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    Tiefergelegter Konter-Bass Schwarz, stark - und anfangs stolpernd Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Sebastian Krause Nächster Artikel Tiefergelegter Konter-Bass Schwarz, stark - und anfangs stolpernd
    Zuletzt aktualisiert: 01.12.2011 um 11:48 UhrKommentare

    Radikal, ahnungslos, Republikaner

    Die Republikaner haben nur ein Ziel: Barack Obama aus dem Weißen Haus zu jagen. Dessen Umfragewerte stehen schlecht, doch seine Gegner fallen nur durch Skandale und Peinlichkeiten auf. Die Partei muss nun Angst haben vor der größten Gefahr in ihren Reihen: Sarah Palin. Von Sebastian Krause.

    Perry, Romney, Cain, Gingrich: Kampf der Chaoten

    Foto © APAPerry, Romney, Cain, Gingrich: Kampf der Chaoten

    Rick Perry schaute mit einem Gesichtsausdruck in die Kamera der Amerika Einsicht in seinen Kopf gewährte. "It´s over", stand für alle sichtbar in seiner Miene. "Energie" wollte er eigentlich sagen, als er in gewohnt hemdsärmeliger Manier aufzählte, welche Ministerien er als Präsident abschaffen wolle. Demonstrativ zählte er die drei an den Fingern ab, "Bildung, Handel, ..." - und dann der Blick. "Ich weiß es nicht mehr", gab er kleinlaut zu. Er grinste verlegen, in der Minute in der seine Chancen, der nächste Präsident des einst reichsten Landes der Welt zu werden, in die Brüche gingen. Er fügte an, was wie ein unfreiwilliges Motto der US-Republikaner im Kampf gegen Barack Obama wirkt: "Oops".

    Es war die neunte Debatte des großspurig inszenierten Vorwahlkampfs der Republikaner und es war der neunte Abend voller Entgleisungen. Die Chancen standen doch so gut, klagte der konservative Haus- und Hofsender Fox News, Obama aus dem Weißen Haus zu jagen. Selten waren die Umfragewerte eines Präsidenten ein Jahr vor der Wahl so schlecht. Amerika steckt mitten in der größten Sinn- und Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Da wird der Ruf nach einem Macher laut, nach einem patriotischen Anpacker mit markigen amerikanischen Sprüchen und eisernem Sparwillen – einer wie Rick Perry. Oder einer wie Herman Cain.

    Perrys "Oops-Moment"

    Sex, Moral - und Pizza

    Der Chef einer Pizzakette lag in der Wählergunst zwischenzeitlich sogar in Führung, bis ihm ein Sexskandal den Ofen ausmachte. Vorwürfe sexueller Belästigung kamen ans Tageslicht, Cain dementierte diese, indem er davon sprach, dass die meisten Frauen denen er begegnete, sich nicht beschwert hätten. Doch auch historisch und geopolitisch ist Cain nicht mehr als eine Parodie auf die klugen Köpfe, die seine Partei so verzweifelt sucht: Libyen, sagte Cain, sei für ihn "undurchsichtig" - er glaubte, die USA kämpfte Seite an Seite mit den Rebellen. China hingegen hielt er bei einer Rede nicht für eine Atommacht.

    Acht Kandidaten schickten die Republikaner ins Rennen, alle acht dürften beim Wahlkampf-Team von Barack Obama für Jubelchöre sorgen. Michele Bachmann, Zögling der Tea-Party-Bewegung, punktet mit ihrem Populismus nur bei eben jener, nicht aber bei der Basis. Die haltlosen Simplifizierungen und Wissenslücken teilt sie mit Ron Paul, der schon traditionell chancenlos ins Rennen geht, weil er der Basis zu weit links gesinnt ist. Newt Gingrich lag kurzzeitig sogar in Führung, doch der zur Selbstherrlichkeit und rassistischen Aussagen neigende ehemalige Lobbyist wollte sich als Außenseiter in Washington verkaufen. Dass er in den Vorzimmern der Macht Millionen verdiente, machte ihn bei den Wählern zum Scheinheiligen. Auch, weil er sich von seiner krebskranken Frau scheiden ließ – wegen einer Jüngeren. Amerikas Suche nach einer moralischen Instanz in Zeiten der Krise wird noch zehn TV-Debatten lang weitergehen und droht bereits jetzt in Hoffnungslosigkeit zu enden.

