"Wir wollen unseren Pfarrer wiederhaben"
Kürzlich wurde ein Pfarrer vom Pfarrverband Deutschlandsberg vom Dienst freigestellt. Im Kirchenvolk machen sich jetzt viele für eine Rückkehr des Geistlichen stark.

Foto © AP/Sujet
"Niemand weiß etwa Genaues. Aber alle wollen es schon immer gewusst haben", ist Michaela Rossmann, Direktorin in den beiden kleinen Bergschulen von Osterwitz und Kloster, irritiert. Wie ihr geht es derzeit vielen der rund 10.000 Katholiken des Pfarrverbandes Deutschlandsberg, Frauental, Osterwitz, St. Jakob und St. Oswald.
Vor wenigen Tagen wurde nämlich ein Pfarrer, der erst im vergangenen Herbst seinen Dienst in der Weststeiermark angetreten hatte, vom Dienst freigestellt (die Kleine Zeitung berichtete). Vor zwölf Jahren war er wegen einer - damals strafbaren - sexuellen Handlung mit einem 17-Jährigen verurteilt worden. Aufgrund der aktuellen Missbrauchs-Affäre lässt die Diözese auch andere Fälle derzeit noch einmal überprüfen. Vor eineinhalb Wochen wurde er von höchsten Kirchenkreisen vom Dienst abgezogen. Ob und wann er wieder nach Deutschlandsberg kommt, weiß niemand.
"Er hat bei uns nichts angestellt, er hat uns nichts getan. Deshalb wollen wir unseren Pfarrer wieder haben", erklärt indes Ernest Theußl, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates in Deutschlandsberg. Eine Resolution wurde beschlossen, ähnlich wie in Frauental wurde vor der Kirche ein Plakat mit der Aufschrift "... der werfe den ersten Stein" samt einen Kübel Steine platziert. Auch die Pfarrgemeinderäte der anderen betroffenen Pfarren würden sich für eine Wiederkehr aussprechen.
Gewusst hätte man von der Vergangenheit schon seit einem halben Jahr, laut Thomas Bäckenberger von der Pressestelle der Diözese seien auch die Pfarrgemeinderäte in Deutschlandsberg und Frauental informiert worden. "Wir wollten damals nicht viel herumreden, immerhin ist das Ganze zwölf Jahre her", erklärt Theußl. "Ein Outing hätten wir für unangebracht gehalten."
Im Kirchenvolk gibt es indes viele Fragen: "Warum sagt man uns nicht klipp und klar, was los ist? Gibt es etwas Neues, wovon wir nichts wissen?", fragt sich Direktorin Rossmann, die den Pfarrer als "gescheiten Menschen" kennen gelernt hat: "Er hat mich sehr beeindruckt, er ist ein sympathischer und höflicher Mensch."
Nett und freundlich
Als netten und freundlichen Menschen nahmen auch die Gastwirte Johann und Eva Theißl vom Freiländerwirt den Pfarrer wahr: "Er soll wieder zu uns in die Gemeinde kommen", hofft Johann Theißl. In der Pfarre St. Jakob gibt es seit Jahrzehnten keinen eigenen Geistlichen mehr, umso mehr schmerzt, dass auch der neue derzeit nicht vor Ort ist. "Mit den Pfarrern muss man sparsam umgehen", befindet Wirtin Eva Theißl. Vor der Kirche in Frauental hängt Pfarrsekretärin Barbara Tschampa eine Ankündigung in den Schaukasten. Vergangenen Sonntag hatte sich Weihbischof Franz Lackner vor Ort in einem Gottesdienst zur aktuellen Causa geäußert. "Die Leute haben eine gemischte Meinung darüber", befindet Tschampa. "Aber nun reden viele Menschen primitiv und negativ über die Kirche. Lustig ist das Ganze nicht."







