Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
19. Mai 2013 11:12 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Obama signierte Stahlträger für World Trade Center Al Kaida lobt Arabischen Frühling Voriger Artikel 11. September: 4/20 Nächster Artikel "Ground Zero hat sie vereint" Die Filmwirtschaft im Zeichen von 9/11
Zuletzt aktualisiert: 12.09.2011 um 15:41 UhrKommentare

Unsere Erinnerungen an den 11. September 2001

Zehn Jahre nach 9/11 erinnern wir - Nora Kanzler, Susanne Rakowitz, Andrea Rieger und Thomas Golser - uns zurück, was es bedeutete, an diesem Tag Dienst für ein Online-Medium zu tun und mit dem schwer Fassbaren zu hantieren.

Foto © AP

Thomas Golser

Foto

Foto © Jürgen Fuchs

Thomas GolserFoto © Jürgen Fuchs

Nach meinen ersten sieben Monaten als Online-Redakteur kam sie, die "Feuertaufe". Und das Wort "Feuertaufe" war in diesem Fall wörtlicher und erschreckender zu verstehen, als man sich das je ausdenken konnte und vor allem wollte. Vor allem im nachhinein wirkt es reichlich bizarr, dass CNN und Co. in den ersten Minuten tatsächlich noch an ein "normales" Flugzeugunglück dachten, als sich American-Airlines-Flug 11 in das New Yorker World Trade Center bohrte. Es war sehr schwierig, den Mund zuzubekommen angesichts der Bilder, die man da am (mittlerweile sanft entschlafenen) Röhrenfernseher in der Online-Redaktion zu sehen bekam. Damals waren sie noch frisch, heute gehören sie längst zu einem kollektiven Gedächtnis - falls es so etwas gibt. Die Welt krankte natürlich schon davor an allen Enden, mit dem "Tag X" kam sie einem aber noch verrohter und verstörender vor, diese Bruchlinie wirkt definitiv. Dass der Weltpolizist USA mit seinem damaligen Anführer George W. aus Texas in an schon sehr schlechte Cowboy-Filme erinnerender Kriegsrhetorik den "Schurken der Welt" den Krieg erklärte und sie "ausräuchern" ("Smoke 'em out!") wollte: Es läutete ein neues Mittelalter am Beginn des 21. Jahrhunderts ein. Es beutelte einen, doch für einen Schockzustand, wenn er auch da war, gibt es in einer Online-Redaktion einfach keine Zeit. Im Gedächtnis blieb mir neben vielen Stunden Fotoserien anlegen, Ruhe bewahren und Bemühungen, das Unbegreifliche in gut fassbare Texte zu bringen, vor allem auch der seltsam jenseitige Gesichtsausdruck des US-Präsidenten, als ihm vor einer Gruppe von Kleinkindern in Florida die "breaking news" ins Ohr geflüstert wurden: Ein paar tausend Dienste später ist man zwar naturgemäß (und nicht zuletzt auch aus Selbstschutz) abgeklärter, aber erstaunlicherweise noch immer im gleichen Ausmaß über die destruktive Energie der selbst ernannten "Krone der Schöpfung" entsetzt. Es änderte sich nicht viel - und doch alles. Die globalen Machtverhältnisse und Drehwerke blieben in vielerlei Hinsicht die gleichen, trotzdem: Die Uhren wurden neu gestellt, die Welt bekam einen Knacks, dieser Schock ging ins Mark. Wie schrieb ein Roger Willemsen da vor ein paar Jahren so klug und treffend: "Der Knacks ist ein Schub, der erst im Rückblick wirkt".

Nora Kanzler

Foto

Foto © Jürgen Fuchs

Nora KanzlerFoto © Jürgen Fuchs

Es war Dienstag und ich war der "Hauptdienst" - also damals verantwortlich für die Gestaltung der Homepage und die Auswahl von Aufmacher und Nachrichten. Alles war ziemlich ruhig, als gegen 15 Uhr die Eilt-Meldung über die Agentur kam: "Kleinflugzeug in World Trade Center geflogen". Man mag das jetzt für abgebrüht halten, aber ich erinnere mich genau an den trockenen Kommentar, der dazu über meine Lippen kam: "Das könnte wilde Fotos geben". Das Ausmaß dieser Meldung war im ersten Moment nicht zu erahnen - auch für die Berichterstatter vor Ort nicht, die das Flugzeug in Anbetracht der mächtigen Türme für klein gehalten hatten. Dann ging es Schlag auf Schlag. Ein Kollege rief an: "Dreht's mal schnell CNN auf!" Wir erlebten den Einschlag des zweiten Flugzeuges in die Twin Towers also live mit - und die Vorfälle bekamen schlagartig eine neue Dimension. Die Ereignisse überschlugen sich - immer mehr Meldungen und dann auch Fotos strömten auf uns ein und wir berichteten für unsere User im Minutentakt von den Einschlägen ins WTC, später ins Pentagon und schließlich über die einstürzenden Türme. Zeit, innezuhalten und nachzudenken, war nicht. Der Schock kam erst später. Eine Kollegin sagte allerdings nach einer Stunde: "Das war bestimmt Osama Bin Laden". Ein Name, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht allen geläufig war und mit dem sich ab sofort eine ganz neue Bedeutung von Terror verknüpfen sollte. Unsere Homepage musste "ausgeräumt", also von allen unwichtigen Nachrichten befreit werden, um dem User-Ansturm gewachsen zu sein. Und es interessierte an diesem und den kommenden Tagen auch nichts mehr - außer 9/11...

