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Zuletzt aktualisiert: 28.03.2010 um 18:34 UhrKommentare

Missbrauchskandal: "Kleinlicher Klatsch"?

Papst Benedikt XVI. ging in seiner Predigt zum Palmsonntag nicht direkt auf den Missbrauchskandal ein. Er meinte aber, dass sich die Gläubigen "nicht vom kleinlichen Klatsch der vorherrschenden Meinung" einschüchtern lassen sollten.

Papst Benedikt XVI. am Palmsonntag

Foto © APAPapst Benedikt XVI. am Palmsonntag

Papst Benedikt XVI. ist in seiner Predigt zum Palmsonntag in Rom nicht direkt auf den Missbrauchsskandal eingegangen. Teile seiner Predigt könnten sich aber indirekt auf die derzeitige Krise der Katholischen Kirche beziehen. So erklärte der Papst vor Zehntausenden Menschen, der Glaube verleihe den Mut, sich "nicht von dem kleinlichen Klatsch der vorherrschenden Meinung einschüchtern zu lassen". Zudem sprach das Oberhaupt der Katholischen Kirche davon, wie Menschen manchmal "auf die niedrigsten, vulgärsten Ebenen" herabfallen könnten.

In einem der Gebete wurde Gott ersucht, der Jugend und denjenigen, die sie ausbilden und schützen, zu helfen. Radio Vatikan bezeichnete dies als eine Zusammenfassung der Stimmung in der Kirche "in dieser schwierigen Zeit, während sie die Seuche der Pädophilie bekämpft".

Kurienkardinal fordert "Großreinemachen"

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper forderte unterdessen nach den Missbrauchsskandalen ein "Großreinemachen" in der Katholischen Kirche. Der Weg der Erneuerung sei unumkehrbar, sagte Kasper in einem Interview der italienischen Zeitung "Corriere della Sera". Ebenso wie Vatikansprecher Federico Lombardi nahm er Papst Benedikt XVI. vor der Kritik in Schutz, zu lange zu den Skandalen geschwiegen zu haben.

Kasper räumte im "Corriere della Sera" ein, dass die Kirche "zumindest in einigen Fällen" früher zu Missbrauchsfällen geschwiegen habe. Der Papst habe aber als erster die Notwendigkeit einer härteren Haltung gegenüber Tätern erkannt. Benedikt sei der erste gewesen, "der schon als Kardinal nach neuen und schärferen Regeln gerufen hat". Angriffe gegen ihn gingen über "jede Grenze von Gerechtigkeit und Anstand" hinaus, sagte Kasper, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ist.

Auch Lombardi betonte im Radio Vatikan, die Autorität des Papstes sei durch die Missbrauchsskandale nicht erschüttert worden. Die Disziplinarbehörden des Vatikans hätten "Unterstützung und Führung der Bischöfe bei der Bekämpfung und dem Vernichten der Schande des Missbrauchs, wo immer sie geschieht, bestätigt". Die Art und Weise, in der sich die Kirche dem Problem stelle, sei entscheidend für ihre moralische Glaubwürdigkeit.


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