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Zuletzt aktualisiert: 02.04.2010 um 21:21 UhrKommentare

"Opfer sollen das Gefühl bekommen, man nimmt sie ernst"

Waltraud Klasnic wurde ein kirchlicher Opferfonds zugesagt. Ihre Kommission wird vorschlagen, wer wie viel bekommt. Die Opferanwältin im Interview.

Waltraud Klasnic und Kardinal Christoph Schönborn

Foto © APAWaltraud Klasnic und Kardinal Christoph Schönborn

Frau Klasnic, wie ist Ihr Zugang zum Thema, wann haben Sie sich erstmals mit Kindesmissbrauch auseinandergesetzt?

WALTRAUD KLASNIC: Dieses Verbrechen gehört für mich zu den ärgsten, die es gibt. Meine Mutter hat zu mir gesagt: "Wenn eine bestimmte Person aus der Nachbarschaft klopft, dann darfst Du nicht aufmachen!" Direkt ist damals über dieses Thema nicht geredet worden. Aber das Leben hat mich leben gelehrt.

Und was qualifiziert Sie zur "Opferanwältin?"

KLASNIC: Ich bin mit den Themen Gewalt und Missbrauch laufend beschäftigt. Vor eineinhalb Jahren habe ich als Vorsitzende des Wirtschafts- und Sozialausschusses der EU eine Stellungnahme über Gewalt gegen alte Menschen in Pflegeheimen und der Familie fertiggestellt - ein wichtiges Thema. Was mich persönlich qualifiziert? Da lasse ich lieber andere sprechen. Ich lese aus einem Brief vor, den ich bekommen habe: "... ein Lichtblick, dass Sie sich bereit erklärt haben, einen Weg der Gerechtigkeit und wohl auch der Versöhnung zu suchen." Wenn ich helfen kann, gebe ich mir den Auftrag, es zu tun. Leben heißt, sein Herz zu verbrauchen.

Kritiker meinen, Sie seien als engagierte Katholikin nicht unabhängig und mangels Jus-Studium nicht qualifiziert.

KLASNIC: Ich habe in meinem Leben viele Aufgaben bewältigt, die mit der Kirche nichts zu tun hatten. Deshalb muss man seinen Glauben nicht verleugnen und das will ich auch nicht. Mein politisches Vorbild war Franziska Fast, die erste Volksanwältin Österreichs. Eine kleine, großartige Frau, eine Sozialdemokratin. Sie war keine Juristin, aber sie war ein Mensch. Ich bin immer bereit, von anderen zu lernen und man kann ja auch fragen. Es haben sich bereits Juristen gemeldet, die mitarbeiten möchten.

Wird die "Opferanwaltschaft" ein Kummerkasten, ein Opferfonds oder eine Kommission, die Regeln für die Kirche ausarbeitet?

KLASNIC: Von allem etwas. Zu aller erst sollen die Opfer das Gefühl bekommen, man nimmt sie ernst. Viele wollen vor allem reden.

Wecken Sie mit dem Telefonanschluss, den Sie bereits eingerichtet haben, nicht Hoffnungen, die Sie dann nicht erfüllen werden können. Wer hebt dort ab?

KLASNIC: Es gibt ein Sekretariat in Wien und eines in Graz. Ich werde versuchen, mit so vielen Menschen wie möglich persönlich zu sprechen. Telefonieren kann man am frühen Morgen, am späten Abend, im Laufe des Tages, im Zug, am Wochenende. Für die Kommission werde ich demnächst fünf bis sieben Persönlichkeiten auswählen - zur Hälfte Männer, falls ein Betroffener lieber mit einem Mann sprechen möchte. Ich habe im Laufe der Woche schon zwölf Briefe, 30 Mails und zig Anrufe von Betroffenen bekommen. Geldforderungen waren übrigens noch keine dabei. Aber das wird sich wahrscheinlich bald ändern.

Wie viel Geld stellt Ihnen Kardinal Schönborn zu Verfügung?

KLASNIC: Ich habe ihn so verstanden, dass es einen Opferfonds geben und er sich bindend an die Vorschläge halten wird, die wir als Gruppe dann ja erst erarbeiten müssen, etwa wer wie viel für Therapien oder als Entschädigung bekommt.

Werden Sie eingesetzt, um eine staatliche Untersuchungskommission oder Klagen abzuwenden?

KLASNIC: Nein. Die rechtliche Situation und der Runde Tisch des Justizministeriums sind eine Seite. Wenn man das will, werden wir gerne zusammenarbeiten. Ich bin eine Opferschutzanwältin für die Menschen. Wir werden Kardinal Schönborn auch Vorschläge unterbreiten, was man tun kann, dass so etwas nicht mehr passiert. Wünschen würde ich mir, dass es nie mehr vorkommt. Ich sage bewusst: wünschen.

INTERVIEW: EVA WEISSENBERGER

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