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Zuletzt aktualisiert: 19.04.2010 um 16:20 UhrKommentare

"Als würde man sich wegen Husten gleich auf die Intensivstation legen"

Wie gefährlich ist die Vulkanasche für die Flugzeuge wirklich? Sogar Experten sind sich uneinig: Während die einen das Flugverbot für übertrieben halten, sind die anderen durchwegs für erhöhte Vorsichtsmaßnahmen.

Gefahr für die Triebwerke oder doch nicht?

Foto © APGefahr für die Triebwerke oder doch nicht?

Für reichlich überzogen hält Fritz Pachowsky, Luftfahrttechniker der Technischen Universität (TU) Wien, die nun teilweise aufgehobene Sperre des Luftraums über weiten Teilen Europas wegen der Vulkanasche in der Atmosphäre. "Es ist, als würde man sich wegen eines Hustens gleich auf die Intensivstation legen", sagte Pachowsky gegenüber der APA. Franz Heitmeir, Leiter des Instituts für thermische Turbomaschinen und Maschinendynamik der TU Graz, widersprach: "Die dürftige Faktenlage rechtfertigte die Vorsicht".

Nur höhere Erosionen als Folge

Die Auswirkungen des Staubs auf die Triebwerke der Verkehrsmaschinen sind laut Pachowsky unterschiedlich. Bei Konzentrationen wie derzeit über weiten Teilen Europas komme es bestenfalls zu einer höheren Erosion von einzelnen Teilen, sprich: die Motoren altern rascher und einige Module müssen früher ausgetauscht werden. Sicht- und messbar ist der Zustand der Triebwerke unter anderem am Treibstoffverbrauch.

"In Europa praktisch keine Gefahr"

Ein anderes, schwerwiegenderes Problem kann dann auftreten, wenn die hohen Temperaturen - bis über 2.000 Grad in der Brennkammer - die Asche- und Staubteilchen aufschmelzen. An kühleren Teilen des Triebwerks kann sich dann das Material wieder anlagern, es kommt sozusagen zu einer "Pulverbeschichtung", so Pachowsky. Aber auch das führe in der Regel zu keinem schlagartigen Defekt, sehr wohl könnten die Sicherheitsvorrichtung das Triebwerk vorläufig abschalten. Erst in geringerer Höhe sind die Flugzeugmotoren dann wieder zu starten. "Damit diese Verglasung von Teilen der Triebwerke ein Problem wird, muss ein Flugzeug aber schon direkt durch den Auswurfkegel eines Vulkans fliegen", so der TU-Wien-Experte. Bei den Staubkonzentrationen über Europa sei praktisch keine Gefahr gegeben.

Schweizer Forscher hingegen halten die Flugverbote für gerechtfertigt. Dass die Luft tatsächlich gefährliche Teilchen enthält, ergaben etwa Untersuchungen der Eigenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Der Frankfurter Atmosphärenforscher Joachim Curtius hält den Vulkanstaub für tückisch, weil er sich zwar mit zunehmender Ausbreitung verdünne, an einigen Orten aber trotzdem dicht genug sein könne, um Flugzeugtriebwerke zu beschädigen. Ähnlich äußerte sich am Montag ein Wissenschaftler aus Jülich.

Messungen bestätigten Befürchtungen

In der Schweiz führten die Forscher der ETH mit Hilfe von Lasern, Wetterballons und Messflugzeugen Messungen durch, wie die Universität berichtete. "Wir konnten in einer Höhe zwischen vier und fünf Kilometern eine besonders hohen Anteil an Vulkanaerosolen feststellen", sagte der Professor für Atmosphärenchemie, Thomas Peter, nach einer Mitteilung. Um die genaue Konzentration und Größe dieser Partikel festzustellen, werden die Daten nun weiter ausgewertet. Vulkanaerosole gelten als gefährlich für Turbinenflugzeuge. Die Partikel können wegen der Hitze in den Triebwerken schmelzen und zu Glasablagerungen führen. Dann drohen Fehlfunktionen.

Sperre gerechtfertigt

Heitmeir, Leiter des Instituts für thermische Turbomaschinen und Maschinendynamik der TU Graz, hält die Sperre des Luftraums allerdings für gerechtfertigt. "Wir wissen weder, ab welcher Staubkonzentration es wirklich gefährlich wird, noch wo welche Konzentration zu finden ist", so der Wissenschafter. Mangels Routineuntersuchungen sei die Menge an Vulkanasche in der Atmosphäre derzeit nicht so leicht feststellbar.

Immerhin werden pro Sekunde Luftmengen durch die Triebwerke gejagt, die dem Inhalt eines großen Zimmers entsprechen. Da könnten auch kleine Konzentrationen an Partikeln in der Luft rasch zu einem Probleme werden. "Unsicherheit ist da, und ich bin der Meinung, dass man im Zweifel den sichereren Weg gehen sollte, zumal gerade für eine Luftfahrt ansonsten auch ein hoher Sicherheitsfaktor gefordert wird", sagte Heitmeir.


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