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Zuletzt aktualisiert: 26.07.2012 um 18:54 UhrKommentare

Die Lust am Außergewöhnlichen

Der besondere Reiz olympischer Sommerspiele liegt oft im Verborgenen. Randsportarten, die ansonsten ein Schattendasein führen, rücken endlich in den Blickpunkt. Die spektakulärsten, schönsten und skurrilsten Bewerbe in London 2012. Von Stefan Tauscher.

Gleichkang absolut erbeten: Synchronschwimmen

Foto © APAGleichkang absolut erbeten: Synchronschwimmen

Können Sie unfallfrei alle fünf Einzeldisziplinen des Modernen Fünfkampfs aufzählen? Oder die Bewerbe Keirin, Omnium, Skeet und Trap einwandfrei den jeweiligen Sportarten zuordnen? Nein? Herzlich Willkommen bei Olympia 2012! In den nächsten Wochen bieten sich genug Möglichkeiten, eventuell vorhandene Wissenslücken bezüglich der insgesamt 26 in London abgehaltenen Sportarten zu schließen.

Während bei Olympischen Winterspielen die Aufmerksamkeit der Österreicher aufgrund der zu erwartenden Medaillen für Alpine und Nordische stets gegeben ist, haben es Olympische Sommerspiele in unseren Breitengraden eher schwer. Die wahre Flut an parallel laufenden Sportereignissen sorgt dafür, dass bestenfalls die heimischen Medaillengewinner und die internationalen Superstars wie Michael Phelps und Usain Bolt anno 2008 im Gedächtnis hängen bleiben.

Hohe Anforderungen an Mensch und Tier

Doch gerade darin liegt der besondere Reiz der Sommerspiele: Gut zwei Wochen lang hat der geneigte TV-Konsument die Gelegenheit, abseits der allgegenwärtigen Schwimm- und Leichtathletikbewerbe völlig neue Sportarten kennenzulernen, mit Athleten mitzufiebern, deren Namen man einige Tage und Wochen später schon wieder vergessen hat und die volle Bandbreite menschlicher Emotionen hautnah zu erleben. Vermeintliche Randsportarten, die ansonsten ein Schattendasein führen und in der medialen Berichterstattung von Fußball, Formel 1 und Co. schier erdrückt werden, rücken dann in den Blickpunkt und erhalten endlich die ihnen gebührende öffentliche Aufmerksamkeit.

Die Palette des dieser Tage in London Gebotenen reicht dabei von spektakulär über schön bis skurril. Beispiele gefällig? Trampolinspringen etwa, das am 3. und 4. August am Programm steht, ist seit Sydney 2000 olympisch und liefert mit Sicherheit atemberaubende Impressionen. Große Sprünge gibt es auch beim Wasserspringen zu bestaunen, wenn sich unerschrockene Athleten zehn Meter in die Tiefe stürzen. Wasserball ist die vielleicht interessante Ballsportart überhaupt bei Olympia, die besten Szenen spielen sich nämlich zumeist unter der Wasseroberfläche ab.

Überhaupt bietet dieses Element großen Sport, auch im Wildwasser-Slalom wird es – mit österreichischer Beteiligung – ordentlich zur Sache gehen. Etwas ästhetischer geht es im Synchronschwimmen zu, wenn Wassernixen im Gleichklang durch die Fluten tauchen. Auch bei der Rhythmischen Gymnastik und im Dressurreiten ist pure Leistung nicht alles und wird der Ausdruck streng benotet. Pferde sind zudem bei einer der umstrittensten Disziplinen überhaupt beteiligt: Beim Vielseitigkeitsreiten werden hohe Anforderungen an Mensch und Tier gestellt, nicht gerade zur Freude der Tierschützer, die sich für die ersatzlose Streichung der militärisch inspirierten Sportart aussprechen.

Auch der Moderne Fünfkampf hat bereits ein Jahrhundert Olympia am "Buckel" und ist damit entgegen seinem Namen ein echter Anachronismus. Ins Leben gerufen vom Initiator der modernen olympischen Spiele, Pierre de Coubertin, soll in fünf völlig konträren Sportarten (Pistolenschießen, Degenfechten, Schwimmen, Springreiten und Crosslauf) der ideale und vielseitigste Athlet gefunden werden. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London werden die Disziplinen Schießen und Laufen ähnlich einem Sommerbiathlon in einem abgehalten. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, der Moderne Fünfkampf wird am letzten Olympia-Wochenende abgehalten.

"König der Leichtathleten"

Apropos Pistolenschießen: Die olympischen Schießbewerbe können etwa mit Skeet, Trap und Doppeltrap aufwarten, allesamt Varianten des Wurfscheiben- oder Tontaubenschießens. Pure asiatische Gelassenheit vermittelt das Bogenschießen, das in der ersten Olympia-Woche am Programm steht. Schon etwas mehr Action bieten da die Bewerbe im Mountainbiken und BMX-Fahren (!). Zahlreiche, auf den ersten Blick nur wenig voneinander unterscheidbare Disziplinen sollen die Besucher ins Velodrome locken, in der das Bahnradfahren abgehalten wird. Beim aus Japan stammenden Keirin wird um die Wette gesprintet, beim Scratch steht der Sieger erst nach einer längeren Distanz fest. Im Omnium schließlich wird der vielseitigste Bahnradfahrer gekürt.

Der Gewinner des Zehnkampfs gilt nicht zu Unrecht als "König der Leichtathleten", muss er doch vier Lauf-, drei Sprung- und drei Wurfdisziplinen am besten bewältigen. Das macht den Zehnkampf zum wahrscheinlich spektakulärsten Bewerb im Olympiastadion, wenn auch die Sprintrennen in der Regel mehr Aufmerksamkeit erhalten. Der Preis für den skurrilsten Leichtathletikbewerb geht aber wohl ans "50 km Gehen". Dabei muss im Unterschied zum Laufen immer Bodenkontakt bestehen. Außerdem muss der Geher das vordere Bein strecken, bis es in senkrechter Stellung ist. Die allerbesten Athleten brauchen für diese Marathonstrecke übrigens gut dreieinhalb Stunden.

STEFAN TAUSCHER





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