Stärkstes Erdbeben in Kärnten seit Jahrzehnten
Das Erdbeben erreichte Stärke 4,5 nach Richter und war bis nach Graz spürbar. Das Epizentrum lag südlich von Bad Eisenkappel. Über 1100 Bebenmeldungen sind eingegangen, an einigen Häusern entstanden leichte Schäden.

Foto © Screenshot/www.zamg.ac.atDiesen Ausschlag hat das Erbeben produziert
So schnell kann einen routinierten Bürgermeister wie Franz Josef Smrtnik nichts erschüttern - ein Erdbeben mit Epizentrum in seiner Heimatgemeinde schaffte es im wahrsten Sinne des Wortes doch. "Ich war gerade beim Fernsehen zu Hause. Und auf einmal war das dieser kurze, heftige Rumpler. Alles hat ordentlich gewackelt." Um 14.35 Uhr bebte am Samstag die Erde, das Beben erreichte eine Magnitude von 4,5 auf der Richterskala und war in weiten Teilen Kärntens und der Steiermark spürbar.
Das Epizentrum lag fünf Kilometer südlich von Bad Eisenkappel in den Karawanken. "Unser Haus in Leppen hat gezittert, Bäume haben gewackelt. Von der Decke ist der Verputz abgebröckelt", sagt Kleine Zeitung-Mitarbeiter Zdravko Haderlap. Zamg-Seismologin Yan Jia erlebte die Antithese eines ruhigen Wochenenddienstes. "Über 1100 Bebenmeldungen sind eingegangen, auch Berichte über leichte Schäden waren dabei." Das Beben war in etwa sieben Kilometer Tiefe und wirkte sich daher stark aus. Zu gröberen Schäden kam es laut Landesalarm- und Warnzentrale nicht.
Stärke 4 ist äußerst selten
Nichtsdestotrotz wird das Beben in der Statistik als "historisch" firmieren. "Seit 1900 wurden in Kärnten nur vier Erdbeben mit einer Stärke von über 4 gemessen. Zuletzt gab es 2007 ein Beben mit Magnitude 4,1 und Epizentrum in Feistritz im Rosental", sagt Jia. 1969 ereignete sich im Metnitztal ein Erdbeben der Stärke 4,4. Das stärkste Erdbeben (5,3) der letzten Jahrzehnte in Österreich gab es 1972 in Seebenstein (NÖ). In diesem Jahrtausend war ein Beben der Stärke 4,8 in Ebreichsdorf (2000) das heftigste. Im Vorjahr gab es in Österreich 61 spürbare Erdbeben, neun in Kärnten.
Fünf Minuten nach dem starken Beben folgte laut Jia "ein Nachbeben mit einer Magnitude von 2,6", danach gab es noch drei leichte Beben. Weitere Nachbeben sind möglich. Rund um Bad Eisenkappel kommen Erdbeben zwar öfters vor, meistens liegt die Stärke aber nur zwischen 2 und 3.
Starke Beben mit dem Epizentrum in Kärnten sind eine Rarität, häufig sind hierzulande aber Erdbeben in Italien und Slowenien heftig zu spüren. Zuletzt etwa Anfang Dezember ein Beben der Stärke 4,3 in Kamnik (Slowenien), 20 Kilometer von der Grenze entfernt. Dramatische Folgen, mit fast 1000 Todesopfern, hatte das Erdbeben 1976 in Friaul.
Angesichts des Erdbebens fordern die Kärntner Grünen erneut eine Abschaltung des Atomkraftwerks im slowenischen Krško, das etwa 100 Kilometer von Bad Eisenkappel entfernt liegt und selbst in einem erdbebengefährdeten Gebiet steht.
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