Rechter Walzer und linke Wut
Die Wiener Hofburg ist nun einmal mehr Bühne für den Ball der Burschenschafter. Der Ball könnte aber auch bei 3.000 Demonstranten liegen - Spurenelemente davon werden laut Verfassungsschutz gar als "extrem gewaltbereit" eingestuft: "Diesmal kracht es". Von Thomas Golser.

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"Die ganzen Jahrzehnte war eine Ruhe nach dem Krieg, das ist alles nur aufgeschaukelt, es soll doch mal ein Frieden sei, doch nicht immer eine Wühlerei": Der so gar nicht handzahme Thomas Bernhard trieb Österreich 1988 mit seinem Theaterstück "Heldenplatz" zu Wutausbrüchen und ein selbst gekröntes Massenblatt im Land zum Befund: "eine grobe Beleidigung des österreichischen Volkes". 24 Jahre später steht der Heldenplatz wieder einmal im Fokus, es ist Ball des Wiener Korporationsrings und es heißt 3.000 vs. 3.000+.
Parade rechts Drehender?
3.000 Ballbesucher werden erwartet, über 3.000 Demonstranten dürften es laut Polizei werden. Seit dem ersten Korporationsball am 4. Februar 1952 (damals noch im Wiener Konzerthaus) ist viel Wasser durch die schöne blaue Donau geflossen, doch gerade vor der 59. Auflage kann man der Veranstaltung nachlassendes Interesse nicht bestätigen. Dass der Ball, der nach Meinung der Gegner nichts anderes als eine Parade von sich rechtsdrehenden Schmiss-Trägern ist, 2012 am Holocaust-Gedenktag stattfindet, schüttet noch Öl ins Feuer.
In den letzten Jahren ist der Wiener Opernball - des Landes größte Schaubühne für eilig vom Rost befreite Orden, feudal gespannte rot-weiß-rote Schärpen, hohle Politiker-Statements und Stargästen hinterherlaufenden Baumeister - offenbar sogar für die Demonstranten zu irrelevant geworden: Die letzte Agentur-Meldung dazu liegt schon einige Jahre zurück. Der zackig getanzte Rechtswalzer, zu dem nun in der Wiener Hofburg aufgerufen wird, scheint wesentlich mehr Gegner zu aktivieren. Die Demo-Plattform bündelt zahlreiche NGOs, SPÖ und Grüne - unter den Organisatoren der Kundgebung gegen die Veranstaltung sind zudem katholische und evangelische Vereine, der Gewerkschaftsbund - und die Israelitische Kultusgemeinde.
Deren Präsident Ariel Muzicant hofft, dass ungebetene Besucher fern bleiben. Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung äußerte sich schon etwas konkreter: "Diesmal kracht es". In der autonomen Szene in Österreich und Deutschland gebe es schon seit Monaten Aktionen, man wisse "von intensiven Mobilisierungsversuchen, auch von außen. "Demotouristen" aus dem benachbarten Ausland (100 davon laut offizieller Einschätzung "extrem gewaltbereit") könnten sich unter das skandierende Volk mischen - die Exekutive will trotzdem nicht ausdrücklich vor gewalttätigen Ausschreitungen warnen. Noch nicht.
Protest wurde genehmigt
Der Rahmen für Gegenveranstaltungen wurde jedenfalls genehmigt: Kundgebungen gegen den WKR-Ball waren in den letzten Jahren mit Platzverbot belegt worden - was der Gewalt rund um die Veranstaltung dann eher zu- als abträglich war. 2012 findet die Demonstration unter dem Motto "Jetzt Zeichen setzen - gegen Rechtsextremismus und WKR-Ball" erstmals vor den Toren des Kongress-Zentrums statt. Dazu wurde auch über soziale Netzwerke wie Facebook zu Aktionen aufgerufen - auf Seiten wie "Raus auf die Straße am 27.01.2012! Burschenschafterball verhindern!" oder "Demonstration für keinen WKR-Tanz in der Hofburg".
Die Statements aus der Politik fielen kaum überraschend aus: "Ein alljährliches rechtsextremes Vernetzungstreffen" ortet SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas. Dem hält der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer (teilnehmen werden daneben auch FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und der 3. Nationalratspräsident Martin Graf) entgegen, der Ball sei zu einer "Zielscheibe einer linkslinken Jagdgesellschaft" geworden. Für den Grünen Abgeordneten Karl Öllinger kleben die deutschnationalen Burschenschaften noch immer am "mörderischen Antisemitismus und Rassenhass ihrer Vorgänger".
So oder so: Der WKR-Ball findet 2012 zum letzten Mal in der Wiener Hofburg statt.
Features
WKR-Ball
Der WKR-Ball findet seit 43 Jahren immer am letzten Freitag im Jänner in der Wiener Hofburg statt. Der Wiener Korporationsring ist ein Zusammenschluss von Studentenverbindungen, die laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands dem deutschnationalen bis rechts-extremen Milieu entstammen. Immer wieder wird kritisiert, dass dabei neben FPÖ-Repräsentanten auch Mitglieder rechtsextremer Burschenschaften teilnehmen. Alljährlich gibt es Kritik, Gegen-demos und Ausschreitungen.





