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Zuletzt aktualisiert: 07.01.2012 um 12:39 UhrKommentare

Der Kavalier und das liebe Vieh

Ja mei, wo war er denn so lange? Nach achtjähriger Abstinenz - was im Fernseh-Geschäft einer mittleren Ewigkeit entspricht - holte RTL für das Jahr 2012 die viel gescholtene Anbahnungs-Sendung "Der Bachelor" zurück in die Hauptabend-Leiste. Und schickt die Emanzipation zurück in die Steinzeit. Von Thomas Golser.

Die 20 sich Anbietenden (fünf sind auch schon wieder "weg")

Foto © RTL/Stefan GregorowiusDie 20 sich Anbietenden (fünf sind auch schon wieder "weg")

Der sich durchziehende "Handlungsstrang" ist schnell erzählt: EIN Junggeselle kann sich zwischen ZWANZIG attraktiven Frauen entscheiden wie andere Männer an der Wursttheke zwischen Schinken-Sorten. Der Auserwählte, der auszuwählen hat, ist ein gewisser Paul ("gutaussehend, humorvoll, sportlich, intelligent", ist sich RTL sicher), seines Zeichens "Imagemanager" aus Hamburg, lässt seinen Friseur auch einmal mehr Farbe und Haarwachs auftragen und trägt Zweiteiler: Der Seriosität wegen, natürlich.

Geflirtet, gebuhlt, geheult

Angeflirtet, angebiedert, ausgeheult und Ellbogen ausgefahren wird dieses Mal an der Küste Südafrikas - bei einem romantischen Picknick, einer aufregenden Berg-Partie oder beim gemeinsamen Ritt (auf dem Elefantenrücken). Die erstaunlichste Tatsache dabei: Der Bachelor (sprich: "Bettschela", zu Deutsch "Junggeselle") scheint offenbar dermaßen anziehend, betörend, ja unwiderstehlich zu sein, dass er gleich durchgehend 20 völlig unterschiedlichen Frauen den Kopf verdrehen kann und den Geschmack einer jeden zielsicher trifft wie eine hitzesuchende Rakete. "Potzblitz!", denkt man sich da.

"Widerwärtig chauvinistische Edelschnepfenauslese", befanden in Deutschland sogar schon diverse aus dem Fernsehen bekannte Köpfe, die sonst selbst alles andere als zimperlich sind. Die erste Ausgabe lief in der Ära Lindner übrigens auch im ORF. Der Junggesellen-Vorgänger durfte vielleicht auch deshalb so lange keinem Nachfolger die Klinke und die schönen roten Rosen in die Hand geben, weil es damals einige unschöne Gerüchte gab: Die Rede war davon, dass der Bachelor schon längst liiert gewesen sein soll – zudem soll es Knebelverträge gegeben haben. Und es soll nicht der Knebel gewesen sein, mit denen man den Zuschauer vor dem Fernseh-Gerät festbinden wollte.

Frau zeigt offenherzig her, was sie hat - oder auch nicht hat. Jahrzehnte der Emanzipation - über Bord geworfen. Einigermaßen erwachsene Damen von 20 bis immerhin Mitte 30 (jedenfalls mündig und je nach Geschmack des Betrachters hübsch - oder auch nicht) buhlen um einen Mann. Eine davon geknickt: "Schade, ich hätte ihm noch gerne mehr Kleider gezeigt". Eine andere: "Ich glaube schon, er will mich f....n, daher findet er mich interessant". Zickenkriege sind nicht zu befürchten, sie werden herbeigesehnt.

Selbst wenn Ironie, Spaßfaktor und "Party-Koeffizient" einkalkuliert werden (es soll ja Mädels-Runden geben, die sich so etwas bei dem einen oder anderen Gläschen Prosecco zusammen anschauen und herzlich lachen können), ist es noch immer ein verheerendes Bild, das hier bleibt: Vor allem jene jungen oder "mitteljungen" Mädchen, die nicht mit zu viel Selbstbewusstsein gesegnet sind, dürften/könnten derart gestrigen Humbug für bare Münze nehmen. Hier steht nicht im Mittelpunkt, was Frau selbst ist, sondern wie einen der Rosenkavalier und die Sendungsmacher sehen wollen: Fleisch abgepackt, etikettiert, die Nächste bitte! 20 Frauen, die sich in keiner Sekunde wirklich teuer verkaufen wollen - jene, die "übrig bleiben", schauen drein wie Fallobst oder wie jene, die beim Sportunterricht von den anderen als Letzte ins Team gewählt wurden. Würde ist gut, aber leider aus.

"Mit einem schönen Po"

Dass sich Frau hier auf die Äußerlichkeiten konzentrieren und festlegen muss, ist klar - denn: Von hinten drängt immer wieder eine Konkurrentin nach - da bleibt wenig Zeit für Tiefgang. Wenn es einmal schneller gehen muss, macht man sich noch dumpfbäckiger als man ist. Immerhin sind es dieses Mal immerhin schon fünf Damen weniger, die auszubooten sind. "Ein Traum wäre es, wenn er mit markanten Gesichtzügen und einem schönen Po gesegnet wäre", ist ein überliefertes Zitat einer Kandidatin. Warum auch nicht, darauf lässt sich doch bauen. Die Sendung ist in Format gegossenes Klischee.

Mögen die Rosen (nicht zu) schnell welken in der vollbesetzten Liebesvilla.

THOMAS GOLSER

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Foto © RTL/Stefan Gregorowius

Bild vergrößernViel zu tun: der BachelorFoto © RTL/Stefan Gregorowius





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