"Er ist offensichtlich verrückt"
Der mutmaßliche Attentäter von Norwegen hat laut Polizei erklärt, allein gehandelt zu haben. Für Kommentatoren ist er "verrückt" - angesichts des Verhörs und eines 1.500-seitigen hasserfüllten "Manifests" tut sich sogar sein Anwalt damit schwer, dessen Aussagen "vernünftig wiederzugeben".

Foto © APADer mutmaßliche Attentäter
Der mutmaßliche Attentäter von Norwegen hat nach Polizeiangaben erklärt, allein gehandelt zu haben. Die Polizei ermittle weiter, teilte die Polizei am Sonntag mit. "Er sagt, dass er allein war, aber die Polizei muss alles verifizieren, was er sagt. Nach einigen Zeugenaussagen von der Insel sind wir nicht sicher, ob es ein oder mehrere Schützen waren", sagte Polizeichef Sveinung Sponheim bei einer Pressekonferenz. Derzeit habe die Polizei aber keine weiteren Verdächtigen.
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Bei Großereignissen wie dem Doppelanschlag von Norwegen suchen die Menschen nach Ansicht des Zürcher Strafrechtsprofessors Martin Killias immer nach wichtigen Erklärungen. Doch auch unvorstellbar schreckliche Ereignisse hätten oft "furchtbar banale Ursachen", sagte er am Samstag im "Echo der Zeit" von Radio DRS. Obschon die Ereignisse in Norwegen das Ausmaß eines Terroranschlages hätten, sind sie für Killias eher ein Amoklauf. Mögliche Ursachen sieht der Strafrechtler zahlreiche. Viele Amokläufer der letzten zehn Jahre seien persönlich stark gestört oder auffällig gewesen oder seien einem politischen Umfeld zuzuordnen, sagt Killias.
Für Killias spielt die ideologische Orientierung bei diesen Tätern keine zentrale Rolle: Ob rechtsextrem oder linksextrem oder etwas anderes, das sei eigentlich relativ austauschbar, ist der Kriminologe überzeugt. Das Problem sei, dass viele Menschen stark gestört seien oder gefährliche Neigungen hätten. "Aber meistens bleiben die eben ungefährlich", sagt er. Wenn man nicht ganze Völker therapieren wolle, stelle sich die Frage, wie man verhindern könne, dass solche Leute an Mittel gelangen, mit denen sie derart viel Unheil anrichten können, sagte der Strafrechtsexperte weiter.
Unterdessen soll der Festgenommene offenbar auf psychische Störungen untersucht werden: Sein Anwalt Geir Lippestad sagte der Nachrichtenagentur NTB am Sonntag in Oslo, der 32-Jährige habe sein Einverständnis zu einer ersten Untersuchung durch den zuständigen Polizeiarzt gegeben. Er wolle bei einem Hafttermin am Montag ausführlich über die Motive für die von ihm gestandenen Taten berichten, hieß es weiter. Ein Kommentator im Osloer TV-Sender NRK erklärte nach Durchsicht eines 1.500-seitigen "Manifests", es sei offensichtlich, dass der mutmaßliche Verdächtige "verrückt" sei. Auch sein Anwalt meinte, es falle ihm schwer, die Aussagen des Mannes bei einem mehrstündigen Polizeiverhör "vernünftig wiederzugeben".
In dem wenige Stunden vor den beiden Anschlägen mit mindestens 92 Toten abgeschlossenen "Manifest" begründete der Norweger ausführlich seinen Hass gegen den Islam und alle "multikulturellen" Kräfte in Europa, die diesen nicht stoppen wollten.











