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Zuletzt aktualisiert: 09.05.2012 um 12:37 UhrKommentare

Traum und Albtraum vom Landhaus

Ob Villa in Italien oder Baumhaus in Deutschland - das Landhaus ist Fluch und Segen, Himmel und Hölle, Landschaftsbereicherung und Landschaftsverschandelung zugleich. Wie wegweisende Projekte aussehen können, zeigt der Buchautor Holger Reiners.

Ein altes Bauernhaus als Siegerprojekt der Architekten Markus Wespi und Jérôme de Meuron

Foto © Markus Wespi/Jérome de Meuron, CavianoEin altes Bauernhaus als Siegerprojekt der Architekten Markus Wespi und Jérôme de Meuron

Man könnte ein altes Sprichwort umwandeln: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn der Nachbar scheußlich baut" oder man hält sich an den Wiener Künstler Arik Brauer, der mit seinem Lied "Sie ham a Haus baut", bereits in den 70er-Jahren das Grauen des Hausbaus vertont hat. Um Abhilfe zu schaffen hat Holger Reiners, freiberuflicher Planer und Buchautor in Hamburg, dazu bewogen seit 1998 jährlich einen Architekturpreis zu stiften.

Der Traum vom eigenen Refugium

2011 hat er sich einer ganz speziellen Architektur-Spezies zugewandt: dem Landhaus. Raus aus der Stadt und hinein in die Natur, sich den Traum vom eigenen Refugium erfüllen, weniger Rücksicht auf Nachbarn nehmen müssen und endlich großzügig planen - für viele Architekten, darunter auch für Reiners, stehen diese Wünsche am Beginn eines Weges, der im Traumhaus oder auch im Albtraum enden kann: "Gerade auf dem Lande, mit dessen spezifischer Struktur wir so viele Erwartungen und Sehnsüchte verbinden, werden die größten baulichen Sünden begangen." Um hier anzusetzen, hat der Autor mit dem Buch "Das Landhaus" eine Begleitpublikation zu seinem Architektur-Preis vorgelegt, die nicht nur für Architekten und Architektur-Interessierte eine Sammlung preisgekrönter Häuser zeigt, sondern auch für künftige Hausbesitzer eine grundsätzliche Einleitung in das Thema sein kann.

Projekte zur Ideenanregung

Das Buch zeigt insgesamt 33 Villen, Sommerhäuser und Refugien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die unterschiedlicher nicht sein könnten und genau deshalb eine breit gefächerte Ansammlung von Stilen, Ideen und Umsetzungen bieten. Ob Neubau, Umbau oder Sanierung - das Landhaus bringt durch die es umgebende Landschaft eine herausfordernde Ebene mehr ins Bauprojekt mit ein. Der richtige Umgang mit dieser Ebene entscheidet letztlich auch darüber, ob das Gesamtprojekt gelungen oder auch gescheitert ist. Ganz und gar gelungen ist etwa das Siegerprojekt der Architekten Markus Wespi und Jérôme de Meuron - ein 300 Jahre altes, halb abgebranntes Bauernhaus in den italienischen Marken, das mit viel Einfühlungsvermögen und noch mehr Wissen um den typischen Baustil dieser Kulturlandschaft - sprich regionaltypische Materialien und alte Handwerkstechniken - wieder bewohnbar gemacht wurde. Dass solch aufwändige Projekte nicht für jedermann leistbar sind, ist klar, spricht aber nicht dagegen, dass man sich von der grundsätzlichen Herangehensweise nicht auch für andere Projekte - etwa der Sanierung eines kleinen Bauernhauses - das eine oder andere abschauen könnte. Ideen aufnehmen und Anleihen nehmen ist hier der gewünschte Effekt.

Dass der Begriff Landhaus so vielfältig sein kann, wie es Landschaftstypen gibt, ist eine weitere spannende Facette des Buches - so stammt eines der preisgekrönten Objekte vom deutschen Baumhaus-Guru Andreas Wenning. Der sogenannte Kupferkubus - ein Baumhaus mit kupferner Außenhülle und Baumterrasse - lässt das Herz von großen und kleinen Kindern höher schlagen. Auch wer nicht über das große Budget für ein großes Landhaus verfügt, kann sich seinen - mehr als originellen Traum - vom eigenen Landhaus verwirklichen. Ob großes Budget oder kleines Budget, ob kleines Haus oder großes Haus - die 33 vorgestellten Projekte zeigen sehr eindringlich, dass es durchaus von Vorteil ist, wenn nicht der Mensch der Natur seinen Stempel aufdrückt, sondern sich von Natur und Kulturraum inspirieren lässt.

Susanne Rakowitz





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