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    Zuletzt aktualisiert: 20.01.2011 um 12:44 UhrKommentare

    Arktis: Die Lizenz zum Ausbluten?

    Ein Fünftel der auf unserem Planeten noch unentdeckten Ölschätze liegt in der Arktis: Dass sich der BP-Konzern - nur Monate nach "seiner" Ölpest im Golf von Mexiko - über einen Russen-Deal in die beste Startposition um ein hochsensibles Gebiet bringt, zeigt: unklar die Fronten, groß die Gier. Von Thomas Golser.

    Ölplattform Arktis?

    Foto © APÖlplattform Arktis?

    Eine Hand wäscht die andere - vor allem, wenn darauf Öl klebt: BP sichert sich über ein Geschäft mit dem Staatskonzern Rosneft den Zugang zu Arktis-Bohrungen - im Gegenzug kauft sich der Kreml über die Rosneft als größter BP-Einzelaktionär ein: Was in der Wirtschaft trocken als "Überkreuz-Beteiligung" bezeichnet wird, ist freilich viel mehr.

    Flagge in 4.000 Meter Tiefe

    2007 war es, als Russland im Rahmen einer medienwirksamen Aktion 4.000 Meter unter dem Nordpol eine Flagge in den Meeresgrund rammte - aus rostfreiem Titan, versteht sich. Väterchen Frost wird seit jeher hitzig, wenn es um Gebietsansprüche geht. Was hier symbolisch untermauert wurde, überzeugte die Vereinten Nationen freilich noch lange nicht: Seit 1996 gibt es den "Arktischen Rat", und das Säbelrasseln zwischen Russland, den USA, Kanada, Norwegen und Dänemark wurde seitdem bestimmt nicht leiser. Dass sich der russische Regierungschef Wladimir Putin zuletzt gegen eine "Schlacht" um Arktis-Rohstoffe und für eine "partnerschaftliche Zusammenarbeit der Arktis-Anrainer" ausgesprochen hat, scheint (bestenfalls) unglaubwürdig, wie sich nun erneut zeigt.

    British Petroleum hat damit ausgezeichnete Karten im Rennen um die Arktis-Ressourcen. Momentan und auch mittelfristig kommt man um Russland nicht herum, will man die Arktis, die in 40 Jahren eisfrei sein könnte, nach allen Regeln der Kunst ausbeuten. Galt BP vor wenigen Monaten und nach der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko noch als ein strauchelnder Übernahmekandidat, könnte man sich nun langfristig die Existenz gesichert haben. Ein zumindest für BP kluger Schachzug. Spätestens ab 2015 soll gebohrt werden.

    Dass eine Gruppe russischer Oligarchen BP lieber überhaupt nicht im Öltanker von Rosneft sehen und vor allem selbst am riesigen, tiefgekühlten Kuchen mitnaschen möchte, sorgt aktuell für Aufregung: Die neue Vereinbarung dürfe die Bedingungen des russischen Gemeinschaftsunternehmens TNK-BP keinesfalls verletzen - so einfach könne der Staat die Privaten nicht umgehen, wettert die potente Wirtschaftsgemeinschaft. Doch wer darf hier Ansprüche anmelden, wenn niemand weiß, wem die Arktis und ihre reichen Schätze eigentlich gehören? Faustrecht des Ruchlosen, Privileg des Schnelleren?

    "Die Arktis gehört keinem Staat allein", sagen Seerechtsexperten. Ein "ökologisch hochsensibles Gebiet" und "Gemeinerbe der Menschheit", sagen Umweltschützer. Es gibt freilich ein wesentliches Problem: Im Unterschied zur Antarktis gelang es bislang nicht, die Arktis unter Schutz-Konventionen und für Ölmultis bzw. die willfährigen Regierungen dahinter (samt Konsumenten an den Zapfsäulen) unantastbar zu machen. Paradox, dass gerade ein Gebiet, in dem sich die Auswirkungen des Klimawandels besonders deutlich zeigen, nicht zum "Reservat" erklärt werden konnte. Kaum ein Gedanke wird daran verschwendet, wie man das Gebiet bewahren kann, sehr viel Aufwand betrieben, um über geologische Daten zu beweisen, wem wie viel gehört: Der Meeresboden am Nordpol ist gebirgig. So kann argumentiert werden, dass die Kontinentalsockel der angrenzenden Staaten riesige Ausläufer haben, was die jeweiligen Gebietsansprüche vergrößert.

    Erdöl schwindet, Gier wächst

    Die kollektive Gier, sie wächst im direkten Verhältnis zu jedem Tropfen Erdöl, der dem Planeten noch entlockt werden kann: Alleine in den arktischen Gewässern zwischen Kanada und Grönland werden Erdöl-Vorkommen in der Höhe von rund 18 Milliarden Barrel (à 159 Liter) vermutet - und von Erdgas ist hier noch gar nicht die Rede. Erst Anfang Jänner 2011 hat sich z.B. das schottische Erdöl-Unternehmen Cairn Energy bei mehreren europäischen Banken relativ problemlos Kredite von 674 Millionen Euro gesichert, damit noch heuer in den Gewässern vor Grönland munter weitergebohrt werden kann. Grönland will dafür nicht nur mitschneiden, sondern von den Ölfirmen auch spezielle Milliarden-Garantien über die Umweltsicherheit. Auch hier: Eine Hand wäscht die andere.

    Alleine: Welchen "Wert" in diesem Bereich "Garantien" - sofern je abgegeben - haben, zeigte sich 2010, als 700 Millionen Liter Erdöl direkt in den Golf von Mexiko flossen...

    THOMAS GOLSER

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    Foto © AP

    Bild vergrößern2. August 2007Foto © AP

    Aufteilung

    Teile von Russland, den USA und Kanada, die Gebiete Grönland (Dänemark) und Svalbard (Norwegen) sowie die Region Lappland (Staatsgebiet von Norwegen, Schweden und Finnland) erstrecken sich über die arktische Region. Die fünf Arktis-Anrainerstaaten haben sich darauf geeinigt, ihre aktuellen Grenzstreitigkeiten nach der UN-Seerechtskonvention zu klären. Streitpunkt dabei ist, wie weit das Festland der Staaten reicht - nach der UN-Seerechtskonvention von 1982 dürfen Staaten von ihrem Festland aus 200 Seemeilen (370 Kilometer) wirtschaftlich nutzen.

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    Foto © www.worldatlas.com

    Bild vergrößernDie arktische RegionFoto © www.worldatlas.com

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