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Zuletzt aktualisiert: 20.09.2011 um 20:32 UhrKommentare

51 brillante Minuten mit dem Herrn Hubert

Die Band reduziert auf Quartett-Größe - und wieder Melodien, in denen man versinken kann: Hubert von Goisern - Österreichs Musiker-Unikum mit dem Blick über den Tellerrand hinaus - legt mit "EntwederUndOder" ein superbes Album vor. Und Thomas Golser hörte rein.

Ein Vollblut-Musiker mit seinem Arbeitsgerät

Foto © APAEin Vollblut-Musiker mit seinem Arbeitsgerät

"Die Trennlinie zwischen einfach und einfältig ist fließend", schreibt da in seinen Notizen zum neuen Album ein gewisser Hubert Achleitner, in der Alpenrepublik und weit darüber hinaus besser als Hubert von Goisern bekannt. Seine Sorge ist aber unbegründet: Wenn einer weiß, wie man diese feine Trennlinie eben nicht überschreitet, ist es - HvG.

Zurück zur alten Form

Nach dem unterm Strich doch etwas enttäuschenden "S'NIX" - es fehlten einem bei dem etwas ausufernden Album und der Tour dazu irgendwie Melodien, die hängenblieben - schüttelte sich HvG ein souveränes, bestechendes Werk aus dem Ärmel. Zwölf Lieder, stilistisch vielfältig und nicht zuletzt wegen der exzellenten Band doch wie aus einem Guss. In klassischer Quartett-Besetzung (Gitarren, Bass, Schlagzeug) eingespielt, sorgt vor allem der Meister selbst mit Akkordeon, Maultrommel, Blech-und Holzgebläse für verschiedene Klangfarben. Dazu hübscher Harmoniegesang von allen Bandmitgliedern und etwas Gast-Piano auf zwei Nummern - fertig ist die feine Mischkulanz.

Die angenehm vereinfachte Richtung wurde offenbar schon bei seiner "Wirtshaustour" durch Österreich eingeschlagen und erinnert sogar etwas an die legendäre Alpinkatzen-Zeit. Nachdem sich der Querdenker in den vergangenen Jahren großen Projekten wie seiner "Linz-Europa-Tour" entlang Donau, Rhein und Main gewidmet hatte, war es Zeit für etwas Neues, etwas - wenn man so will - Puristisches. "Ich kann nicht Volkslieder bis zum Abwinken spielen", gab HvG zu bedenken. Das alles erklärt die Klangfarben auf "EntwederUndOder": Insgesamt mehr Rock - natürlich wird der Bogen aber auch zu Jazz, Funk, Country und Traditionellem gespannt. "Es war nach vier Jahren Opulenz, breiten Sounds und einer großen Band von meistens neun Leuten schon der Wunsch, das Pendel in die andere Richtung zu bewegen, damit es neuen Schwung bekommt", so HvG.

"Brenna tuats guat" ist eine Nummer, wie sie nach wie vor nur der Mann aus Bad Goisern zustande bringen kann, mit "Indianer" legt er so etwas wie höchst amüsanten, alpinen Surfrock vor, "Halt nit an" ist eine wunderschöne Liebeserklärung an die Freiheit mit Potential zum Klassiker. Ruppiger wird es dann bei "I versteh di nit" und "Suach da an andern". Die zweite Hälfte des Albums (wer sich noch erinnert: Früher gab es hübsche Langspielplatten, die man tatsächlich umdrehen musste) ist dann die ruhige mit Stücken wie "I kenn oan", "Nit lang her", "Neama bang" und dem tief berührenden "Lebwohl".

Aussetzer haben sich nicht aufs Album gemogelt. HvG ist wieder auf der Höhe seiner Schaffenskraft - ohne das zuletzt vielleicht etwas prätentiös Anmutende, wohlgemerkt. "Ich habe mich erst daran gewöhnen und mir selber Mut machen müssen, dass das jetzt so passt und ich da nicht noch herumfeile und komplexer gestalte, sondern in dieser Einfachheit, teilweise auch Naivität, bleibe", gab er seine Gedanken zu Protokoll.

Konzertbesuch empfohlen

Nicht alle Texte sind durchwegs tiefschürfend wie eine Gletscherspalte, doch das scheint verschmerzbar. Die Musik des bald 60-Jährigen ist lyrisch genug, bietet ausreichend Substanz, um das in jeder Sekunde wettzumachen. Besonders live geht seine Musik bekanntlich sehr gut "eini" - wer zu einem Konzert in Österreich will, sollte sich allerdings rechtzeitig um Karten kümmern: Gerade einmal vier Termine sind momentan für 2012 im Tourkalender vermerkt, dafür viele Deutschland-Konzerte bis "rauf" zur Ostsee.

Gott vergelts - und haltens nit an, Herr Hubert.

THOMAS GOLSER

HvG-Steckbrief

Hubert von Goisern wurde am 17. November 1952 in Bad Goisern (Oberösterreich) als Hubert Achleitner geboren. Sein erstes Album erschien 1988 mit den Alpinkatzen, mit denen er auch seine größten Erfolge feierte. 1995 startete der sozial engagierte Kosmopolit seine Solo-Karriere.

Österreich-Konzerte 2012

25. Jänner: Graz, Orpheum

26. Jänner: Linz, Posthof

12. April: Innsbruck, Olympiahalle

15. April: Wien, Museumsquartier





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