Mit Plan B gegen die Katastrophe
Im Kampf gegen die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko will der Konzern BP den Austritt von Rohöl nun mit Hilfe eines dünnen Rohres stoppen. Neue Vorwürfe kommen auf: Wurde ohne Genehmigung gebohrt?

Foto © APDer Ölteppich aus der Luft: Eine Katastrophe unverstellbaren Ausmaßes
Roboter sollten das Rohr in die richtige Position bringen, anschließend sollte das Öl in Tanker geleitet werden. Zuvor hatten Experten erfolglos versucht, das Leck mit einer Stahlkuppel abzudichten.
Der zweite geplante Versuch, das Loch mit einer kleineren Stahlglocke abzudecken, wurde vorerst unterbrochen. Sollte es misslingen, das Absaugrohr zu installieren, wollte BP den Angaben zufolge diesen Plan wieder aufnehmen. Der erster Versuch mit einer größeren Abdeckung war vergangene Woche gescheitert, weil sich darin Eiskristalle bildeten und das Absaugen des Öls verhinderten.
Ölteppich weitet sich rasant aus
Der Ölteppich hat sich nach Angaben eines Wissenschafters binnen drei Tagen offenbar um 50 Prozent vergrößert. Die Ausdehnung der schmierigen Masse auf dem Meer habe zwischen Montag und Donnerstagabend um die Hälfte zugenommen, sagte Hans Graber von der Universität Miami.
Hintegrund
Die Ölpest im Golf von Mexiko war durch eine Explosion auf einer von BP genutzten Bohrinsel verursacht worden. Seit die Plattform "Deepwater Horizon" am 22. April sank, strömen täglich rund 800.000 Liter Öl ins Meer.
Die Kritik an BP wegen der Katastrophe hat mit Anhörungen mehrerer ranghoher Firmenvertreter vor dem US-Senat zugenommen. Die Aussagen der BP-Manager verstärkten den Verdacht, dass möglicherweise zahlreiche Warnsignale im Vorfeld des Untergangs der Ölplattform "Deepwater Horizon" übersehen worden waren. Offensichtlich sei die Katastrophe durch eine "verhängnisvolle Reihe von Ausrüstungs- und operationellen Fehlern" ausgelöst worden, sagte der Vorsitzende des Senatsausschusses für Energie und Handel, Henry Waxman, am Mittwoch.
Ohne Genehmigung gebohrt?
Auch die US-Behörde für Rohstoffverwaltung (Minerals Management Service, MMS) musste Kritik einstecken: Laut "New York Times" holte sich diese bei Hunderten Ölbohrungen im Meer nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Stellungnahmen der Wetter- und Ozeanografiebehörde (National Oceanic and Atmospheric Administration, NOAA) ein. Darunter sei auch eine Genehmigung für die im Golf von Mexiko verunglückte "Deepwater Horizon", berichtete die "New York Times" am Freitag.
Ein US-Gericht machte unterdessen den Weg frei für Ölbohrungen des Shell-Konzerns vor der Küste Alaskas. Das Berufungsgericht in Anchorage wies am Donnerstag Klagen von Umweltschützern und Ureinwohnern gegen die für den Sommer geplanten Probebohrungen ab. Die Kläger hatten der US-Regierung vorgeworfen, bei der Genehmigung des Projekts das Risiko eines Unfalls wie derzeit im Golf von Mexiko nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Zudem würden die geplanten Bohrungen bedrohte Tierarten wie den Grönlandwal gefährden. Ein Vertreter von Shell erklärte, die Zurückweisung der Klage belege, dass das Unternehmen belastbare Pläne für die Bohrungen vorgelegt habe.
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