    Comebacks sind niemals ausgeschlossen, nicht in den USA. Andernorts wären alle diese Kandidaten längst von den Bildschirmen verschwunden, doch das Gedächtnis der Amerikaner scheint kurz. Nur so ist es zu erklären, dass derzeit mit Mitt Romney ein Mann die Umfragen anführt, der kaum Freunde in der Partei hat. Der Mormone Romney ist Investor, reich – und als knallharter Industrieller für das Ende Tausender Jobs verantwortlich. Nun gibt er grinsend und ob der Konkurrenz gelassen den Wirtschaftsfachmann. Romney muss nichts tun, solange die anderen alles falsch machen.

    Comeback von Palin?

    Die Basis mag sich arrangieren können mit Romney, auch die Demokraten bereiten sich auf einen Wahlkampf gegen ihn vor. Doch der rechte Flügel der Partei, die Tea-Party, wird zum Klotz am Bein. Vor Monaten als neo-konservative, junge und breitenwirksame republikanische Bewegung bejubelt, untergräbt sie zunehmend die Glaubwürdigkeit der "Grand Old Party". Sie verlangt am lautesten nach markigen Sprüchen wie jenen von Cain und stößt den durchschnittlichen Republikaner vor den Kopf. Weißer Zaun, Vorgarten, der Glaube an den amerikanischen Traum – das war gestern. Die Tea-Party glaubt an ihre Ideale und das merken die republikanischen Strategen erst jetzt. Mit Homophobie, Ausländerfeindlichkeit und einer außenpolitischen Auslegung, die an einen tollwütigen Hund erinnert, lässt sich keine Wahl gewinnen, auch nicht unter Republikanern.

    Doch der Ruf der Tea-Party hallt durch die 50 Staaten und er verschreckt er noch den letzten hochkarätigen Kandidaten. James Christie, der selbst von Demokraten angesehene Senator von New Jersey, galt lange als letzte Hoffnung der Republikaner. Der charismatische Denker mit dem staatstragenden Auftreten lehnte ab, er wolle erst in vier Jahren antreten, wenn überhaupt. Die Tea-Party kann nicht mit Christie und er weiß zu gut, dass er es schwer haben würde ohne ihre Unterstützung. So erreichen die Rufe nun Alaska, Heimat der vielleicht größten Wackelkandidatin der Republikaner: Sarah Palin. Die politische Skandalnudel lehnte ebenfalls ab, Gerüchten zufolge überdenkt sie ihre Entscheidung aber bereits. Den "Tiefschlag für Amerika" fürchten viele Republikaner, sollte sie antreten. Die Kandidatur wäre ein Wagnis, es würde zu einem offenen Machtkampf in der Partei kommen, der einen Mann besonders erfreuen dürfte: Barack Obama. Denn im Unterschied zu den republikanischen Herausforderern hat er bewiesen, dass er zumindest eines kann: einen Wahlkampf gewinnen.

    SEBASTIAN KRAUSE

    Wiki

    Die Tea-Party-Bewegung ist eine US-amerikanische populistische Protestbewegung mit rechtslibertären Zügen. Ihre Anhänger setzen sich aus Mitgliedern der Christian Right, Neokonservativen und Libertären zusammen. Die Tea-Party-Bewegung hat 2009 als Reaktion auf Bankenrettungsversuche und Konjunkturpakete im Zusammenhang mit der Finanzkrise begonnen.

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