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    Zuletzt aktualisiert: 03.04.2012 um 07:31 UhrKommentare

    Geburt, Tod und das dazwischen

    Wer dachte, Texas brächte nur recht kleine US-Präsidenten mit recht großen Waffen-Fantasien hervor, darf seine Meinung revidieren: Shearwater legen mit "Animal Joy" ein verzauberndes und seltsames Album vor. Von Thomas Golser.

    Foto © Sub Pop

    Einmal mehr "Indie-Rock" - und dann doch ganz anders: Der arg abgeschmackte Begriff muss zwar als Ausgangspunkt herhalten, aber "Animal Joy" von Shearwater ist mehr als das. Shearwater bedeutet zu Deutsch soviel wie "Gattung der Sturmtaucher" - und so schrullig der Bandname der Tierfreunde ist, so eigenwillig ist auch das neue und mittlerweile siebente Album angelegt: Hunde, Schneeleoparden, Tauben, Tiger, Fische und "Jährlinge" (das sind einjährige Pferde) kommen in Songs des Trios aus Austin, Texas zu ihren Ehren. Sie merken schon: Das Gewöhnliche ist dieser Gruppe Anliegen nicht.

    Bandleader Jonathan Meiburg ist studierter Naturwissenschafter mit Schwerpunkt Vogelkunde - und hat nebenbei eine bemerkenswerte Stimme: Markant, kehlig und kräftig, nicht jedermanns und jederfraus Geschmack wahrscheinlich - doch er weiß sie einzusetzen. Und er sang noch nie besser als auf "Animal Joy", zieht alle Register - von emotionaler Wucht bis hin zu betonter Empfindsamkeit: Mit so viel Herzblut, dass es aus allen Poren tropft. Bassistin Kimberley Burke und Drummer Thor Harris geben der Platte die nötige Erdung, für Farbtupfer sorgt exotisches Instrumentarium von Celeste bis Xylophon. Pop, Rock, Folk, alles da - und etwas, das sich schwer beschreiben lässt.

    Die Platte ist ein Plädoyer gegen den zerstörerischen Umgang mit der Natur - es geht um Geburt, Tod - und das dazwischen. Wenn eine fassbare Botschaft in den Texten transportiert werden soll, dann diese: Tierisches Leben ist immer das ehrlichere - je mehr sich Menschen verstellen, desto offensichtlicher wird ihre Maskerade. "Animal Joy" solle "einen Körper haben, nicht nur ein Gehirn", meinte die Band zum neuen Werk und zu seinen etwas verkopften Vorgängern. Wenn man schon musikalische Vergleiche anstellen will, könnte man am ehesten Elbow, Peter Gabriel oder die späten Talk Talk als Referenz hernehmen. Muss aber nicht sein - Shearwater stehen gut für sich selbst.

    Was nicht heißen soll, "Animal Joy" hätte nur Ecken, Kanten und Winkel: Das Album ist fein arrangiert, braucht etwas Zeit, um sich einzunisten, ist aber das bislang eingängigste Werk und rockt zwischendurch sehr ordentlich. "Immaculate" war die Single, die die frühen R.E.M. nie geschrieben haben, "Animal Life" fängt zurückhaltend an und steigert sich zu einer großartigen, druckvollen Hymne - ohne jemals auf Stadientauglichkeit zu schielen. "Breaking The Yearlings" wartet mit einem ziemlich rotzigen Gitarren-Riff auf, mit "You As You Were" hat man einen weiteren Hochkaräter ins Gehege gebracht.

    Eine Platte wie schwerer Wein, der einem ja auch tierisches Vergnügen bescheren kann - das Ganze verdichtet auf 43 Minuten. Wer sich übrigens fragt, wessen Pfoten da auf dem grandiosen Cover-Foto zu sehen sind: Es dürfte ein junger Grizzlybär sein...

    8 / 10

    THOMAS GOLSER

    Steckbrief

    Shearwater ist eine Indie-Rock-Band, die in Austin, Texas von Jonathan Meiburg und Will Sheff der Band Okkervil River gegründet wurde. Sheff ist mittlerweile ausgestiegen. Seit dem Debüt "The Dissolving Room" von 2001 wurden sechs weitere Alben veröffentlicht - darunter die von der Kritik gelobte "Trilogie" "Palo Santo" (2006), "Rook" (2008) und "The Golden Archipelago" (2010).

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