war die uneitle Lebensbilanz, die sich Georg Danzer einige Zeit vor seinem Ende selbst ausstellte. Und Lieder und Texte über den Tod habe er ja schon als Junger geschrieben: "An manchen Tagen erfüllt sich das Besondere. Das Unabänderliche der Nacht ist der Morgen danach. Das Unabänderliche des Lebens ist der Tod".
Die erste Single, das letzte Lied
Manager im Interview
Der "Schurl" ging vor der Zeit. Fünf Jahre nach seinem letztem Atemzug wünscht sich der Fan, er hätte zum Leben und zum Bilanzieren noch mehr Gelegenheit gehabt. Doch der Krebs spielte dem über Jahrzehnte heftig Rauchenden nicht in die Hand. Am 21. Juni 2007 starb Danzer im ländlichen Asperhofen in Niederösterreich. Auch im Kampf gegen die Krankheit blieb er beherzt, sich selbst treu und verweigerte Weinerlichkeiten. Was bleibt ist - neben der Erinnerung an einen Großen - das sich über 38 Jahre erstreckende Werk mit Seele, Tiefgang und Witz, das für zwei Karrieren gereicht hätte: Von der allerersten Single "Vera" von 1968 bis hin zu "A letztes Liad" von 2006 - das zu eben diesem wurde. Danzer war ein Meister darin, menschliche Qualitäten und - deren weitaus häufiger anzutreffende - Unzulänglichkeiten in Lieder zu gießen: in vielen Momenten der Nachdenklichkeit verpflichtet - in anderen einer, der eine ganze Halle zum Grinsen bringen konnte. Blieb immer auch Zweifler und "Träumer" (so auch der Titel des letzten Albums).
Kratzte der heute längst still verblichene "Austropop" oft an der Oberfläche, tauchte ein Danzer voll ein: Der Wiener wollte dieser Etikettierung sein ganzes künstlerisches Leben entkommen - und schaffte es auch meistens. Dem am Chanson orientierten Frühwerk, in dem der Weichzeichner nicht nur für die Coverfotos verwendet wurde, folgten einige deftige Alben. Der Hit "Jö schau" verschaffte Danzer dann 1975 den überfälligen Durchbruch: Die Hommage an den Flitzer im Wiener Café Hawelka (Leopold Hawelka überlebte den Musiker übrigens um knapp vier Jahre) blieb allerdings auch sein einziger Nummer-Eins-Hit. Danach wurden die Lieder kritisch, politisch und auch ein wenig anmaßend. Spätestens mit "Weiße Pferde" von 1984 ritt der Pop ein. Kritiker waren säuerlich, das Publikum brach weg. Dazu private und geschäftliche Talsohlen - doch Danzer machte weiter. Einmal auf Hochdeutsch, einmal im Dialekt - wie es ihm gefiel. Mit dem lässigen "Wieder in Wien" von 1990, spätestens aber mit dem hervorragenden "Große Dinge" von 1995 begann die Spätphase: "Atemzüge" (1999), "Persönlich" (2004), "Von Scheibbs bis Nebraska" (2005) und das Abschiedswerk von 2006 sind große Alben mit überwiegend großen Songs, an denen ein Danzer-Fan nicht vorbeikommt. Das Live-Doppelalbum "Sonne und Mond" (2002) gibt einen Überblick über 30 Jahre.
In der schier unüberschaubar gewordenen Musiklandschaft, die heute mehr als Download-Dschungel der Beliebigkeiten funktioniert, als dass sie auf Dauer angelegt ist, würde sich möglicherweise auch ein Danzer schwer tun. Für einige Jahre setzte er auf eine sichere Karte und trat mit Kollegen Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich als "Austria 3" auf: Eine Art Wurlitzer in Rot-Weiß-Rot, der allerdings lieber den Nachlass verwaltete als neue Akzente zu setzen: Mit vielen Hits, abwechselnd gemeinsam oder solo gesungen, bespielte man erfolgreich das Land - auf und ab. Neue, gemeinsam geschriebene Musik und den geplanten Kinofilm brachte man nicht zusammen - die höchst unterschiedlichen Charaktere von Ambros, Danzer und Fendrich nur auf der Bühne unter einen Hut. Irgendwann war dann auch die Luft aus dem Projekt, das wurde dem Schurl klar. Auf neue Solo-Platten wurde aber nicht vergessen: Man konnte sich wieder auf "Danzer direkt" besinnen - und das, ohne davor Fendrichs "Macho Macho" ertragen zu müssen.
