Prediger vergleicht Angriffe auf Papst mit Judenhass
Eklat am Karfreitag: Der persönliche Prediger des Papstes hat die Vorwürfe gegen die katholische Kirche im Missbrauchsskandal mit dem Antisemitismus verglichen. Der Vaikan hat sich mittlerweile von dem Vergleich distanziert.

Foto © APPater Raniero Cantalamessa
Die Juden seien in der Geschichte Opfer kollektiver Gewalt geworden, und die Anschuldigungen gegen die Kirche und den Papst erinnerten an die "schändlichsten Aspekte des Antisemitismus", sagte Pater Raniero Cantalamessa bei einem Karfreitagsgottesdienst im Vatikan in Anwesenheit Benedikts. Ein jüdischer Freund habe ihm geschrieben, dass er die "gewaltsamen und konzentrierten Angriffe" auf die Religionsgemeinschaft und ihr Oberhaupt mit Abscheu verfolge.
"Schande über Pater Cantalamessa"
Vertreter des Judentums reagierten empört auf die Äußerungen Cantalamessas, dessen Titel "Prediger des päpstlichen Hauses" lautet. "Schande über Pater Cantalamessa", sagte Elan Steinberg von der Vereinigung amerikanischer Holocaust-Überlebender und ihrer Nachkommen. Der Vatikan habe das Recht, sich zu verteidigen, doch der Vergleich sei beleidigend und nicht nachvollziehbar. "Wir sind zutiefst enttäuscht", sagte Steinberg der Nachrichtenagentur Reuters.
"Widerwärtig und obszön"
Der Zentralrat der Juden in Deutschland bezeichnete die Bemerkungen als "Frechheit". "Es ist widerwärtig und obszön und vor allem beleidigend gegenüber den Missbrauchsopfern und auch den Opfern der Shoah", sagte Generalsekretär Stephan Kramer der Nachrichtenagentur Associated Press. Cantalamessa mache sich die Worte zu eigen und müsse dazu stehen. Es handle sich um ein übliches Ablenkungsmanöver des Vatikans. Aus den Tätern sollten Opfer gemacht werden, kritisierte Kramer und fügte hinzu: "Ich habe bisher weder den Petersdom brennen sehen noch Gewaltausbrüche gegen katholische Priester."
Vatikan distanziert sich
Nach scharfer Kritik aus dem Ausland hat sich der Vatikan vom Antisemitismus-Vergleich eines hohen Geistlichen in der Missbrauchsdebatte distanziert. Ein solcher Vergleich könne zu Missverständnissen führen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitagabend der Nachrichtenagentur AP. Die Äußerungen von Raniero Cantalamessa seien nicht die offizielle Position des Vatikans.
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Vatikan distanziert sich
Nach scharfer Kritik aus dem Ausland hat sich der Vatikan vom Antisemitismus-Vergleich eines hohen Geistlichen in der Missbrauchsdebatte distanziert. Ein solcher Vergleich könne zu Missverständnissen führen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitag. Die Äußerungen von Raniero Cantalamessa seien nicht die offizielle Position des Vatikans.







