Alternative Nobelpreise in Stockholm überreicht
Ein kanadischer Zoologe und Bewusstseinsbildner in Sachen Klimawandel, ein kongolesischer Biologe und Regenwald-Aktivist, ein neuseeländischer Atomwaffengegner und eine australisch-äthiopische Armenärztin sind die Träger des Alternativen Nobelpreises.
Die Auszeichnungen wurden am Freitag in Stockholm überreicht. Während der Wissenschafter David Suzuki mit einem nicht dotierten Ehrenpreis ausgezeichnet wurde, teilen sich René Ngongo, Alyn Ware und Catherine Hamlin das Preisgeld von 150.000 Euro.
Suzuki (73) leitet seit 1979 das in Kanada populäre Wissenschaftsmagazin "The Nature of Things" und erhielt den Ehrenpreis für seine jahrzehntelange Aufklärungsarbeit zu Klima- und anderen Umweltproblemen. Der Kongolese Ngongo (46) wurde für seinen Einsatz zur Bewahrung des Regenwaldes in seiner Heimat ausgezeichnet. Suzuki sagte vor der Zeremonie im schwedischen Reichstag, er hoffe auf ein Scheitern der am Montag beginnenden UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Als Grund nannte er die "viel zu niedrigen" Verpflichtungen der Industrieländer auf weniger CO2-Emissionen. "Es ist besser, wenn in Kopenhagen nichts herauskommt, dann kann man vor der nächsten Konferenz 2010 in Mexiko von vorn anfangen", meinte der Preisträger.
Eine Schande für die Menschheit
"Die Preisträger dieses Jahres zeigen konkret, was getan werden kann und muss, um den Klimawandel zu begrenzen, die Welt von Atomwaffen zu befreien und um lebenswichtige medizinische Behandlung auch für die Armen und Benachteiligten bereitzustellen", begründete die Jury ihre diesjährige Wahl. Schließlich seien die Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel "langsam und unzureichend", die weltweite atomare Bedrohung nehme zu "und dass so viele arme Menschen an behandelbaren Krankheiten leiden, ist eine Schande für die Menschheit".
Der Biologe Ngongo gründete im Jahr 1994 die kongolesische Umweltorganisation OCEAN, die für den Erhalt des Regenwaldes in dem afrikanischen Land kämpft. Alljährlich verschwinden 13 Millionen Hektar des zweitgrößten Regenwaldes der Welt. Die Jury ehrte Ngongo für den "Mut, sich jenen Kräften entgegenzustellen, die die Regenwälder des Kongo zerstören".
Der Pädagoge Alyn Ware (47) begann seine Anti-Atomwaffen-Aktivitäten vor zwei Jahrzehnten mit Projekten zur Friedenserziehung an neuseeländischen Schulen. Im Jahr 2002 gründete er eine internationale Vereinigung von Parlamentariern, die sich dem Ziel einer Abschaffung von Atomwaffen verschrieben haben und war auch federführend an der Ausarbeitung eines Abkommensentwurfs zu diesem Thema beteiligt.
Die gebürtige Australierin Catherine Hamlin (85) kam im Jahr 1959 als Frauenärztin nach Äthiopien. Sie führte dort Methoden zur Behandlung von Genitalfisteln ein und gründete mit ihrem Ehemann ein eigenes Spital, in dem Frauen kostenlos behandelt werden. Mit ihrer Tätigkeit habe Hamlin "die Gesundheit, Hoffnung und Würde von Tausenden ärmster afrikanischer Frauen wiederhergestellt hat", so die Jury.
Die vom deutsch-schwedischen Philanthropen Jakob von Uexküll gestiftete Auszeichnung wird traditionell an vier Personen oder Organisationen vergeben. In erster Linie sollen Leistungen für Frieden, Umwelt und soziale Gerechtigkeit honoriert werden, die nach Ansicht von Kritikern bei den offiziellen Nobelpreisen zu kurz kommen. Insgesamt wurden heuer 82 Kandidaten aus 46 Ländern für die Auszeichnung vorgeschlagen, davon 46 aus Entwicklungsländern.











