Der Mann, den sie lieben zu hassen
Arnold Schwarzenegger wurde in seinem Geburtsort Thal auf einen Sockel gestellt, ist jetzt zweieinhalb Meter hoch und 260 Kilo schwer. So groß wie die in Bronze gegossene Statue war er nie - so klein, wie ihn manche nun machen wollen, kann er nie werden. Thomas Golser über eine österreichische Anomalie.

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Gescheiterter Politiker, gealterter Actionheld in debilen Filmen, ruchloser Ehebrecher, Österreich-Flüchtling: Sagen die einen. Selfmade-Multi-Millionär, Quelle der Inspiration, Vorzeige-Charismatiker, ehrlicher Knochen - halten die anderen dagegen. Und nun war es wieder einmal so weit: Arnold Schwarzenegger beehrte "seine" Steiermark.
Lüftlein der Provinzialität
Jedes Mal, wenn der berühmteste Thaler vergangener (und wohl auch kommender) Generationen per Privatjet Graz anfliegt und seinen Geburtsort nahe der Landeshauptstadt besucht, köchelt verlässlich der Erregungsgrad der steirisch-österreichischen Volksseele auf mittleres Flämmlein hoch. Wechseln sich jene, die laut ihre Nase über den "blöden Ex-Bodybuilder" rümpfen, munter mit jenen ab, die sich raufen, um ihm als erste die Hand geben zu können (und danach möglichst lange nicht mehr zu waschen). Kämpft der Duft der großen weiten Welt gegen das laue, aber beständige Lüftlein der Provinzialität an. Seinen Lebensweg kann man dem 64-Jährigen nur schlecht klein reden, auch wenn er in seiner politischen Karriere als Kaliforniens Gouverneur auf verlorenem Posten war und ihm eine astronomisch teure Scheidung ins Haus steht. Schwarzeneggers unwahrscheinlicher Weg endete nicht in miefigen "Mucki-Buden" und auch nicht am allzu beschaulichen Thalersee. Wer machte es ihm nach?
In Österreich fiel es schon naturgemäß nie ganz einfach, Leistungen anderer ohne Spott und Missgunst anzuerkennen. Warum dies so ist - darüber haben sich schon Legionen von Soziologen die Finger wundgeschrieben. Grundtenor vieler bekanntlich: Wer in Österreich nicht ins handlich zurechtgezimmerte Format passen will, der wird abgelehnt, lächerlich gemacht, angepatzt. Das hat Tradition wie die Panier um das tägliche Wienerschnitzerl, ist schließlich auch wesentlich einfacher als sich mit den eigenen Gegebenheiten und Errungenschaften zu arrangieren. Anderswo ist ehrlich erreichter Erfolg von anderen ein Ansporn für noch mehr eigenen Ehrgeiz. Hierzulande versucht man andere schlecht zu machen, um sie damit (vermeintlich) auf die eigene Größe herunterzubrechen. Natürlich: An "steirischen Eichen" reibt es sich auch blendend.
Wer sein Leben lang beharrlich daran gearbeitet hat, sich überlebensgroß darzustellen - ob nun mit markigen Sprüchen, Särgen auf der Schulter tragenden Film-Figuren oder alle Dimensionen sprengenden Bi- und Trizepsen - der muss auch mit zentnerschwerem Spott umgehen können. Schwarzenegger scheint kaum bis gar keine Probleme damit zu haben. Auch wenn er anno dazumal nach einem (wenig überraschend) unterschriebenen Todesurteil wehleidig den zuvor mit Brimborium angenommenen Ehrenring der Stadt Graz zurückschickte. Proportional zum Erfolg wächst bekanntlich auch der Neid. Eher unterproportional ausgebildet ist hierzulande die Fähigkeit, Leistungen anderer anzuerkennen - auch wenn man mit dem Menschen nichts anfangen kann und will.
Hass in den Foren
Bemerkenswert ist auch, welcher Ekel in den Foren zu Schwarzenegger-Artikeln auf www.kleinezeitung.at um sich greift: "Ich bin zum Glück kein Steirer und brauche mich daher für dieses Exportprodukt nicht genieren", schreibt da z.B. User chaim. "Nicht die Steiermark wartet auf den Angeber, höchstens ein paar Schwarze und der Tschick-Tandler warten auf den Anabolika-Junky", glaubt waldimar33 zu wissen. Der Lokalaugenschein, den www.kleinezeitung.at nach Bekanntwerden der außerehelichen Aktivitäten des 64-Jährigen in Thal machte, spülte 260 Beiträge in das Meinungsforum, ein Gutteil davon mehr als nur negativ. Das ist umso befremdlicher, als sogar ein Schwarzenegger das Recht auf (s)ein Privatleben hat, auch wenn es von ihm selbst tüchtig in den Sand gesetzt wurde. Er trat damit "nur" dem Bund hunderttausender Ehebrecher in diesem Land bei - es steigt sich so einfach über den Dreck auf der eigenen Türschwelle.
Einen Schwarzenegger muss man nicht mögen, man kann sich darüber lustig machen, dass er keine Sprache akzentfrei beherrscht und an Zigarren von der Größe amerikanischer Atom-U-Boote nuckelt. Seine Misserfolge kann man ihm aufrechnen, man darf ihn als Person überlebensgroß unsympathisch finden - es fällt aber doch relativ schwer, stichhaltige Motive für Hassgefühle zu benennen. Hass? Aus guten Gründen hassen kann man Ungerechtigkeit und Unglück im eigenen Leben, Krankheiten, die einen selbst oder die eigene Familie treffen. Kritik sollte den Arnie-Hassern eigentlich genügen, denn jeder, der darüber hinaus geht, macht "Arnie" wichtiger als er einem ist.
Und: Bieten jene Politiker, die heute um das Land herum walten und nur in Sachen Eigenbereicherung internationale Klasse zeigen, nicht wesentlich mehr Grund für Kritik als ein vor Jahrzehnten ausgewanderter Österreicher, der sich ohne dreiste Packelei und Korruption mehrere Karrieren aufbaute? Ist Arnie denn tatsächlich so wichtig?





