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    Zuletzt aktualisiert: 15.03.2012 um 20:18 UhrKommentare

    "MDNA": Madonnas durchgerührtes Einerlei

    Madonna setzte für ihre neue Platte "MDNA" auf ein bisschen von allem und rührte für ihre zahllosen Abnehmer akustischen Germteig an: Mit einer Tonne Zucker, Extra-Süßstoff und einer Familienportion Schaum oben drauf. Von Thomas Golser.

    Tanzen bitte, Madonna ist zurück...

    Foto © ReutersTanzen bitte, Madonna ist zurück...

    Es ist 2012 - und das Dutzend im Katalog ist voll: Madonnas zwölftes Album steht an den Servern und in den Läden bereit. Und das gar nicht uneitel betitelte "MDNA" erinnert tatsächlich an die vollgestopften Regale kurz vor der Supermarkt-Kassa: Nichts von alledem braucht man möglicherweise wirklich - erstaunlich viele greifen dann aber doch zu. Davor hat Madonna von ihrer Musik des kleinsten gemeinsamen Nenners eben mal 350 Millionen Einheiten an die Frau und den Mann gebracht. 350. Millionen. Und jetzt? Sagen wir einmal so: Es ist der durchaus bemühte Versuch einer "Best Of Madonna" mit zwölf neuen Songs (plus vier Bonustracks) - allerdings ohne wirklich das Beste zu bieten.

    Nicht gerade die beste "Best Of"

    Es stampft, es piept, es zischt, es hallt und wummert an allen Enden und Ecken: In der Nummer "Gang Bang" hört man Polizeisirenen und Schüsse - dazu biegen Vocoder, die endlich per Gesetz verboten werden sollten, die Stimme zurecht (so z.B. in "Love Spent"). "I'm Addicted" klingt nach abgelegenem Euro-Dance, ca. 1993 und schepperenden Hutablagen in aufgemotzten Kleinwägen. Die zweite Single "Girl Gone Wild" ist Musik, mit der Billig-Modeketten ihre Geschäfte ausräuchern - und "Superstar" peitscht dann gar mit Cheerleader-Schlagzeug ein. Alles an dieser Produktion dürfte sündhaft teuer gewesen sein - klingt aber nicht so. In fast jedem Song wird der Spaß, den man heute Abend gefälligst noch haben soll, beschworen. Beats dazu wurden programmiert, die Melodien teilweise. Watet man einmal nicht durch verschwitzten Disco-Sumpf, gibt es Balladen für die angepeilten 50 Zentimeter Tiefgang und etwas "mystischere" Songs, die wie Überbleibsel vom "Music"-Album anmuten. Womit bewiesen wäre, dass ein Weltstar noch lange kein Vorrecht auf Weltnummern gepachtet hat. Doch jeder im Club soll bedient werden - denn schließlich kommt (und jetzt alle mitsingen) "M-D-N-A, Madonna!".

    Zitiert

    Fangt schon mal an, zu sparen. Arbeitet das ganze Jahr, kratzt euer Geld zusammen und kommt zu meiner Show. Ich bin es wert.

    Madonna zu den Beschwerden wegen der hohen Konzertpreise.

    Die Vorab-Single "Give Me All Your Luvin'" fährt einen quietschebunten Dauerlutscher-Refrain auf, wie er auch im "Kiddy Contest" nicht weiter auffallen würde. Nicht zuletzt, weil er tatsächlich nach Zwölfjährigen klingt. Da winken dann einem mit "Holiday" von 1983, "Into The Groove" von 1985 oder "Papa Don't Preach" von 1986 plötzlich wieder Geister zu. Geister von jener Sorte, die man nicht unbedingt wiederhören wollte. Hier lädt eine gut in Form getrimmte Mittfünfzigerin zur Party - in eine Plastik-Welt, die sich sportlich im Takt wiegend in die verkehrte Richtung dreht. Dabei aber bittesehr die Geldtasche griffbereit halten: Alles hier schreit "Kauf mich!" - der Tourbus rollt wieder an, auch nach Wien. Karten dafür kosten bis zu 550 Euro.

    "Give me all your love boy. You could be my boy, you could be my boy toy": Bob Dylan schrieb Madonna für ihr neues Album schon wieder keine Texte. Bei den Botschaften wurde zwar etwas gespart - dafür ist der Rest des Albums durchinszeniert bis in den allerletzten Loop. Personal dafür wurde reichlich eingeladen: Neben M.I.A. und Nicki Minaj standen Martin Solveig ("Hello"), The Demolition Crew (Lady Gaga) und Marco "Benny" Benassi (Chris Brown) auf der Gehaltsliste. Und ein gewisser William Orbit, der Madonna vor mittlerweile 14 Jahren mit "Ray Of Light" ein wirklich hörbares Album bescherte. Wenn schon die Ware nicht mehr ganz taufrisch ist, dann kommt vorne wenigstens der große "Featuring..."-Sticker drauf. Das ist der Brauch, so läuft der Hase heutzutage.

    Wider die Zucker-Unverträglichkeit

    Bereits die "Sticky & Sweet Tour" von 2008/2009 gab die aktuelle Verkaufslinie vor - Madonnas milliardenschweres Manifest gegen die Zucker-Unverträglichkeit. Und wer sagt, dass man eine bald 54-Jährige nicht auch noch wie eine 20-Jährige produzieren kann - vor allem, wenn die Industrie junge Kunden bei iTunes Dateien downloaden sehen will?

    Miss Madonna Louise Veronica Ciccone führt seit bald 35 Jahren ihre Pop-Allerlei-Verkaufsstelle und das mit bluthundartigem Spürsinn: Eine gute Geschäftsfrau kennt ihr Handwerk, ihren Kontostand und den Publikumsgeschmack. Das Wort "Kunst" muss man dabei ja nicht zwingend in den Mund nehmen. Dort steckt ohnehin der Dauerlutscher.

    3.5 / 10

    THOMAS GOLSER

    Wien-Termin

    Madonna gastiert am 29. Juli im Wiener Ernst Happel Stadion - es ist das erste Österreich-Konzert der Popdiva seit vier Jahren. Im Jahr 2008 konzertierte sie im Rahmen der "Sticky & Sweet Tour" auf der Wiener Donauinsel. Das Album "MDNA" ist ab 23. März in mehreren Versionen zu kaufen.

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