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Zuletzt aktualisiert: 18.01.2013 um 20:46 UhrKommentare

Haftstrafe für Gründer des "No Problem Orchestra"

Dreieinhalb Jahre un-bedingte Haft wegen Untreue für Josef Schörkmayr, Gründer des "No Problem Orchestra". Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Sichtlich gezeichnet saß Josef Schörkmayr vor Gericht. Den Untreuevorwurf wollte er aber bis zum Schluss nicht wahrhaben

Foto © FercherSichtlich gezeichnet saß Josef Schörkmayr vor Gericht. Den Untreuevorwurf wollte er aber bis zum Schluss nicht wahrhaben

Seinen tiefen Fall wollte er bis zum Schluss nicht wahrhaben. Zwar gestand Josef Schörkmayr (58) vor Gericht peu à peu, dass er es mit der Trennung von Privat- und Vereinsvermögen nicht so genau genommen habe - von einer strafrechtlichen Verantwortung wollte er aber nichts wissen. Erneut betonte er, immer nur im Interesse des "No Problem Orchestra" gehandelt, und sich um die musiktherapeutische Betreuung von behinderten Kindern aus Kärnten und der Steiermark gekümmert zu haben.

"Das ist ja kein Selbstbedienungsladen, sondern ein gemeinnütziger Verein", hielt Richter Uwe Dumpelnik dem Angeklagten und seiner Frau, die als Zeugin aussagte, vor. Die war offensichtlich nur auf dem Papier Kassierin des Vereins "No Problem". "Ich weiß nichts über die Finanzen", erklärte sie. Dass der Verein Grundsteuer, Heizöl, GIS-Gebühren, Zeitungsabos aus dem Privathaushalt zahlte, hinterfragte sie nicht. Ebenso die hohen Hotelrechnungen sowie Spesen- und Kilometergeldpauschalen. "Von irgendwas muss man ja leben." Die 150 Flaschen Wein, die sich ihr Mann zum Geburtstag vom Verein schenken ließ, seien für "Promotionzwecke" gewesen. Eine weitere Zeugin, die zeitweise als Stellvertreterin von Obmann Schörkmayr fungierte, wusste nichts von den Geldflüssen. "Wenn ich nachgefragt habe, hieß es, dass eh alles in Ordnung sei." Einsicht in den Rechnungsabschluss habe sie nie bekommen. Dass Schörkmayr durch diverse Pauschalen an die 10.000 Euro im Monat verdiente, nahm sie zur Kenntnis. "Er hat ja kein Gehalt mehr bezogen."

Schörkmayrs Verteidiger erkannte schließlich eine Summe von 70.000 Euro (für Gartengestaltung, Hotelrechnungen etc.) an, die dem Privatbereich zuzurechnen seien. Es gebe aber "keine Schädigungsabsicht", weil der Verein Schörkmayr noch 800.000 Euro schulde. "Herr Schörkmayr, das ist ja kein Pokerspiel hier", sagte der Richter. Ein Sachverständiger berechnete einen Untreuebetrag von mehr als 263.000 Euro. Im Strafantrag war von 455.000 Euro die Rede.

Schörkmayr wurde vom Schöffensenat wegen Untreue zu dreieinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt. "Sie haben sich zehn Jahre lang unter dem Deckmantel des Behinderten-Orchesters bereichert und ihre eigene Lebensführung finanziert", hieß es in der Urteilsbegründung. Die Staatsanwältin legte Berufung, die Verteidigung Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

WOLFGANG FERCHER

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