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Zuletzt aktualisiert: 23.05.2010 um 21:31 UhrKommentare

Sicherheitsventil war nur ein Provisorium

Laut US-Medien habe sich der Erdölkonzern dafür entschieden, an einem "vorläufigen", aber weniger sicheren Ventil festzuhalten, statt ein beständiges Teil einzusetzen. Die US-Regierung verliert langsam die Geduld mit BP.

BP wusste angeblich von einem mangelhaften Ventli

Foto © APBP wusste angeblich von einem mangelhaften Ventli

Der Energiekonzern BP hat einem Pressebericht zufolge wissentlich in Kauf genommen, dass die Sicherheit des Bohrlochs im Golf von Mexiko durch den Einsatz eines provisorischen Ventils verringert war, berichtete die Zeitung "Washington Post" am Sonntag unter Berufung auf einen von einem BP-Verantwortlichen unterschriebenen Brief vom Oktober 2004. Das Ventil sollte eigentlich das Bohrloch im Falle einer Explosion verschließen, um das Auslaufen von Öl zu verhindern.

BP schiebt Verantwortung auf Plattform-Betreiber

In dem Brief erklärte Christopher Young von der Plattform-Betreiberfirma Transocean, dass BP mit der Unterschrift akzeptiert habe, dass das provisorische Ventil die Widerstandskraft des Sicherheitssystems "vermindert" und damit "die Risiken erhöht". Ein BP-Sprecher sagte der "Washington Post" hingegen, Transocean sei allein für die Änderungen am Bohrloch verantwortlich. Bereits bei einer Senatsanhörung am 11. Mai hatten sich BP und Transocean gegenseitig die Verantwortung für die Erdölkatastrophe zugeschoben.

Bei der Explosion auf der Ölplattform "Deepwater Horizon" am 20. April hatte das Ventil nicht funktioniert. Laut "Washington Post" funktionierten aber auch zwei andere beständige Ventile nicht, die ebenfalls das Bohrloch hätten schließen sollen.

US-Regierung verliert Geduld mit BP

Die US-Regierung verliert bei der Ölpest im Golf von Mexiko die Geduld mit dem Energiekonzern BP. Das britische Unternehmen lasse "Frist um Frist" bei seinem Bemühungen zum Verschluss des Bohrlochs vor der US-Küste verstreichen, sagte US-Innenminister Ken Salazar am Sonntag nach einem Besuch in der BP-Firmenzentrale in Houston.

"Wenn wir herausfinden, dass sie nicht das tun, was sie angeblich tun, dann werden wir BP in geeigneter Weise aus dem Weg drängen." Im übrigen habe sich der Konzern bereiterklärt, mehr als die 75 Millionen Dollar zur Säuberung der US-Küsten zu bezahlen, die bisher im US-Gesetz als Höchstgrenze genannt sind.

Mitte April war im Golf von Mexiko die BP-Bohrplattform "Deepwater Horizon" nach einer Explosion gesunken. Seitdem strömen täglich große Mengen Öl aus dem Bohrloch in rund 1600 Metern Tiefe ins Meer. Anfangs war von etwa 160.000 Litern am Tag die Rede, später von rund 800.000 Litern. Einige Experten halten sogar eine weit größere Menge für wahrscheinlich.

BP saugt Öl ab

Seit einigen Tagen saugt BP Öl am Unglücksort ab, wieviel dennoch weiter ins Meer strömt, ist unklar. BP versucht auch, das Loch zu verschließen. Der Konzern steht wegen seiner Informationspolitik zu dem Unglück stark unter Druck. BP wird vorgeworfen, das Ausmaß der Katastrophe herunterzuspielen und zu vertuschen.

Ein Teil des ausgetretenen Öls ist offenbar unter der Meeresoberfläche, da eine gigantische Verschmutzung der US-Südküste bislang ausblieb. Gleichwohl sind bereits zahlreiche Naturschutzgebiete betroffen und Fachleute schließen nicht aus, dass Öl über Strömungen auch nach Florida, Kuba und die US-Ostküste kommt. Manche Experten gehen davon aus, dass die USA vor der größten Umweltkatastrophe ihrer Geschichte stehen könnten.


Fakten

Am 22. April war die Ölbohr-Plattform "Deepwater Horizon" nach mehreren Explosionen untergegangen. Seitdem sprudeln täglich Hunderte Tonnen Rohöl ins Meer. Einen Teil des Öls fängt der Plattformbetreiber, der Konzern BP, mittlerweile ab. BP pumpt es aus einem Leck in rund 1.500 Meter Tiefe hoch in einen Tanker. Die genaue Menge des auslaufenden Öls ist aber unklar. BP gab den Wert lange mit etwa 700 Tonnen pro Tag an. Einige Fachleute vermuten, dass sehr viel mehr Öl aus den Lecks sprudelt.

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