Thema Missbrauch als Nagelprobe für "Kathpress"
Die Kathpress sieht seitens der Kirche eine Bestärkung, das Thema Missbrauch "offensiv" zu behandeln. Außerdem kriegt Kathpress Konkurrenz von erzkonservativen, aber digitalen Onlinemedien. In Planung steht eine vollständige Digitalisierung des Archivs der "Kathpress".

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Paul Wuthe, seit einem halben Jahr Chefredakteur der "Kathpress", sieht in den derzeit bekanntwerdenden Missbrauchsfällen in der Kirche eine "Nagelprobe" für sich und sein Medium. "Es war schon der richtige Einstieg, um das Agenturprofil zu schärfen", sagte er im Interview mit der Austria Presse Agentur. Nach einem halben Jahr zieht Wuthe eine positive Bilanz, so sei man etwa schneller und effektiver geworden. Geplant ist auch die Digitalisierung des "Kathpress"-Archivs seit 1946.
"Das Missbrauchs-Thema, ausgelöst in Deutschland, ist natürlich schon eine Nagelprobe für unsere Nachrichtenagentur, wie man mit einem so sensiblen Thema umgeht", so Wuthe. So würden die Statuten der "Kathpress" einerseits Unabhängigkeit zusichern, andererseits bestehe natürlich die Verbundenheit mit der katholischen Kirche. Interventionen von kirchlicher Seite habe es bis jetzt nicht gegeben. Vielmehr Bestärkung, das Missbrauchs-Thema offensiv anzugehen, sagt Wuthe, selbst "von höchsten Stellen".
Wuthe will mit "umfassender und tiefgründiger" Berichterstattung auch zur Versachlichung des Missbrauchs-Thematik beitragen, zu jedem Fall Hintergründe und Stellungnahmen anbieten können. Vor allem in einem derartigen "Medien-Tsunami", der sich nach Bekanntwerden der ersten Fälle entwickelt habe. Und obwohl es in heimischen Medien einen Trend zum Boulevard gebe, fällt die Kritik des "Kathpress"-Chefs an der Berichterstattung milde aus. "Ich glaube nicht, dass es große Kampagnen gegen die Kirche gegeben hat." Weniger aufgeregt sei der Ton in den Medien zudem geworden, nachdem die Kirche klaren Worten auch konkrete Taten folgen ließ, meint Wuthe rückblickend.
Nach seinem Antritt als Chefredakteur bei der "Kathpress" hat Wuthe - er löste den den früheren langjährigen Chefredakteur und jetzigen Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn, Erich Leitenberger, in dieser Funktion ab - erst einmal den "internen Betrieb neu definiert". Durch die Optimierung von Abläufen konnte die Agentur deutlich schneller werden und sich dem wachsenden Zeitdruck auf dem Medienmarkt anpassen. Die derzeitige Krise in der Branche spüre man jedoch nicht "nachhaltig". Klar sei aber auch, so Wuthe, "dass sich jedes Medienhaus überlegt, wofür man zu zahlen bereit ist". Die Ausweitung des Angebots - etwa die Produktion von Videos - sei allerdings derzeit nicht geplant, Wuthe will sich ganz auf das Kerngeschäft einer Nachrichtenagentur konzentrieren.
Sorgen macht sich Wuthe über jüngste Entwicklungen bei der Nutzung von Medien. Vor allem jüngere Leute würden wieder vermehrt auf Face-to-face-Kommunikation setzen, da traditionelle Medien zunehmend unter "Generalverdacht" stünden. Konkurrenz kommt auch von diversen kirchliche "Meinungsseiten" (erzkonservative Homepages wie kreuz.net, Anm.): "Das Problem ist, dass manche so auftreten, als wären sie Journalisten."
Seit 1946 berichtet die "Kathpress" über kirchenbezogene Themen. Nun plant Wuthe, das Archiv vollständig zu digitalisieren. Betroffen sind jene Meldungen bis 1988, die derzeit nur in Papierform in den Räumlichkeiten im Deutschordenshaus lagern. Insgesamt sieben Redakteure arbeiten derzeit für die "Kathpress", gemeinsam mit deutschen und Schweizer Kollegen betreibt man zusätzlich ein Büro in Rom.
Der promovierte Theologe und Magister der Rechtswissenschaft Wuthe wurde am 1. Mai 1968 in Voitsberg (Steiermark) geboren. 1994 wurde er Assistent des Generalsekretärs der Österreichischen Bischofskonferenz, 2004 Leiter des Medienreferats. Einen Namen machte sich der verheiratete Vater dreier Kinder als Leiter der Presse- und Medienarbeit für den Papstbesuch 2007.
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