Diözese Gurk will "in allen Fällen" Justiz einschalten
Bischof Schwarz nimmt in seinem Hirtenbrief Stellung: Auch bei Verjährungsfällen müsse eine Abklärung herbeigeführt werden. Er spricht sich auch für eine verpflichtende Informationsveranstaltungen für Religionslehrer aus.

Foto © Pressestelle/Neumüller Bischof Alois Schwarz
Die Diözese Gurk-Klagenfurt wird ab nun, wenn sie von Opfern von sexuellem Missbrauch und körperlichen Misshandlungen erfährt, umgehend die staatlichen Behörden einschalten und den Sachverhalt der Justiz zur Untersuchung übergeben. Das kündigte Diözesanbischof Alois Schwarz am Dienstag in seinem Hirtenbrief zur Karwoche an. Auch wenn im Strafrecht keine generelle Meldepflicht vorgesehen sei, werde man auch für strafrechtlich bereits verjährte Fälle "eine Abklärung herbeiführen". Zugleich wandte sich Schwarz entschieden gegen Pauschalverurteilungen.
Die Vorgangsweise der Diözese entspreche den Vorgaben des Papstes, noch intensiver mit den staatlichen Behörden zu kooperieren, betont der Bischof. Überdies würden wie bisher die im Kirchenrecht vorgesehenen Strafmaßnahmen und die Anzeigepflicht in Rom praktiziert werden. Seine vorrangige Sorge gelte den Opfern und der Verhinderung von Missbrauch in Zukunft, sagte Schwarz. Er trete dafür ein, dass den Opfern Gehör geschenkt und die Täter unverzüglich zur Rechenschaft gezogen werden. Schwarz will sich auch in der Österreichischen Bischofskonferenz "nachdrücklich dafür einsetzen, dass im Sinne der Ermahnungen des Papstes in der Ausbildung des Priester- und Ordensnachwuchses von Anfang an die strengen Prüfungs- und Auswahlkriterien und Maßnahmen der Kirche angewendet werden". Dazu würden auch von unabhängigen Fachpsychologen durchgeführte Persönlichkeitstests für die Kandidaten für die Priesterausbildung gehören.
Veranstaltungen für Lehrer
In der Diözese Gurk sei die Leitung der diözesanen Katholischen Pädagogischen Hochschuleinrichtung (KPHE) Kärnten von ihm beauftragt worden, umgehend weitere verpflichtende Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für Religionslehrerinnen und Religionslehrer einzurichten und anzubieten. Diese Veranstaltungen befassen sich speziell mit dem Problem der Erkennbarkeit, der Aufklärung, der Bearbeitung und Verhinderung des sexuellen Missbrauchs und des Gewaltmissbrauchs in der Erziehung. Die Diözese unterstütze auch "nichtkirchliche Präventionsmaßnahmen". Der Priesterrat werde bei seinem nächsten Treffen am 21. April einen Fachreferenten einladen und arbeite mit fachpsychologischer Beratung und Begleitung an konkreten Richtlinien und Maßnahmen im Falle von sexuellem Missbrauch und Gewaltmissbrauch. Schwarz: "Dabei muss sowohl in der persönlichen Lebenskultur der Priester wie auch in der seelsorglichen Arbeit aktiver für Prävention und Aufklärung gesorgt werden." Gleichzeitig werde das Jungpriesterforum der Diözese Gurk für Priester in den ersten Dienstjahren regelmäßige monatliche Treffen in Begleitung eines erfahrenen und pastoralpsychologisch kompetenten Priesters veranstalten, in denen pastorale Erfahrungen und soziale Krisensituationen im Kontext von sexuellem Missbrauch und Gewaltmissbrauch exemplarisch vorgestellt, analysiert und bearbeitet werden.
Er selbst werde, so Bischof Schwarz, bei der Zusammenkunft der Priester im Anschluss an die traditionelle Chrisammesse am Mittwoch, dem 31. März, Fragen und Probleme des sexuellen Missbrauchs und körperlicher Misshandlungen in der Kirche offen ansprechen und auch einige konkrete und notwendige Handlungsmodelle darlegen. Auch werde er bei einem Treffen mit den Leitern aller Heime in kirchlicher Trägerschaft in Kärnten präventive Maßnahmen zum richtigen Umgang mit Nähe und Distanz setzen.