Der Autor dieses Artikels hatte das große Glück, den Danzer einmal in einem etwas intimeren Rahmen kennenzulernen, fernab von "Donauinselfest"-Horden: 2003 war es, als er live auf der "Tschauner"-Bühne im Wiener Ottakring alle Register seines Könnens zog. Hier fühlte sich der Künstler auch wohler als in Stadien. Begleitet vom launigen Gitarristen Ulli Bäer war es ein souveräner, höchst unterhaltsamer Abend - und so gut die kalte Knackwurst mit dem Ottakringer ging, so gut passten die Zwischenansagen zum Liedgut. Wenn Danzer konferierte, referierte und schwadronierte, schwangen gleichermaßen Sarkasmus, Nostalgie und viel menschliche Wärme mit. Die Fans liebten seine Zoten und Anekdoten so, dass unter dem Titel "Gute Unterhaltung - die besten Geschichten und Lieder" eine Doppel-CD erschien: Auf dieser unterhielt Danzer auch ohne Noten.
Danzer - von poetisch bis deftig
Passend dazu liebte es Danzer auch immer wieder rotzfrech und versaut: Das Album "13 schmutzige Lieder" (2001) fasste einige von diesen "tieferen" Nummern zusammen - die "Ballade vom versteckten Tschurifetzen", "Eigentlich bin ich ein Schwein", "Olle Weiber san G'frassta", "Sado-Maso" und "Strandbrunzer-Tango" inklusive. Und wer außer Danzer hätte es geschafft, "Porsche" und "in Oarsch geh" unfallfrei zu reimen? Freilich: Die poetischen, subtilen, besinnlichen und wachrüttelnden Momente hatten immer Oberhand. Für die Bussi-Bussi-Schickeria mit ihren üblichen Visagen hatte er nicht einmal Seitenblicke übrig. Sein soziales Engagement (etwa für "SOS Mitmensch") heftete er sich nicht auf seine eigenen Fahnen. Wenn überhaupt, dann geschah es umgekehrt.
Das zeitlose, großartige Erbe Danzers lässt die wenigen misslungenen Momente - dazu zählen das eine oder andere schwülstige Frühwerk und schwindsüchtig produzierte Alben in den 1980er-Jahren - vergessen. Das Gros jener 27 Studio-Alben, die klanglich überarbeitet wieder aufgelegt wurden und zum Teil erstmals nach Jahrzehnten wieder zu kaufen sind, verdient es gehört zu werden. Die Texte dazu. Heute mehr denn je...
Schurl, Du fehlst.
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Steckbrief
Georg Danzer (geboren am 7. Oktober 1946 in Wien, gestorben am 21. Juni 2007 in Asperhofen) war eine Ikone österreichischer Liedermacher und ein Pionier des "Austropop" – eine Zuordnung, der er selbst zeitlebens zu entgehen versuchte. Er hatte Erfolge als Solokünstler und veröffentliche insgesamt 33 Studio-Alben.
Anfänglich trat er mit seiner Band "The Madcaps" auf, später dann in der All-Star-Formation "Austria 3" mit Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich. Außerdem schrieb er für etliche andere Künstler zahlreiche Lieder - darunter waren z.B. Wolfgang Ambros, Marianne Mendt, Erika Pluhar, Margot Werner, Wilfried und Karlheinz Hackl. Danzer übersetzte außerdem im Laufe der Jahre einige Bücher aus dem Spanischen ins Deutsche.
Wichtige Alben
Ollas leiwaund (1975)
Du mi a (1976)
Narrenhaus (1978)
Notausgang (1979)
Traurig, aber wahr (1980)
Ruhe vor dem Sturm (1981)
Große Dinge (1995)
Atemzüge (1999)
13 schmutzige Lieder (2001)
Träumer (2006)






