Zeit für die Decemberists - mitten im Jänner
Da lacht das gestrenge Kritiker-Herz - und das dazu passende Ohrenpaar jubiliert: Die Decemberists, jene schrullige US-amerikanische Kombo, die es sich zum Ziel gesetzt hat wie eine britische Hafenkapelle zu klingen, legte ein kleines, feines Meisterwerk vor: Von wegen, "The King is dead" - dem geht es wieder richtig gut!

Foto © www.decemberists.com
Werte unbekannte Muse, wo immer Du auch bist - Danke dafür, dass anno 2011 auch noch solche Alben das Licht der Welt erblicken können. Auf zehn Songs verteilte Brillanz, gute dosierte Emotion, wunderbare Texte und eine gut geölt aufspielende Band. Die Rede ist vom mittlerweile sechsten Album der Decemberists, pfiffig "The King Is Dead" betitelt. Schön folkig, folkig schön wurde das hübsch verpackte Werk, das es auch als - wie das heute so schön heißt - "Limited Edition" gibt, allerdings wirklich grotesk überteuert.
Ihrer Liebe zum launigen Geschichtenerzählen bleiben die Decemberists weiter treu, allerdings stehen die neuen Songs - im Unterschied zum doch etwas strapaziösen Konzeptalbum "The Hazards Of Love" von 2009 - nun auch für sich und wieder ganz im Mittelpunkt. Wenn man wollte, stünde hier Single neben Single, trotzdem verdient es das Album, vollständig gehört zu werden. Thematisch dreht sich natürlich wieder viel um Zwischenmenschliches bzw. die Liebe - und das Meer. Schöne Themen, schöne Musik.
Colin Meloy singt nach wie vor wie kein anderer: Etwas schneidend, etwas blasiert, etwas nölig - die Bezeichnung "nahe an der Hofnarr-Ästhetik", die man für ihn schon gelesen hat, muss aber nicht sein. Auch wenn das Midtempo ihm besser zum Scheitel steht als der Rocker: Das ist unfair. Die "Vocal Duties" teilt er sich dieses Mal auf einigen Songs mit Band-Kollegin Jenny Conlee und z.B. für das bezaubernde "Down By The Water" mit Gillian Welch. In Summe kommt einem die Sache angenehm vertraut vor wie die eigene Braut - nur trägt die dieses Mal ihr Haar wieder so, wie es ihr am besten steht.
Für Abwechslung ist trotzdem gesorgt: Mundharmonika, Banjo, Fiedel, Akkordeon gesellen sich zum Klanggerüst wie der Seemanns-Rum zum Schwarztee und macht die Sache gleichermaßen sympathisch und rund. Dazu reichlich Melodien zum Abtauchen, Mitschunkeln und - dann und wann mal - auch zum energischen Fußwippen. Plus: Der umtriebige Peter Buck von R.E.M. brachte seine Gitarren auch vorbei - und lässt so manchen Song klingen wie die Band, der er hauptberuflich seit 30 Jahren angehört.





