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Zuletzt aktualisiert: 09.05.2010 um 19:00 UhrKommentare

Schönborn übt scharfe Kritik an Sodano

Der Ex-Kardinalstaatssekretär soll Groer-Ermittlungen behindert haben. Außerdem habe Sodano die Opfer sexuellen Missbrauchs beleidigt, indem er das Thema zuletzt als "Geschwätz" abgetan habe.

Angelo Sodano

Foto © APAAngelo Sodano

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn hat laut einem italienischen Medienbericht den früheren vatikanischen Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano scharf kritisiert. Laut dem am Sonntag in der Internet-Ausgabe der italienischen Zeitung "Il Giornale" veröffentlichten Bericht warf Schönborn Sodano vor, während seiner Amtszeit die Ermittlungen gegen den früheren Wiener Erzbischof Kardinal Hans Hermann Groer behindert zu haben. Außerdem habe Sodano die Opfer sexuellen Missbrauchs beleidigt, indem er das Thema zuletzt als "Geschwätz" abgetan habe. Sodano war von 1991 bis 2006 Kardinalstaatssekretär.

Untersuchungskommission zum Fall Groer verhindert

Schönborn äußerte sich nach Angaben der Zeitung bei einem "informellen Treffen" mit österreichischen Medienvertretern, über das auch die Nachrichtenagentur Kathpress berichtet habe, am 28. April. Dabei nannte der Kardinal die umstrittenen Behauptungen Sodanos, die er während der Osterfeierlichkeiten in Rom in Anwesenheit des Papstes gemacht hatte, eine schwere Beleidigung der Missbrauchsopfer. Schönborn habe zudem unterstrichen, dass der ehemalige Vatikan-Kardinalstaatssekretär vor 15 Jahren die Bildung einer Untersuchungskommission zum Fall Groer verhindert habe, schrieb "Il Giornale" unter Berufung auf Kathpress.

Bereits am 28. März habe der derzeitige Wiener Erzbischof einen ähnlichen Vorwurf erhoben, ohne allerdings Sodano namentlich zu nennen, so "Il Giornale". In einem Interview mit dem ORF habe Schönborn damals lobende Worte für den jetzigen Papst Benedikt XVI. und damaligen Kardinal Joseph Ratzinger gefunden. Der seinerzeitige Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation habe sich 1995 energisch dafür eingesetzt, dass der Vatikan eine Untersuchung gegen Groer einleite. Die Erfüllung dieser Forderung sei jedoch von der "anderen Seite", also seitens des vatikanischen Regierungschefs, vereitelt worden, zitierte das Blatt den Kardinal.

Schönborn selbst - damals Weihbischof - hatte nach Bekanntwerden der Anschuldigungen gegen Groer 1995 diese in scharfer Form zurückgewiesen. In einer Stellungnahme hatte er unter anderem erklärt: "Seit der Zeit des Nationalsozialismus, als Priesterprozesse unter dem Vorwand homosexueller Verfehlungen geführt wurden, hat es in Österreich derlei Verleumdungspraktiken gegen die Kirche nicht mehr gegeben". Später distanzierte er sich von Groer und wurde schließlich dessen Nachfolger. In einer gemeinsamen Erklärung mit dem Salzburger Erzbischof Georg Eder und den Bischöfen Johann Weber und Egon Kapellari sprach er von der "moralischen Gewissheit", dass die gegen Kardinal Groer erhobenen Vorwürfe "im wesentlichen zutreffen".


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