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Zuletzt aktualisiert: 16.09.2011 um 12:48 UhrKommentare

Klage gegen Papst beim Strafgerichtshof

US-amerikanische Aktivisten eines Missbrauchsopferverbandes haben gegen Papst Bendikt XVI. eine Klage beim Internationalen Strafgerichtshof eingebracht. Ein Vorwurf: Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Foto © APA

Aktivisten des US-amerikanischen Missbrauchsopferverbandes "Survivors Network of those Abused by Priests" (SNAP) und der Menschenrechtsorganisation "Center for Constitutional Rights" (CCR) haben am Freitag in Wien bestätigt, vergangenen Dienstag Klage gegen den Vatikan und namentlich gegen Papst Benedikt XVI. bei dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH/ICC) in Den Haag eingereicht zu haben. Dem Vatikan werden in dem über 20.000-seitigen Dossier u.a. "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sowie die systematische Verheimlichung und Vertuschung von Missbrauchsfällen vorgeworfen.

"Wir Opfer haben alles versucht, um die Zuständigen des Vatikan dazu zu bringen, die Struktur, die die Vergewaltigung und den Missbrauch durch Bischöfe und Nonnen in der römisch-katholischen Kirche von über zehntausend Kindern zulässt, zu ändern", so die SNAP-Präsidentin Barbara Blaine. Bisher habe die Kirche keine Schritte in diese Richtung unternommen, außer wenn sie durch äußere Umstände - z. B. Untersuchungen von Journalisten oder durch Betroffene, die an die Öffentlichkeit gingen - dazu gezwungen worden sei.

Tausende Seiten Beweismaterial

"Uns ist kein einziger Fall weltweit bekannt, in dem die Bischöfe einen Priester, der Kinder sexuell missbrauchte, aus seiner Position entfernt hätten", behauptete Blaine. In Folge dieser Umstände kam es zu der Erarbeitung des Dossiers, das nun dem IStGH vorliegt. Bei der Übergabe der Beschwerde am vergangenen Dienstag sei den Aktivisten die "sehr genaue Überprüfung" der Klage durch Mitglieder der Staatsanwaltschaft des IStGH zugesichert worden.

"Tausende Seiten von Beweismaterial über sexuelle Gewalt, Vergewaltigung und Folter durch Mitglieder des römisch-katholischen Klerus brachten uns zu dem Schluss, dass ein systematischer Angriff auf Kinder und verletzliche Erwachsene seit Jahrzehnten vor sich geht", so Katherine Gallagher, CCR-Anwältin und Vertreterin von SNAP in dieser Angelegenheit. Durch die Vorfälle u.a. in Großbritannien, Deutschland, Belgien, Kanada und den USA konnte festgestellt werden, dass derartige Taten weit verbreitet seien.

Vertuschung und Behinderung der Justiz

Durch die genauere Untersuchung zahlreicher Fälle seien Muster der Vertuschung, Versetzung von missbrauchenden Priestern, der Behinderung der Justiz, der Zerstörung von Beweismaterial und der systematischen Beschuldigung der Opfer sichtbar geworden, so Gallagher. Papst Benedikt XVI., werde heute vorgeworfen, dass dieser zu seinen Zeiten als Kardinal Joseph Ratzinger vorsätzlich die katholische Kirche und nicht die betroffenen Kinder geschützt habe - trotz Kenntnis über die Missbrauchsvorfälle.

Die Verbände wollen auch gegen den vatikanischen Staatssekretär, Kardinal Tarcisio Bertone, seinen Vorgänger, Kardinal Angelo Sodano, und gegen den derzeitigen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, vorgehen. Der IStGH ist eigentlich für Fälle des Völkerstrafrechts wie etwa Völkermord oder Kriegsverbrechen zuständig.

Auch in Österreich werde die Justiz aktiv durch die römisch-katholische Kirche behindert und systematische Vertuschung komme vor, sagte der Co-Initiator des österreichischen Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien, der Wiener Unternehmer und atheistische Aktivist Niko Alm. "Eine zentrale Forderung des Volksbegehrens ist die lückenlose Aufklärung der Missbrauchsfälle in Österreich." Bis 15. Oktober werden Unterschriften zu Unterstützung des Volksbegehrens gesammelt. Alm hatte im Sommer für internationales Aufsehen gesorgt, als er mitteilte, ein Nudelsieb sei ihm für ein Führerscheinfoto als "religiöse Kopfbedeckung" genehmigt worden. Anschließend stellten die Behörden allerdings klar, dass - im Gegensatz zu den EU-konformen Reisepässen - Kopfbedeckungen auf Lichtbildern für den Führerschein nicht gesetzlich geregelt seien.

Weitere Aktionen geplant

Während des Aufenthalts von Papst Benedikt XVI. kommende Woche in Deutschland plant der Verband SNAP dem Papst zu folgen und durch Aktionen auf seine Anliegen aufmerksam zu machen.

Derzeit führt SNAP eine europäische Kampagne gegen Pädophilie in zehn Hauptstädten durch. Mit dieser Initiative wollen Opfer von sexuellem Missbrauch durch Geistliche eine europaweite Sensibilisierungskampagne zum Schutz von Kindern beginnen. Sie wollen außerdem in katholischen Kreisen eine offene Diskussion über das Problem anregen und weitere Opfer anspornen, ihren Fall anzuzeigen, hieß es in einer in Rom veröffentlichten Presseaussendung der Organisation. Die Kampagne geht am 20. September mit einer Pressekonferenz in Rom zu Ende.


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