Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
27. Mai 2012 02:23 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren 332937 Mitglieder | 51 online
Boom-Tschak mit Vielfalt Die Opferumkehr des H.C. Strache Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Sebastian Krause Nächster Artikel Boom-Tschak mit Vielfalt Die Opferumkehr des H.C. Strache
Zuletzt aktualisiert: 04.01.2012 um 13:49 UhrKommentare

Die Foxjagd

Der konservative US-Sender Fox News will Obama aus dem Weißen Haus jagen - aber ohne Favorit Mitt Romney. Dafür nimmt man es mit Fakten nicht so genau und verkommt zur Propagandamaschine der Republikaner. Das Programm aus Halbwahrheiten und Skandalen macht nachweislich dümmer. Von Sebastian Krause.

Debatte auf Fox News: Krieg der Skandale

Foto © APDebatte auf Fox News: Krieg der Skandale

Acht Stimmen waren es am Ende. Acht Menschen zuviel, die Fox News nicht erreicht hat, deren Meinung der Sender nicht bis in die Grundmauern eingerissen und Stein für Stein durch ein Fundament aus Halbwahrheiten und Gerüchten ersetzt hat.
Fox News, das ist der amerikanische Haussender der Republikaner. Das Leitmedium des "Bibel Belt", der konservativen Landbevölkerung, das Zentralorgan des "guten Amerikaners". Und dieser Amerikaner, er darf den republikanischen Spitzenkandidaten Mitt Romney nicht mögen. Findet Fox News. Und was die Think Tanks des Senders wollen, dem folgen die Millionen republikanischer Stammwähler für gewöhnlich. Und doch: Romney errang mit knappen acht Stimmen Vorsprung den Sieg bei der ersten Vorwahl in Iowa. Was ist da los im konservativen Amerika? Verliert Fox News an Einfluss? Weit gefehlt, man macht sich das Leben nur selbst schwer.

Bis zu fünf Millionen Amerikaner saßen vor den Bildschirmen, als einer der Stars des Senders, Bret Baier, Mitt Romney zum Interview gegenübersaß. Romney wirkte entspannt, obwohl Baier bekannt wurde durch seine harschen, ungehaltenen Fragen, die selbst den redegewandten Barack Obama ins Straucheln brachten. Romney hat beste Chancen, die Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat zu erhalten, er führt in den Umfragen. Er ist der Republikaner der Stunde, ein Interview auf Fox ist Routine. Ein Gespräch mehr, wie damals, als George Bush über Jagdreviere und Jogging-Routen plauderte, während die Demokraten kritische Fragen zum Irak-Krieg beantworten mussten. Doch nicht dieses Mal: Baier fiel Romney permanent ins Wort, hinterfragte unnachgiebig seine wechselnde Position in der Debatte zur Gesundheitsreform. Wie ein angezählter Boxer hangelte sich Romney zum Ende des Interviews, danach mied er Fox für Wochen. Das war das neue Fox News, der republikanische Fels in der Brandung, der die eigene Partei vergrault.

"Mit dem Herzen wissen"

Der typische Fox-Seher, so zeigen Studien, ist weiß, älter und im Mittelstand beheimatet. Er wohnt im Herzen der USA, fernab der liberalen Küsten. Viele glauben noch immer, Obama sei in Wahrheit Muslim und Sozialist. Zwei Millionen solcher Stammseher hat Fox News, ein gigantischer Wert in der chaotischen Welt des amerikanischen Kabelfernsehens. Der Sender bedient sein Publikum 24 Stunden am Tag, indem er in Talkshows und Kommentare durch kurze Nachrichtensendungen unterbricht und permanent den Teufel an die Wand malt: Barack Obama und die Demokraten. Der Clou: Die unzähligen Meinungsflächen des Senders wirken wie Nachrichten, der Seher wird verführt, die Hetzerei für Fakten zu halten. Der amerikanische Satiriker Stephen Colbert beschrieb diese Taktik: "Fox ist nicht für jene, die mit dem Kopf denken, sondern für die, die mit dem Herzen wissen".

In diesen Tagen hat Fox News ein ungewohntes Problem. Über die letzten Monate hat der Sender mit einem noch nie da gewesenen Eifer den Vorwahlkampf der Republikaner begleitet und in einen regelrechten Zirkus verwandelt, der dem Sender nun zu entgleiten droht. Stets hetzte Fox die Kandidaten vor sich her, machte der Reihe nach Michelle Bachmann, Rick Perry, Herman Cain und letzten Endes sogar den Querdenker mit dem Hang zu Skandalen, Newt Gingrich, zu Favoriten – und brachte sie wieder zu Fall. Nur Mitt Romney unterstützte man nicht, den Wirtschaftsliberalen, den Mormonen, den Progressiven aus dem linken Flügel der Rechten. Die republikanische Basis will Romney nicht, doch die politische Mitte ist es, mit deren Unterstützung man in den USA Wahlen gewinnt. Romney weiß, sobald er die Nominierung inne hat, müssen sich die Republikaner ohnehin hinter ihn stellen. Auch Fox News?

Als Michelle Bachmann in den Umfragen führte, stellte Fox provokant die Frage, ob man sie denn überhaupt ernst nehmen dürfe. Die Wähler folgten, Bachmann stürzte ab. Als Herman Cain mit neuen Steuerplänen die Basis verzückte, lud Fox Frauen zu Talkshows ein, die über sexuelle Belästigung des Politikers klagten. Wieder folgte der Wähler, Cain stolperte schließlich und zog sogar seine Kandidatur zurück. Den Sehern gefiel das, sie waren müde vom immergleichen Sperrfeuer gegen die Demokraten: Die Quoten stiegen, solange Fox die Skandale lieferte. Nun steht der Sender aus Rupert Murdochs Medienimperium vor dem Ergebnis der Hetzjagd: Mitt Romney heißt der Favorit und er schickt sich an, ein altes Grundgesetz der amerikanischen Politik zu brechen: Gegen Fox News wird niemand Kandidat der Konservativen. Doch Fox selbst hat alle anderen ihrer Chancen beraubt.

Fox macht dumm

Druck auf den Sender kommt auch von anderer Seite. Eine Studie der Fairleigh Dickinson University in New Jersey zeigt, was viele schon lange vermuteten: Fox macht tatsächlich dümmer. Wer den Sender regelmäßig schaut, weiß weniger als jemand, der überhaupt keine Nachrichten sieht. Hunderte Menschen wurden von der Universität nach ihren Nachrichtenquellen befragt und dann nach dem aktuellen Weltgeschehen. Die Wahrscheinlichkeit, die richtige Antwort von einem Nachrichtenverweigerer zu bekommen, liegt bis zu 18 Prozent höher als bei einem Fox-Seher.
Überdurschnittlich gut schnitten ausgerechnet die Seher von Jon Stewarts "Daily Show" ab. Trotz seiner Satire-Sendung gilt Stewart bei den jungen Amerikanern als glaubwürdigster Nachrichtenmoderator. Der Komiker hat es sich zur Aufgabe gemacht, den republikanischen Medienapparat um Fox News ad absurdum zu führen und damit ein Millionenpublikum erreicht. Dafür muss er oft gar nicht besonders witzig sein. Manchmal reicht schon die einfache Wahrheit.

SEBASTIAN KRAUSE

Erste Vorwahl kompakt

Der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, und der erzkonservative Ex-Senator Rick Santorum lieferten sich am Dienstag ein Kopf-an-Kopf-Rennen im Bundesstaat Iowa. Acht Stimmen machten den Unterschied - zu Gunsten Romneys.





Seitenübersicht

Zum Seitenanfang