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  • 23. August 2014 17:25 Uhr | Als Startseite
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    Zuletzt aktualisiert: 22.06.2012 um 18:56 UhrKommentare

    Prozess hatte läuternde Wirkung

    "Breivik bekam keine Bühne", sagt Rechtsoziologe Thomas Mathiesen.

    Foto © Reuters

    Wie hat sich das Norwegens Gesellschaft zum Ende des Prozesses gegen den Massenmörder Breivik geändert?

    THOMAS MATHIESEN: Nicht so sehr, wie man hätte erwarten können. Und das ist auch gut so. Zwar wurde die Polizei scharf kritisiert, weil sie dem Morden zu spät ein Ende setzte, aber viel mehr Auffälliges ist eigentlich nicht passiert. Es gab keine Lynchjustiz-Demonstrationen vor dem Gericht. Keine Straßenkrawalle. In anderen Ländern hätte eine solch brutale Tat wie jene von Breivik die Bürger zu militanteren Aktionen im Sinne von "Breivik: Kopf ab!" während des gesamten Verfahrens geben.

    Der Prozess . . . MATHIESEN: . . . lief im Großen und Ganzen ohne Zwischenfälle ab. Aber unser Konsens, ein ausgeprägt humanes Strafrecht zu haben selbst für die schlimmsten Verbrecher, wurde nicht infrage gestellt. Wir haben eine relativ milde Justiz, kurze Gefängnisstrafen, in sehr kleinen relativ angenehmen Anstalten mit starkem sozialdemokratischem Fokus auf die Resozialisation von Straftätern, die oft ein milieubedingt schweres Leben gemeinsam haben. Auch wenn viele es bei Breivik, vielleicht zu Recht, bezweifeln, ist das Grundprinzip, dass niemand böse geboren wird, nach dem Prozess noch intakt. Obwohl die vorherrschende Meinung im Volk ist, dass Breivik zurechnungsfähig ist, würde eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie ohne große Konflikte akzeptiert werden. Eine politische Diskussion zur Verhärtung des Strafwesens hat es nicht gegeben.

    War der Prozess ein Zirkus? Oder hat er zu einer Läuterung geführt und das vom Massaker ausgelöste Trauma bewältigt?

    MATHIESEN: Beides ist wohl richtig. Aber insgesamt war der Prozess sehr geglückt, eine Läuterung könnte man sagen. Das Chaos um die Psychiater wurde zurecht heftig hier kritisiert. Da wird es auch rechtliche Änderungen vom Gesetzgeber geben, mit klareren Rollenvorgaben nicht zuletzt für die rechtsmedizinische Kommission. Deren Prüfung der konträren Gutachten zu Breiviks Zurechnungsfähigkeit war verunglückt. Aber insgesamt hatte der Prozess eine kathartische Wirkung für Norwegen.

    Haben das Verbrechen und der Prozess die Stimmung gegenüber der islamischen Minderheit beeinflusst?

    MATHIESEN: Nein. In der Tat konnte Breivik zum Prozessauftakt einige Zeit erfolgreich nutzen, um sich zu produzieren. Aber all das verschwand für uns Norweger völlig im Schatten der folgenden, grausamen Schilderungen vom Massaker und Breiviks geschmacklose Kommentaren: Dass er gerne noch mehr Menschen getötet hätte, dass er ein norwegischer Volksheld sei und so weiter. All das war viel zu absurd, als dass er damit die Norweger hätte militarisieren können.

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