Die Ölpest ist nicht zu Ende
Ein Jahr nach der Explosion der Ölbohrinsel im Golf von Mexiko treibt noch immer Öl durchs Meer und an die Küsten. Gelernt scheint man nicht viel zu haben aus dem Unglück.

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Schwarze Teerbälle werden noch immer an den Strand der "Südküste", die weißsandige Golfküste von Louisiana, Mississippi und Florida, geschwemmt. Noch immer finden Umweltschützer tote Delfine und Schildkröten. Und die einzigartige Sumpflandschaft im Delta des Mississippi ist noch immer mit Öl durchtränkt. Aber die Umweltkatastrophe des letzten Jahres, als die BP-Ölplattform Deepwater Horizon explodierte, hat nicht zu einer Umkehr geführt; im Gegenteil, nach einer CNN-Umfrage wollen 69 Prozent der Amerikaner die Ölförderung vor der Küste noch verstärken; mehr als die 49 Prozent, die es noch vor einem Jahr waren. Der Grund: Die Benzinpreise haben landesweit angezogen und erreichen in manchen Staaten nun mehr als einen Dollar pro Liter. Und auch die betroffenen Fischer und Ölarbeiter wurden von der Politik vergessen: Viele haben noch gar keine Entschädigung erhalten oder nur wenig, obwohl zwanzig Milliarden Dollar zur Verfügung stehen. Und auch Washington hat nicht reagiert. "Es hat keinerlei Gesetzesänderungen gegeben, keine Verstärkung der Sicherheit oder bessere Normen, nicht einmal höhere Strafen", klagt Bill Nungesser, der Präsident des Landkreises Plaquemines in Louisiana. Die britische BP, der amerikanische Plattformbetreiber Transocean und die für Infrastruktur zuständige Firma Halliburton versuchten damals hilflos und vergebens, das Loch zu schließen, während Bilder von mit dem Bauch nach oben treibenden Walen und sterbenden Pelikanen die Welt erschütterten. Tourismus und die Fischereiindustrie brachen ein; Geschäfte in New York und Los Angeles weisen ihre Kunden bis heute darauf hin, dass sie keine Ware aus dem Golf mehr verkauften.
Mahnwachen
Zwar hielten am gestrigen Jahrestag Anwohner Mahnwachen an der Küste. Aber die Sorge um die Umwelt ist meistenteils vergessen. "Der Kongress hat nichts getan, um auf die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte unseres Landes zu reagieren", sagte Regan Nelson vom Umweltverband "Natural Resources Defense Council". Ein Gesetz der Demokraten, die Sicherheitsstandards zu verstärken, wurde im Senat blockiert; die Sorge um Arbeitsplätze ging vor. "Obama und seine Umweltextremisten benutzen die Tragödie, um ihre Anti-Ölbohrpolitik durchzusetzen", meinte David Vitter, republikanischer Senator von Louisiana. Denn Jobs auf Ölplattformen sind im armen Louisiana hochbegehrt, die Ölindustrie, andererseits, spendet viel an die Politiker des Staates.
Auch Scott Walker, der Gouverneur von Florida, will sich keiner Initiative anschließen, die drei Firmen zu verklagen, er setzt auf einvernehmliche Verhandlungen. Und Joe Barton, republikanischer Kongressabgeordneter aus Texas, hielt es schon damals für die eigentliche Tragödie, dass BP "erpresst" wird, Entschädigungszahlungen zu leisten. Und sie treffen die Stimmung. Heute sorgen sich die meisten Amerikaner weniger um die Umwelt denn um Jobs und die Benzinkosten, auch angesichts der neuerlichen Unruhen im Mittleren Osten. Dabei haben die steigenden Benzinpreise nichts mit einer Verknappung von Ressourcen zu tun. Im Gegenteil, die USA haben eine Ölreserve von 359 Millionen Barrels. Es sind Spekulanten an der Wall Street, die mit Wetten auf Oilfutures oder den sinkenden Dollar die Preise hochtreiben.












