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    Zuletzt aktualisiert: 19.01.2013 um 19:27 Uhr

    "Als ob die Zeit stehen geblieben ist"

    St. Lorenzen im Lesachtal am Tag nach dem Lawinenunglück mit drei Toten: Die Menschen versuchen, das Unfassbare zu verstehen.

    St. Lorenzen im Lesachtal in Trauer

    Foto © KLZ/Hans GuggenbergerSt. Lorenzen im Lesachtal in Trauer

    Unfassbar. Diesem Wort begegnet man in St. Lorenzen am Tag nach dem Lawinenunglück am öftesten. Die drei Verunglückten, Helene und Konrad Hofmann sowie der Obmann des Bergrettungsdienstes Manfred Steiner waren bekannt und beliebt. Geht man durch den Lesachtaler Ort, ist die Betroffenheit überall zu spüren. Die Leute sind tieftraurig und kennen nur ein Thema: "Das, was am Freitag geschehen ist."

    Christoph Oberluggauer, der Schriftführer der Bergrettung, macht sich Samstagvormittag, nachdem er die Witwe von Manfred Steiner besucht hatte, mit seinen Kollegen Siegfried Niescher, Wolfgang Guggenberger und Albin Oberluggauer auf den Weg nach Frohn. Sie besuchen die leidgeprüfte Familie von Helene und Konrad Hofmann. Noch tief bewegt und gezeichnet von der Bergung sprechen sie den Eltern, Geschwistern und den verwaisten Kindern Juliana (7) und Clemens (9) ihr Mitgefühl aus.

    Der Vater von Helene Hofmann hatte Niescher ersucht, nachdem die Kinder am Nachmittag zu Fuß angekommen und nicht wie vereinbart von ihren Eltern nach Hause gebracht worden waren, Nachschau zu halten, wo die Tourengeher geblieben sind. "Wir suchten in Seitentälern nach dem Auto", sagt Niescher. "In Obergail wurden wir fündig."

    Vor dem ADEG-Kaufhaus stehen Gerda und Hans Staudacher sowie Sabine Suppersberger. Der geschnitzte Baum erinnert an Konrad Hofmann, der ein geschickter Handwerker war. "Helene war meine Schülerin", sagt die pensionierte Lehrerin Staudacher. "Sie war ein aufgewecktes Kind, eine tüchtige Frohnerin." Suppersberger ging mit Helene ("Sie hatte immer alles Einser im Zeugnis") acht Jahre lang in eine Klasse. Im Advent stimmte Helene mit eigenen Texten gemeinsam mit dem Quintett St. Lorenzen bei der Herbergssuche durch den Ort die Besucher auf die Weihnachtszeit ein.

    Betritt man das Geschäft "Lesachtaler Fleisch", sticht einem eine Kerze mit den Namen Helene, Konrad und Manfred ins Auge. "Ich habe Manfred in der Früh vor dem Abmarsch gesehen", sagt Markus Salcher. "Wir haben uns zugewinkt - wenn ich gewusst hätte, dass dies der letzte Gruß ist." Manfred Steiner, Vater dreier erwachsener Kinder, spielte Trompete im Brassensemble Lesachtal und bei Lesachtaler Blaskapellen und war seit 2002 Ortsstellenleiter der Bergrettung Lesachtal. Er nutzte fast jede Minute, um in der Natur zu sein. Im Winter mit Skiern, im Sommer mit dem Mountainbike. Elisabeth Matteweber kauft gerade Fleisch ein. "In der vergangenen Nacht hat wohl niemand im Ort gut geschlafen." Ein Tal, in dem jeder jeden kennt, nimmt Anteil am Unglück der Familien.

    "Als ob die Zeit stehen geblieben ist." So hat Franz Tiefenbacher vom Café Dorfplatzlstube den Moment empfunden, als das Unglück im Lokal bekannt wurde. "Es war minutenlang totenstill." Auch Elfriede und Hans Hobian haben Tränen in den Augen. "Manfred Steiner wollte eine kurze Skitour machen und am Nachmittag bei mir eine Lampe anschließen", sagt Hans Hobian. Seine Frau traf Helene Hofmann am Tag des Unglücks im Kaufhaus. "Schnell den Schmierzettel heraus, damit ich weiß, was ich alles brauche", meinte die Verunglückte noch scherzhaft.

