Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 28. August 2014 09:13 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Entfesselt, nur anders In der Kabine mit Mr. Young Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Thomas Golser Nächster Artikel Entfesselt, nur anders In der Kabine mit Mr. Young
    Zuletzt aktualisiert: 19.04.2012 um 13:05 UhrKommentare

    Ein einziger Funke brachte den Tod

    Binnen Sekunden verbrannte am 6. Mai 1937 das Luftschiff "Hindenburg": Dem längsten Zeppelin der Welt war entflammbarer Anstrich zum Verhängnis geworden. 36 Menschen starben - die Bilder des Giganten mit dem Hakenkreuz an den Heckflossen brannten sich in das kollektive Gedächtnis ein. Von Thomas Golser.

    Foto © AP

    "Oh, the Humanity!": Als die erste Ära der Luftschiffe von Ferdinand Graf Zeppelin in den USA ein jähes Ende fand und mit LZ 129 "Hindenburg" in Flammen aufging, rang Radio-Reporter Herbert Morrison mit seinen Worten, um die er sonst nie verlegen gewesen war. Am Ende war es noch noch ein Wimmern, das am 6. Mai 1937 aufgezeichnet wurde - Morrisons höchst emotionale Berichterstattung sorgte zusammen mit dem verfügbaren Filmmaterial dafür, dass sich die Hindenburg auch in die Erinnerung einbrannte.

    Zitiert

    Es ist in Flammen aufgegangen, es ist in Flammen aufgegangen und es fällt, es stürzt ab. Vorsicht! Vorsicht, Leute! Weg da, weg da! Nimm das auf, Charlie, nimm es auf, Charlie! Es stürzt und es stürzt ab, es stürzt ab, furchtbar. Oh, Gott! Lauft weg da, bitte! Es brennt, es schlägt Flammen und jetzt fällt es auf den Ankermast - alle Leute sind sich einig: Das ist furchtbar, das ist eine der schlimmsten Katastrophen der Welt! Oh, vier- oder fünfhundert Fuß in den Himmel, es ist ein furchtbarer Absturz, meine Damen und Herren. Da sind Rauch und Flammen jetzt, und das Gerüst stürzt zu Boden, nicht ganz bis zum Ankermast. Oh, die Menschheit und all die Passagiere, schreien um mich herum...

    Radio-Reporter Herbert Morrison

    36 Menschen ohne Chance

    Von den 97 Menschen an Bord überlebten 61 - 35 starben an Bord der berstenden und wie eine Fackel lodernden Hindenburg, ein weiteres Todsopfer gab es am Boden. Nach - relativ - gesicherten Erkenntnissen gilt brennbarer Anstrich der Außenhülle als Unfallursache: Dieser fing beim Landemanöver über Lakehurst bei New York durch elektrostatische Entladung Feuer, in weiterer Folge entzündete sich auch der Wasserstoff - zunächst im Heckteil des Kolosses. 190.000 m³ hochexplosiver Wasserstoff waren die übliche Befüllung der Hindenburg - und Stoff, wie er damals verwendet wurde, ging in Tests der NASA sechs Jahrzehnte später ebenfalls in Flammen auf wie dürres Heu.

    Natürlich machten aber auch etliche andere Theorien die Runde: Besonders hartnäckig hielt sich jene von einem Sabotageakt und einer Bombe, vorangetrieben auch von nationalsozialistischer Propagandamaschinierie. So hieß es im offiziellen deutschen Unfallbericht (der Untersuchungs-Ausschuss wurde eingerichtet von Hermann Göring, schon seit 1933 Reichsminister für Luftfahrt) dann auch: "Falls daher nicht eine der vorher erwähnten verbrecherischen Anschlagsmöglichkeiten in Frage kommt..."

