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  • 18. April 2014 07:35 Uhr | Als Startseite
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    Und die Welt dreht sich immer noch Apokalyptische Geschäfte Voriger Artikel Das finale Special: 5/20 Nächster Artikel Final Countdown zur Katastrophe Keine große Angst vor einem Weltuntergang
    Zuletzt aktualisiert: 20.12.2012 um 19:37 UhrKommentare

    Die Verkündung des großen Irrsinns

    Vorausgesagt wurde der Weltuntergang oft, eingetreten ist er noch nie. Über Flutwellen, Heuschrecken und Kometen als verquere Endzeitmodelle.

    Die Welt geht unter, schon wieder...

    Foto © FotoliaDie Welt geht unter, schon wieder...

    Die Untergangstheorie feiert ihre Auferstehung. Für kurze Zeit zumindest - den Mayas oder den zugehörigen Fehlinterpretationen sei Dank. Mit dem erneuten Untergang wird die Aufmerksamkeit auch auf bereits vergangene Apokalypsen gelenkt. Häufig mit einem Augenzwinkern. Was etwa die Bürger der bosnischen Hauptstadt Sarajevo in den letzten Tagen zu Protestkundgebungen gegen den aktuellen Weltuntergangshype veranlasste. Der Tenor: Man brauche keinen zusätzlichen, herbeigeredeten Weltuntergang in Bosnien und schon gar nicht in Sarajevo - dort gäbe es genug Probleme. Die Arbeitslosigkeit ist eklatant hoch, die Kriegswirren der 1990er-Jahre hat das Land nie verarbeitet. Zynisch sei es, über kommende Untergänge zu sprechen.

    Im Kontrast dazu steht die oftmals dokumentierte historische Sehnsucht nach tatsächlichen Weltuntergängen. Egal ob Flutwellen, Kometeneinschläge oder gepanzerte Heuschrecken - einige Hunderte Male hätte die eingeschüchterte Menschheit bereits ihr Ende miterleben sollen. Oft waren die Umstände kurios.

    Papst Sylvester II verkündete den Weltuntergang für den 31. Dezember 999. Die Jahrtausendwende, ein beliebtes Motiv für derlei Spekulationen, sollte gleichbedeutend mit dem Schlussstrich sein. Als das neue Jahrtausend zu problemlos anbrach, hatte das Kirchenoberhaupt eiligst zu handeln. Um seine Anerkennung ringend, erklärte der Papst, einzig seine Gebete hätten den Untergang verhindert. Auf Theologen und Philosophen folgten die Astronomen. Johannes von Toledo sagte 1179 die letzten sieben Jahre voraus. Furchtbare Erdbeben und Stürme würden ins Land ziehen. Woraufhin der Kaiser von Byzanz alle seine Palast-Fenster vermauern ließ - und weit über die folgenden sieben Jahre hinaus in völliger Dunkelheit lebte.

    Einen Stiefel gerechnet

    In der jüngeren Zeit änderte sich nur die Art der Untergangs-Verkündung, die Botschaft bleibt dieselbe. "Untergangsverliebt", wie etwa der Religionswissenschaftler Bernd Michael Linke die Menschen beschreibt, sind wir nach wie vor. Die Intensität hat sich in trauter Zweisamkeit mit der Absurdität gar noch erhöht. So gab letztes Jahr im amerikanischen Oakland ein Radioprediger zum Besten, dass man am 21. Mai 2011 mit der Erdauflösung rechnen muss. Weil viele der Untergangspropheten eint, dass die offenkundige Widerlegung ihrer Ausblicke sie nicht wachgerüttelt, sondern sogar bestärkt hat, ist das Beispiel des amerikanischen Radiopredigers ein nützliches. Am Tag nach dem Untergang reagierte der Sender trotzig und erklärte, dass alle Prophezeiungen eingetroffen sind. Aber eben nur auf spiritueller Ebene - weil die physische Restlaufzeit der Erde ja ohnehin irrelevant sei.

    Von manch einer schlimmen Vorhersage blieb dann aber doch etwas für die Ewigkeit. So verdanken wir dem Theologen Michael Stifel die wenig charmante Redewendung "einen Stiefel zusammenrechnen". Der deutsche Gelehrte deutete Texte und Buchstaben der Bibel mathematisch und kam so zum Ergebnis, dass die Welt am 19. Oktober 1533, exakt um acht Uhr, untergeht. Was außer Redewendungen noch bleibt: Apokalypsen sind soziale Erzählungen. Die häufig Werte vermitteln, und selten Fakten.


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