Aliens sind auf dem Mars gelandet
Nach sieben spannenden Minuten wie aus einem Hollywood-Film setzte der Mars-Roboter "Curiosity" seine Räder auf den staubigen Boden einer fremden Welt. Es ist eine riskante Milliarden-Mission, richtungsweisend für die Nasa. Die erste Überraschung gibt es bereits jetzt: Auf Twitter wird der Roboter zum erzählfreudigen Sechsrad. Von Sebastian Krause.
Quelle © APA Curiosity am Mars: Geologe mit schwerem Rucksack
In den letzten Minuten der abenteuerlichen Reise blickten die Wissenschaftler der Nasa gebannt auf drei dünne Nylonseile. An ihnen hing der Alien in der Größe eines Kleinwagens, an ihnen hing das wichtigste Nasa-Projekt seit Jahren. "Curiosity" heißt der Mars-Rover, der zuvor durch dichte Nebelschwaden in die Atmosphäre des Mars eingedrungen war. Wie aus einem Hollywood-Film mutet das Manöver an; raketenbetriebene Science-Fiction in einer fremden Welt. Für die Nasa-Ingenieure Minuten des Terrors, wie sie das Unterfangen gekonnt dramatisierten. Die Väter der Mission können in diesen Minuten nur zusehen und hoffen.
Der Anflug, das riskante Bremsmanöver, die Landung selbst: Alles läuft voll automatisiert ab. Was, wenn einer bei der Programmierung gepatzt hat? Ein kleiner Fehler, Jahre vor der Landung – und Curiosity stürzt in die felsige Kraterlandschaft des Roten Planeten.
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Foto vergrößernDas erste Bild nach der Landung: "Seht her, ich werfe einen Schatten"Foto © Reuters
Die drei dünnen Seile hielten. An ihnen ließ der "Sky Crane", eine Art schwebender Kran, den Mars-Rover sanft zu Boden. Eine dicke "Nabelschnur" versorgte ihn mit Energie, dann plötzlich fuhr der Rover seine sechs Räder aus und sandte das erste, wacklige Bild von seiner neuen, unwirtlichen Umgebung in die Nasa-Zentrale. "Ich werfe einen Schatten", ließ die Nasa den Rover twittern. Grenzenloser Jubel kam auf, in der Zentrale der Raumfahrtbehörde ebenso wie in den Uni-Hörsälen auf der ganzen Welt, wo die Landung live übertragen wurde. Über Twitter jubelten Millionen Menschen binnen Minuten den Ingenieuren zu, die für Curiosity und Sky Crane eigene Twitter-Konten eingerichtet hatten und die Maschinen so direkt mit ihren Fans sprechen ließen. Letzterer meldete sich kurz nach der erfolgreichen Landung seiner kostbaren Fracht: "Juhu, wir haben es geschafft - jetzt brauche ich eine Mitfahrgelegenheit nach Hause, Jungs! Jungs?" Die Nasa ließ den Kran in ca. 150 Meter Entfernung zur Sonde schließlich kontrolliert abstürzen. "Es ist schön hier! Ich wünschte, ich hätte eine Kamera, um euch die Aussicht zu zeigen", ließ das Team der Nasa den erfolgreichen Helfer noch einmal twittern.
Der betont humorvoll-emotionale Umgang auf Twitter ist Ausdruck der Anspannung, die von den Schultern der Nasa gefallen ist. Ein über das Internet sprechender Roboter, der Fragen beantwortet und in einer fremden Welt nach Spuren von Leben sucht? Die Nähe zu Disneys anrührender Parabel der einsamen Maschine "Wall-E" ist kein Zufall, sie führt die Nasa zumindest kurz zurück in den Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Curiosity ist das teuerste unbemannte Raumfahrprojekt, Kritiker warnten stets, die Nasa würde angesichts ihres nunmehr knappen Budgets alles auf eine Karte setzen.
Arbeit beginnt erst
Der komplizierte, risikoreiche Landeanflug wurde kurz nach dem ersten Jubel schon zum Politikum. US-Präsident Obama, gerade mit den irdischen Mühen der Wiederwahl beschäftigt, gratulierte der Nasa und feierte Curiosity als patriotischen Erfolg. "Die Vormachtstellung der USA im All und auf der Erde hat ihren Ursprung in der Technologie und Wissenschaft". Dass er mit seinem Spardiktat den Horizont der Nasa deutlich einengen musste, hatte in der Meldung naturgemäß nichts verloren.
Doch die ausgefeilteste Mars-Mission der Geschichte beginnt erst richtig, wenn die Welt ihren Blick wieder abwendet. Der 900 Kilo schwere Rover wird nun einige Tage benötigen, seine Instrumente zu kalibrieren, den Greifarm, die 17 Kameras und Laser zu testen und mit den Satelliten in der Umlaufbahn Kontakt aufzunehmen. Erst dann geht er an seine eigentliche Arbeit: Die Suche nach Spuren von Wasser. Es geht um die Frage, ob es am Mars jemals Leben gab oder in Form von Bakterien noch immer gibt. "Es ist, als hätten wir jetzt einen Neuwagen mit einem Kofferraum voller Technik da oben", sagte ein Ingenieur nach der ersten Euphorie. Da tritt man auch nicht gleich aufs Gas.
Curiosity selbst hat scheinbar kein Problem damit, noch ein wenig zu warten. Ende der Woche soll der Rover erstmals hochauflösendes Bildmaterial vom Roten Planeten senden – bis dahin wird im Internet geplaudert. Das schnatternde Sechsrad soll für die Dauer der Mission weiter auf Twitter aktiv bleiben. In seinem Namen schrieb ein Ingenieur in Anlehnung an die unvergessenen Worte, die einst Neil Armstrong aussprach, als er seinen Fuß in den staubigen Mondsand setzte: "Es war einmal ein kleiner Schritt... - jetzt sind es sechs dicke Räder".
Die riskante Mars-Landung.
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"Curiosity" als munterer Twitterer
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Bild vergrößernEine Frage der Größe: Curiosity (rechts) in einer Studie mit den früheren Mars-Robotern Sojourner (vorne links, 1997) und die Zwillings-Maschine Spirit und Opportunity (links hinten, 2004)Foto © Reuters









