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Zuletzt aktualisiert: 12.04.2012 um 13:38 UhrKommentare

Commodore 64 oder eine Ode an den "Brotkasten"

Er war der Computer mit Herz - der Commodore 64 war für die Generation vor den "Digital Natives" das Tor zur digitalen Welt. Sein Erfinder, Jack Tramiel, starb am Ostersonntag - ein Nachruf und eine ganz persönliche Danksagung von Susanne Rakowitz.

In voller Schönheit: Der Commodore 64

Foto © www.commodoreusa.netIn voller Schönheit: Der Commodore 64

1977, ein Schicksalsjahr - das Ende von Elvis, die Erfindung des ersten Commodore-Computers und mein Geburtsjahr. Ländlich sozialisiert, gab es für uns eine klare Vorstellung von Technik und vor allem, wo der Anfang war und wo das Ende: Fernseher, Traktor, Mixer, Holzspalter, Auto auf der einen Seite und Raumschiff Enterprise auf der anderen. Die eine Seite war real, der Rest Phantasie, dazwischen gab es nicht allzu viel. Das Kinderfernsehen war programmtechnisch limitiert und wer von uns wollte schon den ganzen Tag im Haus verbringen?

Von Mary Poppins zu Wargames

Natürlich wussten wir, was ein Computer ist, doch das Interesse daran war enden wollend, was vermutlich auch daran lag, dass niemand jemals mit einem in Berührung gekommen war. Computer - das war doch schon sehr Amerika und weniger Südsteiermark - bis an einem Neujahrstag Mitte der 80er Jahre mein persönlicher Technik-Paradigmenwechsel eingeleitet wurde: Im Fernsehen kam - direkt nach Mary Poppins - der Film "Wargames". Matthew Broderick verkörpert im Film den computerbegeisterten Teenager David Lightman, der sich auf der Suche nach Computerspielen in ein Militärsystem einhackt und damit fast einen "thermonuklearen Krieg" auslöst. Eine Botschaft blieb hängen: Der Weg in Richtung Raumschiff Enterprise ist geebnet.

Die Weichen dafür wurden 1982 - also vor genau 30 Jahren - in Kalifornien gestellt. Jack Tramiel präsentierte mit seiner Firma Commodore auf einer Elektronikmesse den "Homecomputer" C64. Das Gerät hatte das Zeug zum wahren Volkscomputer und hat sich in den kommenden Jahren über 30 Millionen Mal verkauft. Bis heute hält Commodore damit den Weltrekord des populärsten Personal Computers aller Zeiten. Und dieser "Brotkasten" schloss auch bei uns den Kreis zwischen Amerika und der Südsteiermark: Unser Familienfernseher mutierte zur blauen Oberfläche mit folgender Botschaft:

**** COMMODORE 64 BASIC V2 ****
64K RAM SYSTEM 38911 BASIC BYTES FREE

READY.

Und plötzlich waren wir Computer.

Im Jänner 1982 erschien das Time Magazine mit einem visionären Cover: "Video Games Are Blitzing the World" - und Recht hatten sie. Die Frage "Wer will schon den ganzen Tag im Haus verbringen?" hat sich schnell umgedreht - die drei Rakowitz-Kinder verbrachten ihre Tage liegend vor dem Fernseher - die Zutaten zum Glück hatten den Klang von Zukunft: Commodore, Datasette, Joystick. Die Diskette gab es noch nicht, das Internet für die breite Masse dauerte noch viele Jahre. War uns auch egal, unser Universum war ein Computerspiel mit dem klingenden Namen "Wizard of Wor" und hatte zur Folge, dass wöchentlich ein Joystick in die ewigen Jagdgründe geschickt wurde.

Der Einstieg in die digitale Welt war immer auch eine Terraineroberung mit wackeligem Ausgang: Von Plug & Play - also dass sich ein Gerät von selbst aktiviert und dem Nutzer ohne weiteres Zutun zur Verfügung steht - konnte keine Rede sein. Der Commodore 64 musste mit den seltsamsten Buchstabenkombinationen gefüttert werden, um ihn zum Laufen zu bringen. Und wehe, man vertippte sich - schon das Handbuch warnte eindringlich davor: "Wenn der Computer sich mit ?SYNTAX ERROR meldet, so haben Sie etwas falsch gemacht; vielleicht haben Sie sich vertippt, oder ein Anführungszeichen vergessen. Der Rechner ist sehr "pingelig" und erkennt die Befehle nur, wenn sie genau dem vorgegebenen Schema entsprechen."

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Foto © www.commodoreusa.net

Foto vergrößernDie Oberfläche des Commodore 64Foto © www.commodoreusa.net

Besonders Furchtlosen wurden gleich auf Seite 8 des Handbuchs die Flügel gestutzt: "Denken Sie daran: Programmieren ist keine Fähigkeit, die man an einem Tag erlernt; fassen Sie sich in Geduld und gehen Sie Ihr Handbuch Punkt für Punkt sorgfältig durch." Solche Hinweise musste man sehr ernst nehmen, denn schließlich hatte man sich "einen der höchstentwickelten Mikrocomputer der Welt" zugelegt, der übrigens auch noch mit Musik- und Toneffekten ausgestattet war, die aus dem Brotkasten einen "vollwertigen Synthesizer" machten. Grundsätzlich muss also festgestellt werden, dass wir uns damals durchaus auf Augenhöhe mit dem Enterprise-Captain James D. Kirk befanden.

Aufbruch in neue Welten

30 Jahre später müssen die "Commodore Kids" künftig ohne Jack Tramiel auskommen, er starb am 8. April 2012 nach einem erfolgreichen Geschäftsleben im kalifornischen Monte Cereno im Kreis seiner Familie. Doch was ist uns geblieben? Zumindest die Freude daran, die neuesten Technik-Welten immer wieder neu zu erobern – womit wir eigentlich wieder bei Raumschiff Enterprise wären – Holodeck, wir kommen!

SUSANNE RAKOWITZ

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Foto © Andreas Ahammer

Bild vergrößernKleine Zeitung-Facebook-Fan Andreas Ahammer ist für uns auf den Dachboden geklettert und hat seinen alten C 64 fotografiertFoto © Andreas Ahammer





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