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Augen auf, Ohren auf, die Helmis sind da Der wundersam Gewandelte Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Sebastian Krause Nächster Artikel Augen auf, Ohren auf, die Helmis sind da Der wundersam Gewandelte
Zuletzt aktualisiert: 20.02.2012 um 10:30 UhrKommentare

Fräulein Merkels Gespür für Schmäh

Angela Merkel verkauft die Nominierung Gaucks als Entscheidung einer politischen Gemeinschaft – dabei hätte es die Koalition beinahe zerrissen, weil sie Gauck nicht wollte. Ein schlechter Witz? Ein Kommentar von Sebastian Krause.

Gauk, Merkel: Zu hoch gepokert

Foto © APAGauk, Merkel: Zu hoch gepokert

Politiker sagen zuweilen seltsame Dinge und lachen dabei. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel fand bei der Pressekonferenz zur Bestellung Joachim Gaucks zum deutschen Bundespräsidenten lobende Worte für den Lebensweg und das Schaffen des ehemaligen DDR-Bürgerrechtlers. Irgendwann warf sie dazwischen, fast unscheinbar, es gebe auch Differenzen. Sie lächelte gequält, versuchte, gute Miene zum parteipolitischen Spiel zu machen. Staatstragend geht anders, die Affäre um Christian Wulff und die Suche nach seinem Nachfolger war ein Machtkampf der Parteien, den Angela Merkel und die Union verloren haben. Nun gilt es, die Niederlage als Zeichen von Größe zu verkaufen.

Der Versuch, Einheit in der Koalition zu demonstrieren, schlug gründlich fehl, sie soll sogar kurz vor dem Fall gestanden haben. Eine geplatzte Regierung, eine verärgerte Opposition, das alles inmitten der Schuldenkrise, einen Tag bevor der nächste Scheck nach Athen geschickt wird? Die Börsen wären wieder einmal ins Chaos gestürzt, ausgerechnet das krisenfeste Vorbild der EU hätte die Krise noch weiter verschlimmert. Angela Merkel weiß das – und sie weiß wohl auch, dass sie mit ihrer Ablehnung gegenüber Gauck zu hoch gepokert hat.

So lächelt die Kanzlerin, die sich nun den Vorwurf gefallen lassen muss, in der Präsidentschaftsfrage vieles falsch gemacht zu haben. Erst die stille Rückendeckung für den taumelnden Christian Wulff, dann das Machtspiel um Joachim Gauck – und das Eingeständnis, dass ihre erste Wahl die falsche war. "Bei aller Verschiedenheit", pointierte sie, sei Gauck der beste Mann für den Job. Angela Merkel weiß immerhin, wann sie lachen muss. Auch, wenn der Witz dieses Mal auf ihre Kosten geht.

SEBASTIAN KRAUSE





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