Geheime Dienste
Der größte Geheimdienst der Welt stolpert über eine offene Rechnung – bei einer Prostituierten. Eine peinliche Affäre aus Saufgelagen und Sex zieht immer weitere Kreise und könnte zum Problem für Präsident Obama werden.

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Sie sollten sich um die Ankunft der amerikanischen Delegation in Kolumbien kümmern. Zumindest tagsüber. Der Amerika-Gipfel ist für einige Secret Service Agenten allerdings schon vorbei, bevor er richtig angefangen hat – weil sie nachts taten, was Edwin Donovan, Einsatzleiter des Geheimdienstes, wohlwollend als "schweres Fehlverhalten" bezeichnet.
Die Affäre hatte ihren Ausgangspunkt bei einem früheren Reporter der "Washington Post". Dieser machte, nachdem er ein Buch über die präsidialen Bewacher schrieb, seine Ex-Kollegen auf den Fall aufmerksam. Am Rande der Gipfel-Vorbereitungen in der Küstenstadt Cartagena sollen die Agenten Kontakt zu Prosituierten gehabt haben. Die "geheimen Dienste" sollen bei "Saufgelagenen" in Anspruch genommen worden sein, von denen Hotelangestellte berichten. Die Affäre scheint sich zudem auf das Militär auszuweiten: Am Sonntag wurden elf Agenten und fünf Soldaten zurück in die Heimat gesandt und vorzugsweise durch Frauen ersetzt.
Problem für Obama
In den US-Medien stellt der Skandal längst die Berichterstattung über den Gipfel in den Schatten. Obamas Bewacher, denen Kontakt zu Prostituierten strengstens untersagt ist, sind ein gefundenes Fressen für die wahlkämpfenden Republikaner, die dankbar jeden Fehler im Umfeld des Präsidenten aufgreifen und schnell einen "moralischen Verfall" orten. Es kann zum ernsten Problem für Obama werden, wenn das Thema weiterhin die Titelseiten schmückt. Der US-Präsident machte stets ein offenes Geheimnis daraus, mit einigen seiner persönlichen Leibwächter gute Freundschaften zu pflegen – im knochenharten US-Wahlkampf kann auch eine Freundschaft schnell zur Last werden.
Jon Adler, amerikanischer Bundespolizist, gab am Samstag zudem pikante Details zur Affäre preis: Offenbar folg das geheime Nachtleben der Agenten erst auf, als ein Agent eine offene Rechnung bei einer Prosituierten nicht bezahlen wollte und es deshalb zum Streit kam. Der mächtigste Geheimapparat der Welt hatte in den letzten Monaten immer wieder mit seinen Agenten zu kämpfen: Im November stand ein Mitarbeiter wegen Totschlags vor Gericht, im August wurde ein weiterer Agent betrunken am Steuer seines Wagens aufgehalten.
Features
Mehr Frauen
Unterdessen wurde die Zusammensetzung des Beschützerteams der US-Delegation und des Präsidenten verändert: Nun seien weit mehr Frauen im Einsatz, die auch spanisch sprächen und "sehr streng" seien, hieß es von offizieller Seite.
Fakten
Der Sprecher des Weißen Hauses, Jim Carney, betonte, die Sicherheit des Präsidenten sei in keinem Moment gefährdet gewesen.
Die Vorfälle hätten sich bereits vor Obamas Ankunft in dem südamerikanischen Land abgespielt.





