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Zuletzt aktualisiert: 08.06.2010 um 14:00 UhrKommentare

"Wir lieben Dich": Jobs lud zur "iPhone-Messe"

Apple-Boss Jobs kredenzte in San Francisco das neue iPhone 4G - nicht zuletzt als Geheimwaffe gegen den wachsenden Erfolg der Google-Smartphones. Sogar eine peinliche Panne konnte der Ergebenheit der Apple-Fans keinen Abbruch tun.

Apple: "iPhone 4G ist der größte Sprung" und "wirklich heiß"

Foto © ReutersApple: "iPhone 4G ist der größte Sprung" und "wirklich heiß"

"Wir lieben Dich, Steve", warf da einer aus dem Publikum dem hageren Guru der modernen Unterhaltungselektronik auf der Bühne des Moscone Center West an den Hals.

Wen liebt er? Den Menschen Jobs? Kennt er ihn? Die Produkte, die Jobs billig produzieren lässt und nicht ganz so billig verkaufen will? Das "Lebensgefühl", das einem angeblich mitgeliefert wird? Wenn Steve Jobs ein neues Handy vorstellt, wähnt sich so mancher offenbar nicht bei einer normalen Produkt-Präsentation, vielmehr lud der Apple-Boss für viele zu einer Art von "Messe". So jedenfalls der Eindruck. Doch hier wurde kein Heiliges Abendmahl gereicht, zur Eröffnung der Entwickler-Konferenz "WWDC" in San Francisco wurde der Nachfolger des schon seit Jahren bekannten iPhone 3GS präsentiert, das 4G, ein neues Mobiltelefon: Nicht mehr und nicht weniger. Ein wie immer bei Apple aus dem Ei gepelltes Produkt, an dem 18 Monate gefeilt wurde. Jobs verglich das Design sogar mit einer Leica, einst immerhin die beste Analog-Fotokamera der Welt.

Zunächst die von Apple-Konferenzen bereits sattsam bekannte Liturgie: Das Publikum wurde mit Jubelmeldungen und Rekordzahlen bombardiert: Was in Kirchen die Tafel mit den Liednummern im Gesangsbuch ist, sind hier offenbar die Projektionen, die großflächig an die Verkaufsfläche "gebeamt" werden. Das iPad komme fantastisch an (zwei Millionen verkaufte iPads, parallel dazu fünf Millionen elektronische Bücher für das Gerät) und überhaupt sei alles bestens im Apple-Land, in dem die tollsten Früchte ganz tief hängen. Jobs stellte, als er die im Vergleich zum Vorgängermodell stark verbesserte Bildschirm-Auflösung des iPhone 4G lobpries, in den Raum: "Wir denken, das wird den Standard setzen und niemand wird daran herankommen". Es wird jedenfalls schwer fallen, an der perfekten Medieninszenierung vorbeizukommen.

Peinlich wurde es freilich in einem Moment, als auch einem Jobs die Technik einen Strich durch die Rechnung machte: "I'm doing great except for these guys who aren't turning their WiFi off", hieß es, als er just vor 5.200 nach Neuigkeiten und Sensationen dürstenden Software-Entwicklern und Hundertschaften von Journalisten und Bloggern vergeblich versuchte, die Website der New York Times auf das iPhone 4G (Verkaufsstart in Österreich: Ende Juli) zu laden. Die sein Netz blockierende Jüngersschaft möge nun tunlichst ihre Laptops zuklappen. Apple-Ordner verliehen dieser Forderung laut Augenzeugen bei einem Gang durch das Publikum, in dem offenbar zu viele Wlan-Benutzern ihr Unwesen trieben, durchaus energisch Nachdruck.

Wie weit die Vernarrtheit der Apple-Anhänger geht, zeigte eine andere Wortspende aus dem Saal: "I was sitting in a café with my iPad, and it got a girl interested in me. Now that's what I call a magical device". Der nähestiftende Apfel, ein technisches Gerät als Aufriss-Vitamin? Die Magie hochpreisiger Hi-Tech-Gadgets? Gerade Rückmeldungen wie diese, ob nun echt oder inszeniert, sind das Wasser auf den momentan ohnehin bestens geschmierten Mühlen des Imperiums. Doch auch Schmieren will gelernt sein: Der Konzern schafft es bis heute in der öffentlichen Wahrnehmung blendend, Dinge zu erfinden, die es bereits seit geraumer Zeit gibt. Tablet-PCs z.B. gab es bereits Jahre vor dem iPad. Nicht beliebt, nicht erfolgreich, nicht so technisch ausgereizt, doch es gab sie.

Kein großer "Aha-Effekt"

Insgesamt blieben in San Francisco jedenfalls die große Überraschung, der große Aha-Effekt aus, und das war vielleicht das einzig wirklich Neue: Die Mär, dass einem angetrunkenen Apple-Programmierer schon vor Monaten ein produktionsnaher Prototyp des neuen iPhone abhanden gekommen sei, sie scheint wahr oder wenigstens bestens erfunden gewesen zu sein. Deshalb war es auch wenig verwunderlich, dass alle schon lange vor der Produktvorstellung von dem neuen Gerät ein Bild im Kopf hatten.

Es ist vor allem - ein Telefon.

Übrigens: Das populäre Technologie-Blog "Gizmodo", dem zu früh Fotos vom damals noch unveröffentlichten iPhone 4G zugespielt worden waren, bekam zur Entwicklerkonferenz keinen Zutritt, zumindest offiziell. Ein Job vergisst nicht. Auch das ist sein Job.


Wann, wie viel?

Der Verkaufsstart für das neue iPhone erfolgt am 24. Juni, zu-nächst in den USA, Großbri-tannien, Frankreich, Deutschland und Japan. Vorbestellungen sind ab 15. Juni möglich. In Österreich und 17 weiteren westlichen Staaten kommt das iPhone Ende Juli auf den Markt. Der Preis bleibt im Vergleich zum Vorgängermodell unverändert. In den USA wird das iPhone 4 mit Mobilfunkvertrag je nach Kapazität 199 oder 299 Dollar (166 oder 250 Euro) kosten. Apple bringt zudem eine neue Variante des iPhone 3GS mit 8 GB Speicherplatz auf den Markt, die 99 Dollar kosten soll.





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