    Die Toten werden am Dienstag um 11 Uhr nach dem Sterbegottesdienst zu Grabe getragen.

    Trio löste Lawine selbst aus

    Die drei verunglückten Skitourengeher haben die für sie tödliche Lawine selbst ausgelöst. Zu diesem Schluss kamen am Samstag Alpinpolizisten nach umfangreichen Erhebungen an der Unglücksstelle in rund 1850 Meter Seehöhe, etwa 400 Höhenmeter unter dem Gipfel des Mittagskofels. Aufgrund der Spurenlage sei davon auszugehen, dass sich rund 270 Meter oberhalb der Dreier-Gruppe ein Schneebrett löste, heißt es aus Ermittlerkreisen. "Dadurch kam es zu einer Kettenreaktion. Vier weitere Schneebretter kamen ins Rutschen. Auf einer Breite von mehr als 300 Metern schoben sich gewaltige Schneemassen übers bis zu 35 Grad steile Gelände talwärts", sagt ein Ermittler.

    Pilot Johann Pletzer und Flugretter Josef Brandner flogen mit dem Polizeihubschrauber "Libelle" den stellvertretenden Leiter der Alpinen Einsatzgruppe Hermagor, Manfred Steinwender, Alpinpolizei-Ausbildungsleiter Josef Bierbaumer sowie Zivilbergführer und Bergrettungs-Landesleiter Otmar Striednig zum Lawinenekegel. "Im Abrissbereich der Lawine liegen 50 bis 70 Zentimeter Schnee", sagt Bierbaumer. "Wir haben ein Schneeprofil gegraben, um den Aufbau der Schneedecke zu dokumentieren."

    Dass der "weiße Tod" die Gruppe vollkommen überraschend getroffen haben muss, zeigt ein weiteres Detail: Einer der Tourengeher hatte einen Lawinenrucksack mit. Die Zeit, das Airbagsystem mit einem Handgriff zu aktivieren, blieb ihm nicht. Gefunden wurden die Verschütteten im rund 100 Meter langen und ebenso breiten Lawinenkegel in rund ein Meter Tiefe. Im Gebiet des Mittagskofels herrschte auch Samstag akute Lawinengefahr.

    Die könnte am Sonntag noch weiter steigen, wenn es laut Meteorologen in Lagen von über 1400 Metern Seehöhe erneut zu heftigen und ergiebigen Schneefällen kommen soll. Von Skitouren wird daher dringend abgeraten.

    HANS GUGGENBERGER, PETER KIMESWENGER

    Lawinenunglücke

    Zwölf Tote auf einen Schlag. Zum bislang schwersten Lawinenunglück mit Tourengehern in Österreich kam es am 28. März 2000 in Salzburg. Zwölf Skibergsteiger starben unter gewaltigen Schneemassen. Sechs Tourengeher ließen am 2. Mai 2009 in Tirol unter einer Lawine ihr Leben.

    Tod abseits der Piste. Am 28. Dezember 2003 starben ein Soldat (18) und ein Lehrling (17) am Grünleitensnock in der Innerkrems unter einer Lawine. Die beiden hatten mit ihren Snowboards die gesicherte Piste verlassen. Ein Arbeiter (21) und ein Schüler (14) überlebten unverletzt.

    Lawine bei Abfahrt ausgelöst. Nach einer Skitour auf den Seckauer Zinken (2400 Meter) im steirischen Murtal löste Freitagnachmittag ein Student (24) bei der Abfahrt eine Lawine aus und wurde verschüttet. Ein Freund grub den Studenten sofort aus. Für den Tourengeher gab es keine Hilfe.

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    Bergretterin und zweifache Mutter: Helene Hofmann Foto © KLZ/Hans Guggenberger

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    Ihr Mann Konrad Hofmann war in Lienz Flugretter der ersten Stunde Foto © KLZ/Hans Guggenberger

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    Manfred Steiner, Leiter der Bergrettung Lesachtal Foto © KLZ/Hans Guggenberger

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