    Man kann den eigentümlichen Reiz der Luftschiffe zumindest erahnen, wenn man sich altes Original-Filmmaterial von Bord und von die Hindenburg begleitenden Beobachtungs-Flugzeugen anschaut: Die Maße der Hindenburg waren beeindruckend und übertreffen auch heute noch eine durchschnittliche Boeing 747 um mehr als das Dreifache. Das Luftschiff war optisch ein großer Wurf - die Quartiere und die Aufenthaltsräume waren zwar spartanisch, aber geschmackvoll und besonders gewichtsparend entworfen worden. Viel Kunststoff, viel Aluminium (es gab sogar ein Klavier daraus, wenn es auch nicht bei der Unglücksfahrt dabei war) und viel Glas: Wer es sich leisten konnte, war an Bord, schaute sich durch die riesigen Panoramafenster in der Galerie die Welt von oben an und nippte währenddessen am Champagner. Schaltete man, wo es sich anbot, die vier mächtigen und von vier Maschinisten einzeln überwachten Daimler-Benz-Dieselmotoren ab, war es eine lautlose, fast schon surreal wirkende Art des Fliegens, die sich einem da auftat.

    Zeppelin als Status-Symbol

    Die Linienfahrt im Rahmen des Nordamerika-Programms der Deutschen Zeppelin-Reederei (DZR) hatte natürlich auch einen gewichtigen politischen Aspekt: Es sollte nicht zuletzt eine Triumph-Fahrt der Nazis werden, eine Demonstration deutscher Ingenieurskunst, noch dazu auf die Bühne gebracht in den USA. Deutschland hatte 1936 die Olympischen Spiele ausgerichtet - der alles an sich reißende Adolf Hitler wollte eine Großmacht präsentieren und ließ den Zeppelin aller Zeppeline über dem Berliner Olympiastadion kreuzen. Mit Wasserstoff war allerdings eine höchst gefährlichen Komponente mit an Bord - und die Alternative (noch) nicht verfügbar: Zur damaligen Zeit waren die USA der einzige Lieferant von unbrennbarem Helium - und erließen ein Exportverbot: Zu groß schien dem Weißen Haus die Gefahr, dadurch erst ein kriegstaugliches Luftschiff unter dem schon allgegenwärtigen Hakenkreuz zu ermöglichen.

    So oder so war es der Anfang vom Ende: Die LZ 130 "Graf Zeppelin II", die zum Unglückszeitpunkt noch im Bau war, wurde niemals kommerziell betrieben, die verbliebenen Zeppeline wurden nach und nach abgewrackt. Und auch wenn Luftschiffe danach wesentlich sicherer wurden, blieben sie in der Luftfahrt bis heute eher ein Kuriosum, wirken tatsächlich wie aus einer anderen Zeit. Dafür wurde das Unglück und die "Akte Lakehurst" (wie auch der Untergang der Titanic 25 Jahre davor) wiederholt und mehr oder weniger geglückt verfilmt. Ein wenig blieb der stille Riese so für immer in der Luft, auch wenn es insgesamt nur 63 Fahrten in 14 Monaten gewesen waren...

    THOMAS GOLSER

    LZ 129 "Hindenburg"

    Das deutsche Luftschiff LZ 129 "Hindenburg" (Erstflug: 4. März 1936), benannt nach dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, galt zu ihrer Zeit als Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst, dessen sich die Nazi-Propagandamaschinerie gerne bediente: Mit 246,7 Metern Länge, 44,7 Metern Höhe, 46,8 Metern Breite, einem Gesamt-Durchmesser von 41,2 Metern und einem Dienstgewicht von 215 Tonnen war die bis zu 130 km/h schnelle Hindenburg das größte je gebaute Luftfahrzeug - bis heute. Am 6. Mai 1937 wurde sie in Lakehurst (US-Bundesstaat New Jersey) bei einem Unglück zerstört - zuvor hatte sie etwa 337.000 Kilometer zurückgelegt. Im Zeppelin-Museum Friedrichshafen wurden 33 Meter Hindenburg originalgetreut rekonstruiert.

    Mehr Thomas Golser

    Mehr aus dem Web





      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang
      Bitte Javascript aktivieren!