Wiener Heime: Erste Details präsentiert
Vergangenes Jahr wurde bereits die Geschichte der Wiener Kinderheime untersucht. Etliche Betroffene erhielten eine Entschädigung. Nun werden Details des Berichts veröffentlicht. Die meisten Gewalttaten geschahen in den 1960ern und 1970ern.

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Details zur Aufarbeitung der unheilvollen Geschichte der Wiener Kinderheime wurden erstmals im Vorjahr bekanntgegeben, öffentliche Debatte entstand daraus vorerst keine. Im Sommer 2010 verkündete Bürgermeister Michael Häupl (S), dass Wien als zweites Bundesland (nach Tirol, Anm.) Entschädigungszahlungen an Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch in städtischen Heimen oder Privateinrichtungen unter städtischer Aufsichtspflicht leisten wird. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft berichtete damals von ersten Personen, die sich gemeldet hatten - zunächst 84 an der Zahl.
"Wir sind uns unserer Verantwortung für die schrecklichen Ereignisse, die einigen Menschen widerfahren sind, bewusst", bat Häupl damals öffentlich um Entschuldigung. Das Leid sei nicht mehr gut zu machen, man werde aber alles unternehmen, um diesen Personen zu helfen und ihnen und ihrer Geschichte Gehör zu verschaffen, versprach das Stadtoberhaupt.
Es folgten eine Reihe von Gemeinderatsbeschlüssen zur Entschädigungssumme - und zahlreiche weitere Meldungen. Bis Ende vergangener Woche nahmen 343 Personen mit dem Opferschutzverein "Weißen Ring", der mit der Koordination betraut ist, Kontakt auf. Mehr als 170 Personen bekamen bisher eine finanzielle Entschädigung. Seit zwei Betroffene sich auch an die Öffentlichkeit gewandt haben, sind weitere Meldungen erfolgt.
Die betreffenden Gewalttaten passierten zwischen 1944 und 1997, die meisten davon in den 1960er und frühen 1970er Jahren. Fast alle betroffenen Heime sind bereits geschlossen. Noch existierende Einrichtungen wurden, so wurde versichert, nach aktuellen pädagogischen Standards umstrukturiert. Um die Geschichte der Heimerziehung aufzuarbeiten, setzte die Stadt eine Historikerkommission ein.
Dies alles stieß auf eher wenig Interesse. Erst als zwei Frauen in der Öffentlichkeit von ihrem Schicksal berichteten, wurde das Thema auch in der Öffentlichkeit aufgegriffen. Die beiden Betroffenen schilderten Fälle von Kinderprostitution und Serienvergewaltigungen. Wobei es in der darauffolgenden Debatte nicht mehr nur um die konkreten Erzählungen ging und auch nicht um kolportierte Todesfälle (für die es vorerst keine Bestätigung gibt, Anm.), sondern generell um die Zustände in den Heimen.
Sogar Untersuchungsberichte, die in den 1970er Jahren publiziert wurden, wurden wieder gelesen. Warum dies nicht schon in den vergangene Monaten und Jahren passiert ist, könnte damit zusammenhängen, dass die Einzelfälle bis zu den Medieninterviews bisher nicht anschaulich waren. Denn: Der "Weiße Ring" gibt als Opferschutzorganisation keine Informationen über die Inhalte der Schilderungen an die Öffentlichkeit weiter. Auch die Stadt selbst tut dies nicht, wie dort betont wird - jedoch erstattet sie bei Bedarf Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.
Dass der "Heimskandal" erst jetzt zu einem solchen wurde, hat für die Autorin eines maßgeblichen Berichtes ("Verwaltete Kinder"), Irmtraut Karlsson, aber auch damit zu tun, dass die Vorfälle in einer anderen Institution hier für Sensibilisierung gesorgt haben - nämlich jene, in der katholischen Kirche. Dadurch sei ein ganz anderes Bewusstsein entstanden: "Viele trauen sich jetzt erst, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Vorher haben sie vielleicht Angst gehabt, nicht gehört zu werden", so Karlsson gegenüber der APA.







