Schattenseiten des Sommers
Die Prognosen der Meteorologen versprechen für die kommenden Tage vor allem eines: Hitze. Dass die Sonne auch ihre Schattenseiten - Badeunfälle, Hitzschlag, Sonnenstich - mit sich bringt, wird dabei nur zu leicht vergessen.

Foto © KLZ I FuchsBadespass im Straßgangerbad
In den vergangenen Jahren hat es einen Anstieg von Badeunfällen bei Jugendlichen gegeben. 2009 waren es 19, 2010 bereits 24 und 2011 gab es 25 Bade- bzw. Schwimmunfälle, in die Jugendliche involviert waren. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Sonntag veröffentlichte parlamentarische Anfrage von SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier. Am häufigsten verunglücken aber Erwachsene und Pensionisten.
Im vergangenen Jahr gab es 58 Badeunfälle mit Erwachsenen. "Da ist oft eine erschreckende Kombination aus Übermut und Alkohol im Spiel", sagte Maier in einer Aussendung.
Bei den Pensionisten ist die Zahl der Badeunfälle von 24 im Jahr 2010 auf 26 im Jahr 2011 angestiegen. "Von den 26 Badeunfällen waren 21 mit tödlichem Ausgang", so Maier.
Der Konsumentenschutzsprecher wies auch auf die Gefahr für Kleinkinder unter fünf Jahre hin. "Der gefährlichste Ort für Kleinkinder ist der private Pool beziehungsweise private Schwimm-Biotope. 2011 passierten von 15 Unfälle zehn im privaten Bereich." 2010 ereigneten sich 20 Badeunfälle mit Kleinkindern.
Hitzschlag: Wasser trinken
"Die Unterscheidung Hitzschlag und Sonnenstich ist für die Erste Hilfe nicht wichtig", meint Petra Pöllinger vom Roten Kreuz. Notfallmediziner Gernot Wildner erklärt dennoch: Beim Sonnenstich kommt es durch direkte Sonne auf den Kopf zur Reizung der Hirnhaut. Beim Hitzschlag steigt die Körpertemperatur und der Wärmehaushalt versagt. Die Anzeichen für beide Hitzenotfälle: Kopfweh, ein roter Kopf, Schwindel, Übelkeit und Fieber. Sieht man die Symptome, den Betroffenen sofort in den Schatten bringen. Ist er blass im Gesicht, hinlegen und die Kleidung öffnen. Dann mit kalten Umschlägen auf der Stirn kühlen. Wenn sich der Zustand nicht bessert, einen Arzt kontaktieren.
Kollaps: Beine hoch
Der Hitzekollaps ist eine kurze Ohnmacht, die dadurch ausgelöst wird, dass das Blut in die Beine sackt und das Gehirn so nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Sieht man, dass jemand zusammenklappt, rät Pöllinger: "Zuerst ansprechen und nach möglichen Schmerzen vom Sturz fragen." Dann ist es wichtig, die Beine hochzulagern, damit das Blut zurück in den Kopf rinnt. "Dem Betroffenen sollte es dann nach wenigen Minuten wieder besser gehen", sagt Pöllinger. Ist das nicht der Fall, den Notruf wählen. Ansonsten so lange bei dem Betroffenen bleiben, bis es ihm wieder gut geht.
Badeunfall: Schnell handeln
Sieht man ein Kind im Wasser treiben, das Kind sofort aus dem Wasser ziehen und veranlassen, dass die Rettung gerufen wird. Dann Lebensfunktionen überprüfen: Das Kind ansprechen und sanft schütteln. Danach die Atemwege freimachen: "Man legt eine Hand auf die Stirn und zieht das Kinn hoch", erklärt Pöllinger. Dann zehn Sekunden sehen, hören oder fühlen, ob das Kind atmet. Wenn es normal atmet, das Kind in die stabile Seitenlage bringen. Ist keine normale Atmung feststellbar, mit der Reanimation beginnen: Zuerst fünf Mal beatmen, 30 Herzdruckmassagen und wieder zwei Beatmungen.
Allergie: Ruhe bewahren
Sie sind die Plagegeister des Sommers, ihr Stich kann für Allergiker lebensgefährlich sein. Wenn Bienen, Wespen oder Hornissen zustechen, kommt es bei Menschen, die keine Allergie haben, nur zu einer Schwellung um den Stich, die man mit kalten Umschlägen behandeln kann. Sticht das Insekt allerdings im Mund- oder Rachenraum zu, unbedingt die Rettung rufen, rät Pöllinger. Ist man allergisch, schwillt meist nicht nur der Stich selbst an, sondern es sind auch die Atemwege betroffen. "Man sollte ein Eis lutschen, kalte Umschläge um den Hals machen und vor allem ruhig bleiben", sagt Pöllinger. Hat man nach einem Stich Atemprobleme, sollte man auch den Notruf wählen.
Verbrennung: nicht zu kalt
Grillen ist eine der schönsten Nebensachen des Sommers, aber gleichzeitig brandgefährlich. Auch hier ist Prävention wichtig: "Kinder sollten nicht in die Nähe des Grillers", mahnt Pöllinger. Der Griller sollte sicher stehen und man sollte auf keinen Fall Brennhilfen wie Benzin verwenden. Kommt es dennoch zu Verletzungen: Bei schweren Verbrennungen zum Arzt, auch wenn man Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Fieber spürt. Die Erste Hilfe für verbrannte Haut: kühlen. "Aber mit handwarmem Wasser", sagt Pöllinger, denn sonst kommt es zu Unterkühlungen!
Im Auto: Alarm schlagen
Immer wieder passiert es in der heißen Jahreszeit: Eltern vergessen ihre Kleinkinder, Hundebesitzer ihre Tiere oder auch ältere Menschen werden in stehenden Fahrzeugen zurückgelassen - "nur ganz kurz". "Ein Auto erhitzt sich innerhalb kürzester Zeit auf über 50 Grad", sagt Erste-Hilfe-Expertin Pöllinger, daher gilt: Niemanden auch nicht für die kürzeste Zeit im versperrten Auto lassen! Bemerkt man z. B., dass sich ein Kind bei großer Hitze in einem stehenden Auto befindet, sollte man sofort Alarm schlagen. "Ist es ein Kind oder ein älterer Mensch, dann die Polizei verständigen", sagt Pöllinger. Bei eingesperrten Tieren rät Pöllinger, die Tierrettung zu rufen (Tel. 0316-872 - 5888).
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Fakten
150 Kinder sind jedes Jahr in Österreich an Badeunfällen beteiligt. 20 Prozent tragen bleibende Schäden davon. 73 Menschen sterben jährlich bei Badeunfällen, Erwachsene oft durch Selbstüberschätzung.
Hitze kann tödlich sein: An Tagen mit extremer Hitze sterben elf Prozent mehr Menschen als an "normalen" Tagen. Das zeigt eine Studie Wiener Klimatologen.
Ertrinken ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern in Österreich. Besonders gefährdet sind die unter Fünfjährigen.















