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Zuletzt aktualisiert: 23.07.2011 um 17:28 Uhr

Terror in Norwegen: "Täter ab dem ersten Schuss im Allmachtsrausch"

Psychiater Reinhard Haller versucht das unverständliche kaltblütige Vorgehen des Todesschützen auf der Insel, wo er lange Zeit auf seine Opfer feuerte, zu erklären.

Der mutmaßliche Täter

Foto © APADer mutmaßliche Täter

"Wenn der erste Schuss gefallen ist, brechen alle Dämme. Der Täter befindet sich dann in einem Allmachtsrausch." Psychiater Reinhard Haller versuchte am Samstag im Gespräch mit der APA das unverständliche kaltblütige Vorgehen des Todesschützen auf der Insel, wo er lange Zeit auf seine Opfer feuerte, zu erklären. "Solche Täter verstehen sich zu diesem Zeitpunkt als Herren über Leben und Tod, als großer Rächer." Haller verwies auf die "besondere Brutalität und Kälte" des Schützen, die sich u.a. darin zeige, "dass er bereits getroffene Leute noch exekutiert hat".

"Opfer entmenschlicht"

"Die Opfer sind in so einem Fall komplett entmenschlicht, der Täter kann sich in sie nicht hineinfühlen, er kann nicht nachvollziehen, welches Leid er den Angehörigen zufügt", analysierte Haller. "Die Opfer sind für ihn - wie in einem Videospiel - nur noch seelenlose Wesen."

Als Ursache für die Anschläge sieht Haller zwei Möglichkeiten. "Zum einen eine Wahnerkrankung. Wenn jemand einen Wahn hat, aber nicht schizophren ist, ist er umso gefährlicher, weil er klar denkt. Ein wirklicher psychisch Kranker kann so etwas nicht durchführen." Viel wahrscheinlicher handle es sich um einen "extrem fanatischen Menschen mit einer gestörten Persönlichkeit", meinte Haller. "Eine fanatische Idee ist zu einem lebensbestimmenden Element geworden. Das Privatrecht geht bei so einem Menschen über alles."

Ein solcher Fanatismus entwickle sich über lange Zeit und wurde zu einem Bestandteil der Persönlichkeit des Mannes. "Da ist keine unmittelbare Krise der Auslöser für die Tat." Haller weiter: "Ich weiß nicht, wie man so etwas vorbeugen kann. Das ist ein Kraftakt, der glücklicherweise selten vorkommt. Darum weiß man auch wenig über die Täter. Mich bedrückt besonders, dass so etwas ein einem freundlichen, toleranten Land passiert ist."

Der Psychiater verwies auf Ähnlichkeiten zu Amokläufen in Schulen. "Welchen Inhalt eine Wahnidee hat, ist letztendlich egal. Das gefährliche ist, dass eine Idee einen Menschen derart beherrschen kann."

Dass der Täter auch Teenager als Opfer einkalkuliert habe, könne auf den Gedanken "wie kann ich der Gesellschaft möglichst große Schmerzen zufügen" zurückzuführen sein, erklärte Haller. Die Insel als Tatort habe aber auch ein andere Überlegung: "Wo kann ich ungehindert lange Zeit massakrieren? Es gab kaum Fluchtmöglichkeiten und die Polizei war in Oslo beschäftigt."


Breiviks Bluttat

Am 22. Juli 2011 tötete der rechtsradikale Norweger Anders Behring Breivik bei einem Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel und einem anschließenden Massaker auf der Insel Utöya insgesamt 77 Menschen.

 

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