Susanne Rakowitz

Foto

Foto © Jürgen Fuchs

Susanne RakowitzFoto © Jürgen Fuchs

Es gibt ein davor und ein danach: Vor dem 11. September 2001 lag der Terror für uns geographisch im Nahen Osten. Die Anzahl der Terroranschläge und die Toten in Israel hat man irgendwann einmal aufgehört zu zählen, ebenso die Vergeltungsanschläge in den Palästinensergebieten. Und dann kam 9/11 - ein Arbeitstag der irgendwann am Vormittag begann und bis nach Mitternacht dauerte. Die Stunden dazwischen ein chaotischer Albtraum mit Bildern, die auch zehn Jahre danach noch detailgetreu im Kopf sind. Der Terror war vom "War for Territory" zum "Krieg" der Weltbilder mutiert, es gab markige Sprüche ("We will bring them to justice"), heroische Bilder (George W. Bush mit Feuerwehrhelm und Fahne auf den Ruinen des World Trade Centers) und die Einteilung in Gut und Böse. Wer von 9/11 spricht, spricht auch davon was danach kam, spricht von den Anschlägen in London und Madrid, vom Einmarsch im Irak und in Afghanistan. Wir haben mit den Folgen von 9/11 leben gelernt und auch damit, dass sich das "System des Terrors" wie ein Schema in unsere Köpfe gebrannt hat - auch journalistisch gesehen. Und es macht nicht selten blind dafür, wie weit verzweigt diese Folgen sind - zwei Stunden nach den Anschlägen in Norwegen im Juni, haben viele Terrorexperten davon gesprochen, dass es die Anschläge klar dem Modus Operandi der Al Kaida zuzuordnen sind. Doch der Attentäter heißt Anders Breivik, ein gebürtiger Norweger.

Andrea Rieger

Foto

Foto © Jürgen Fuchs

Andrea RiegerFoto © Jürgen Fuchs

Niemals vor und nach dem 11. September 2001 habe ich eine Geschichte dermaßen falsch eingeschätzt. Als die erste Meldung hereinkam, ein Flugzeug sei ins World Trade Center geflogen, habe ich nicht einen Augenblick daran gedacht, es könnte sich um ein Passagierflugzeug handeln. Ich hatte das Bild von einem Kleinflugzeug vor Augen, mit zwei, vier Menschen an Bord, das an dem riesigen Turm zerschellt. Eine Katastrophe, die die Passagiere nicht überleben konnten, und die wohl auch einige Todesopfer im Gebäude fordern würde. Tragisch, ungewöhnlich, aber durchaus im Rahmen dessen, was (leider) alle paar Tage auf unseren Bildschirmen landet: entgleiste Züge, gesunkene Fähren, unfassbare Naturkatastrophen. Wenig später rief ein Kollege aus der Kulturredaktion an. Wir sollten sofort CNN einschalten. Na, da ist mal wieder einer aufgeregt, dachte ich ein wenig spöttisch. Als der Fernseher dann lief, ging es mir wie Millionen von Fernsehzusehern auf der ganzen Welt. Ich konnte nicht glauben, was ich da sah. Das Flugzeug krachte in den zweiten Turm des WTC, einmal, zweimal, zehn Mal. CNN zeigte die Bilder immer und immer wieder. Nach dem Angriff auf das Pentagon schließlich das beklemmende Gefühl: was kommt da noch? In den folgenden Stunden tat ich das, was man als Onlineredakteurin tut, wenn sich die Ereignisse überschlagen: funktionieren. Laufend mussten neue Meldungen so schnell wie möglich online gestellt werden. Wieviele Opfer hatte der Anschlag gekostet? Wer sind die Täter? Wie konnten sie ein derartiges Attentat ungehindert vorbereiten? Zum Nachdenken über die unfassbaren Ereignisse kam ich erst in den folgenden Nächten, allein in der Onlineredaktion, die damals rund um die Uhr besetzt war. Nahe gingen mir in diesen Stunden vor allem die Bilder, die uns aus New York erreichten: Menschen, die aus dem brennenden Gebäude springen, mit Staub bedeckte Verletzte, die kurz nach dem Zusammenbruch der Türme verstört durch die Straßen rund um das WTC irren, erschöpfte Feuerwehrmänner, das rauchende Trümmerfeld am Ground Zero.


KLEINE.tv

9/11-Gedenken: Obama besuchte alle Anschlagsorte

Die USA haben am Sonntag im ganzen Land der Opfer der Anschläge vom 11. ...Bewertet mit 5 Sternen

 

George Bush

Reuters

Der Anschlag veränderte Bushs Politik tiefgreifend. Der 11. September brachte einen Terrorbonus und die Patriotismus-Welle, auf der sich der Präsident lange gut hielt. Eine Nachbetrachtung.

 

Seitenübersicht

Zum Seitenanfang