Die staatenlose MiG
Zeltweg ist unter anderem bekannt als Eurofighter-Standort. Im Luftfahrtmuseum steht auch eine MiG 21 aus der Zeit der Jugoslawien-Krise. 1991 ist der Pilot nach Österreich geflüchtet. Seitdem ist unklar, wem die Maschine eigentlich gehört.

Foto © APA/ArchivDie MiG 21 nach der Landung
Am 25. Oktober 1991 geschah in Österreich etwas bisher nie da gewesenes. Ein feindliches Flugzeug brach in den Luftraum ein und landete am Klagenfurter Flughafen: Eine MiG 21 der jugoslawischen Volksarmee. Geflogen wurde sie von dem Kroaten Rudolf Peresin. Er nutzte eine Mission, um mitsamt dem Aufklärungsjäger nach Österreich zu flüchten.
Peresin konnte vier Tage später nach Kroatien abreisen, die MiG jedoch blieb in Österreich. 1991 gab es am Flughafen Klagenfurt noch einen Hangar für Heereshubschrauber, erklärt Helmut Sadnikar, Pressesprecher des Landeskommandos Kärnten. Dort wurde die MiG vorerst eingelagert.
Die weitere Geschichte kennt Josef Platzer vom Heeresgeschichtlichen Museum. "Eine Spezialfirma hat das Flugzeug zerlegt. Danach ist die MiG in einer Halle in der Nähe von Wien gelagert worden. Ende März ist die Maschine nach Zeltweg gebracht worden". Die Experten des Museums haben den Aufklärungsjet wieder zusammengebaut. Bis 23. Oktober kann man sie dort im Rahmen der Militärluftfahrtausstellung besichtigen.
Eigentümerfrage
Doch die Frage, wem die MiG nun eigentlich gehöre, kann weder das Bundesheer noch das Verteidigungsministerium beantworten. Erst der Leiter der Völkerrechtsabteilung im Außenministerium, Gregor Schusterschitz, kennt die Antwort. "Österreich verwaltet das Flugzeug treuhänderisch."
2002 hatte Kroatien Ansprüche auf das Flugzeug erhoben. Diese wurden allerdings abgelehnt. "Da die MiG Eigentum Jugoslawiens war, haben alle Nachfolgestaaten einen Anspruch darauf. Erst wenn die Staaten sich untereinander geeinigt haben, darf ein Land die Maschine für sich beanspruchen", erklärt der Völkerrechtsexperte. Ähnlich sei die Lage bei der ehemaligen Botschaft Jugoslawiens. Heute sei dort die Botschaft Serbiens, was die übrigen Nachfolgestaaten nicht akzeptieren wollen.
Die MiG ist im Prinzip ein staatenloses Flugzeug. Sie ist nicht im Besitz der Republik Österreich, aber auch keines der Länder des ehemaligen Jugoslawiens ist der Eigentümer. Und so bleibt der Aufklärungsflieger in Zeltweg, um die Geschichte einer gewagten Flucht zu erzählen.







