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Zuletzt aktualisiert: 06.01.2012 um 19:15 UhrKommentare

Drohanruf vor Massaker ignoriert

Monate vor dem Anschlag in Oslo und dem Massaker auf der Insel Utöya soll die norwegische Regierung einen Drohanruf erhalten haben. Dieser sei aber nicht als "konkrete Gefahr" betrachtet worden.

Foto © Reuters

Die norwegische Regierung hat Medienberichten zufolge Monate vor den blutigen Anschlägen von Oslo und Utöya einen Drohanruf eines Mannes erhalten, bei dem es sich um den Attentäter Anders Behring Breivik gehandelt haben könnte. Wie der Radiosender NRK am Freitag berichtete, ging bei der norwegischen Regierung im März 2011 ein Anruf ein, in dem ein Mann in einer ähnlich gewählten Sprache, wie sie Behring Breivik nutzt, davon gesprochen habe, auf Mitglieder der Arbeiterjugend schießen zu wollen. Auch von der Existenz eines "Manifests" sprach der Anrufer laut NRK.

Wenige Monate später, am 22. Juli vergangenen Jahres, tötete Behring Breivik zunächst im Regierungsviertel von Oslo mit einer Autobombe acht Menschen. Anschließend erschoss er in einem Sommerlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utöya 69 überwiegend jugendliche Teilnehmer. Im Internet tauchte nach der Tat ein 1500-seitiges Manifest auf, das ihm zugeschrieben wurde. Es enthält unter anderem Angaben zur Vorbereitung der Anschläge wie Anleitungen zum Bombenbau sowie Passagen, die die Islamfeindlichkeit des Autors beschreiben.

Laut NRK hatte eine Telefonistin im Regierungsgebäude den Anruf angenommen und sich Name und Nummer des Anrufers, den Zeitpunkt seines Anrufs und die geäußerten Drohungen notiert. Das Informationszentrum der Regierung (DSS) erklärte am Freitag, der Anruf sei nicht als "konkrete Gefahr" betrachtet worden, sondern vielmehr als eine "chaotische und zusammenhangslose Konversation". Daher sei die Polizei zunächst nicht kontaktiert, sondern erst nach den Attentaten informiert worden.

Das DSS erklärte zudem, nicht zu wissen, ob es sich bei dem Anrufer tatsächlich um Behring Breivik gehandelt habe. Die Notiz mit den Angaben zu dem Anruf befinde sich in einem der durch die Bombe zerstörten Gebäude.

Auch die norwegische Zeitung "Aftenposten" berichtete am Freitag über einen mutmaßlichen Anruf Behring Breiviks im Vorfeld seiner Tat. Demnach meldete er sich im Mai oder Juni 2010 bei einem Ministerium und bat um die Herausgabe von Listen der Jugendorganisationen verschiedener Parteien. Da es solche Listen aber nicht gebe, habe das Ministerium derlei Informationen nicht herausgegeben, berichtete die Zeitung auf ihrer Internetseite. Der 32-jährige geständige Attentäter sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Sein Prozess soll am 16. April beginnen.


Breiviks Bluttat

Am 22. Juli 2011 tötete der rechtsradikale Norweger Anders Behring Breivik bei einem Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel und einem anschließenden Massaker auf der Insel Utöya insgesamt 77 Menschen.

 

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