Es bleibt die Frage: Wer nimmt den Preis entgegen?
Freude über den Friedensnobelpreis für die EU, aber Brüssel dürfte eine neue Posse nicht vermeiden können. Die brennende Frage: Wer nimmt den Preis entgegen?

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Überglücklich präsentierten sich die Spitzenvertreter der EU-Institutionen über die letztlich doch überraschende Verleihung des Friedenspreises durch das Osloer Nobel-Komitee. Wahrscheinlich noch größer war die stille Freude vieler Tausend Frauen und Männer im Umfeld der EU. Viele der in Brüssel Tätigen empfanden die Ehrung für die Institution als Anerkennung ihrer persönlichen pro-europäischen Überzeugung, mit dem sie in ihren Heimatländern oft auf Ablehnung oder Unverständnis stoßen. Doch Ablehnung und Unverständnis steht selbst in der Feierstunde Europas im Raum.
Wer ist die EU?
Denn es hat zwischen den Spitzenrepräsentanten der EU-Institutionen bereits der Tanz der Eitelkeiten eingesetzt, wer im Dezember in Stockholm den Preis entgegennimmt. Die alte und immer wieder neue Frage, "wer" eigentlich "die Europäische Union" sei, ist neu entbrannt. Ist es José Manuel Barroso, der Präsident der EU-Kommission, ist es Herman Van Rompuy, der EU-Ratspräsident, ist es Martin Schulz, der Präsident des EU-Parlaments, oder ist es der Staatspräsident Zyperns, Demetris Christofias, das derzeit turnusmäßig den Ratsvorsitz über die 27 Mitgliedsstaaten innehat? Beobachter halten eine unschöne Auseinandersetzung für unvermeidlich, sofern sich die Herren nicht rasch einigen können. Unrühmliche Beispiele dafür hat es wiederholt gegeben.
Leichter wird da die Frage gelöst werden können, was mit dem von Alfred Nobel einst gestifteten Geldpreis - rund eine Million Euro - geschieht. Karitative Gruppen haben sich schon zuhauf in Brüssel gemeldet.
Delors und Kohl
Die absehbare Auseinandersetzung verstellt die Sicht auf die Leistungen der EU, welche die Ehrung mehr als rechtfertigen. Neben den üblichen Dankesworten der Repräsentanten sind in Brüssel und den europäischen Hauptstädten Bekenntnisse zu hören, dass das europäische Haus umsichtig weiter gebaut werden müsse. Helmut Kohl, der frühere deutsche Bundeskanzler und Jacques Delors, einer der prägenden Präsidenten der EU-Kommission, verwiesen auf diese Dimension der Auszeichnung, die in die Zukunft weist.
Just eine russische Menschenrechtsaktivistin, die sich Hoffnungen auf den Preis gemacht hatte, machte das mit ihrem Unmut darüber deutlich, dass statt ihr eine "riesige Organisation" zum Zug gekommen sei.
Diktaturen
Denn der heutige Druck der EU-Institutionen im Kampf der russischen Dissidenten gegen den Kreml oder der bei ähnlichen Vorgängen in der Ukraine und Weißrussland hat Tradition, wie das Nobel-Preis-Komitee ausdrücklich hervorhob. Brüssel hat einst die Überwindung der Militärdiktaturen in Griechenland, Portugal und Spanien unterstützt und später die meisten Länder des ehemaligen kommunistischen Ostblocks zügig und großzügig ins Boot geholt.
Und heute sind es wieder EU-Institutionen, die mit nennenswerten Erfolgen gegen die mächtigen und undurchsichtigen Wirtschaftsmonopole etwa von Google, Apple oder Gazprom antreten. Damit geben sie der selbst gestellten Aufgabe, Frieden und Gerechtigkeit für die Bürger zu bringen, eine neue, zeitgemäße Dimension.














