Waltraud Klasnic: Kommission ist "Ehrenpflicht"
Der von Kardinal Christoph Schönborn neu eingesetzten "unabhängigen Opferbeauftragten" Waltraud Klasnic wurde "völlige Unabhängigkeit" zugesichert. Ihrer Kommission für Missbrauchsopfer werden keine Amtsträger der Kirche angehören.

Foto © David BauerWaltraud Klasnic
Kardinal Christoph Schönborn hat eine weitere Konsequenz aus den Missbrauchsfällen in der Kirche gezogen: Er setzt die ehemalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V) als "unabhängige Opferbeauftragte" ein, kündigte er am Palmsonntag in der ORF-"Pressestunde" an. Die frühere Politikerin und Vorsitzende des "Zukunftsfonds der Republik Österreich" und des Dachverbandes "Hospiz Österreich" soll eine unabhängige, aber von der Kirche finanzierte Kommission zusammenstellen.
Klasnic habe dem Wiener Erzbischof am Samstag ihre Bereitschaft bekundet, diese Aufgabe zu übernehmen, so Schönborn. Ein erstes Treffen der beiden, um die weitere Vorgangsweise zu klären, soll es am Gründonnerstag geben. In der Zusammensetzung ihres Teams und in der Festlegung der Arbeitsweise versicherte der Wiener Erzbischof völlige Eigenständigkeit. "Amtsträger der Kirche" würden jedenfalls nicht in die Kommission entsandt werden. "Wir wollen die Unabhängigkeit der Aufklärung garantieren", so Schönborn. Der Schritt sei auch mit den Mitgliedern der Bischofskonferenz abgesprochen.
Nicht ganz selbstständig wird die von Schönborn geplante Kommission in finanziellen Fragen sein, da diese von der Kirche finanziert wird - allerdings nicht mit Mitteln aus dem Kirchenbeitrag, betonte Schönborn. Und auch eine "enge Zusammenarbeit" mit diözesanen Ombudsstellen ist angedacht, die katholische Kirche werde der Kommission auch Zugang zu allen benötigten Informationen gewähren. Die Frage, ob weitere Politiker Klasnics Kommission angehören würden, konnte Schönborn nicht beantworten.
Zu einem immer wieder geforderten Opferfonds äußerte sich der Wiener Erzbischof nicht eindeutig. Wo Täter noch belangt werden können, müssten diese zur Rechenschaft gezogen werden, meinte er. Wenn diese allerdings bereits verstorben sind, müsse die Kirche - etwa zur Finanzierung von Therapien - "einspringen". Weiter offen zeigte sich der Kardinal gegenüber einer staatlichen Kommission zum Thema Missbrauch, ebenso wie einer Anzeigepflicht für Kirchenmitarbeiter bei "gravierendem Verdacht" . Klärung solle hier der Runde Tisch bringen, zu dem Justizministerin Claudia Bandion-Ortner und Familien-Staatssekretärin Christine Marek (beide V) eingeladen haben.
"Kommission ist Ehrenpflicht
Die neu eingesetzte "unabhängige Opferbeauftragte" Klasnic befand sich am Tag der öffentlichen Verkündung ihrer neuen Aufgabe im Ausland. Schriftlich ließ sie allerdings wissen, dass es für sie eine Ehrenpflicht sei, dem Ruf Schönborns zu folgen. Ziel sei es, die Tätigkeit "rasch und wirksam aufzunehmen - wenn möglich noch vor Ende April". Auch Klasnic betonte, dass ihr von Schönborn "völlige Unabhängigkeit" zugesagt worden sei. Der steirische Diözesan-Bischof Egon Kapellari dankte der Opferbeauftragten sogleich für ihre Bereitschaft.
Nicht ganz zufrieden zeigten sich Opfervertreter und die Grünen mit dem Schritt der Kirche. Die "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" stellte die Unabhängigkeit der angekündigten Kommission infrage. Grünen-Justizsprecher Albert Steinhauser sieht in Schönborns Entscheidung nur einen Anfang bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Die Kirche müsse die Opfer direkt entschädigen.







