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    Zuletzt aktualisiert: 05.04.2012 um 12:35 UhrKommentare

    "Drei von vier Beständen massiv überfischt"

    Überfischung durch Schleppnetz-Fischerei, versagende Politik und Verwirrung beim Konsumenten: Greenpeace-Meeresexpertin Antje Helms gibt anlässlich des neuen "Fisch-Ratgebers" im Interview trübe Aussichten in Sachen Fischbestand.

    Antje Helms im Einsatz

    Foto © Greenpeace - Teresa Novotny Antje Helms im Einsatz

    Frau Helms, Sie sind Meeresexpertin von Greenpeace und bekommen den Niedergang der Fischbstände hautnah mit. Ist nicht vor allem auch der Konsument gefordert?

    ANTJE HELMS: Definitiv. Der Konsument kann wählen, was Art, Herkunft und vor allem Fangmethoden anbelangt. Er sollte weniger Fisch essen - dafür aber bewusst darauf schauen, was da auf seinem Teller liegt. Man sollte unterscheiden zwischen "legalem" und "illegalem" Fisch.

    Wie einfach ist es für den Konsumenten zu erkennen, was er kauft bzw. nicht kaufen sollte?

    HELMS: Es ist leider im Moment extrem schwierig, da die Kennzeichnung bei Fisch prinzipiell sehr schlecht ist: Es gibt zwar diverse "Gütesiegel", diese sind aber mit Vorsicht zu genießen. Hier müssten die Politik und die Fischfang-Industrie endlich Nägel mit Köpfen machen - und am Produkt erkennen lassen, wo und wie gefangen wurde.

    Wie ist die Situation?

    HELMS: Alles andere als gut: Drei von vier Fischbeständen in den Meeren sind massiv überfischt. Die Schleppnetz-Fischerei am Grund pflügt den Boden mit um, Kolonien werden ausgelöscht, es gibt extrem viel Beifang, der dann tot in das Meer zurückgeworfen wird. Es gibt Arten, deren Bestände bereits um knapp 90 Prozent geschrumpft sind. Ein besonders bizarres Beispiel ist der Sankt Petersfisch: Er wird bis zu 100 Jahre alt, Nachkommen wachsen demnach sehr langsam heran - was dann von Neuseeland zu uns kommt und am Teller landet, könnte älter als Ihre Großmutter sein. Keine besonders anregende Vorstellung, nicht wahr?

    Ist nicht der Handel schuld?

    HELMS: Der eben erwähnte Sankt Petersfisch wird mittlerweile nicht mehr so häufig angeboten: Ein Erfolg. Allerdings steht mittlerweile auch die gewöhnliche Sardine auf der "Roten Liste" - seit einigen Jahren ist z.B. auch der massiv bedrohte Blauflossen-Tunfisch im Fokus. Wobei es wenigstens in Sachen Tunfisch seit wenigen Jahren nachhaltig gefangene Marken gibt - diese werden auf den Konservendosen gekennzeichnet. Was mit der Angel gefangen wird, ist eher tolerierbar.

    Ist der Politik die Überfischung egal?

    HELMS: Geht es bei Fischereiabkommen um die Größe von Fangflotten, Fangquoten und dergleichen, beraten Wissenschafter und Politiker zwar darüber. Das Problem dabei ist nur, dass auf die Wissenschafter als Berater zu wenig gehört wird und dann immer wieder höhere Quoten als empfohlen festgelegt werden.

    Kann man die Einhaltung der Fangquoten wirklich überprüfen?

    HELMS: Das ist in der Tat sehr schwierig. Es gibt legalen und oft auch illegalen Fischfang - kontrollieren Länder ihre Hoheitsgewässer selbst, funktioniert es einigermaßen. Schwieriger ist es in internationalen Gewässern bzw. in Entwicklungsländern, in denen man nicht einmal das Geld für Kontrollen hat.

    Ist Österreich als Binnenland überhaupt in der Pflicht?

    HELMS: Auf jeden Fall. Es wäre wichtig, dass sich gerade auch ein Land wie Österreich - weil durch fehlende Meeresfischerei eben nicht selbst voreingenommen - für Nachhaltigkeit einsetzt. Druck muss ausgeübt werden - und noch einmal: Jeder Konsument hat einen gewissen Einfluss. Kauft er gewisse Produkte nicht mehr, werden sie eines Tages auch nicht mehr angeboten werden.


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