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    Zuletzt aktualisiert: 21.03.2010 um 18:37 UhrKommentare

    Papst-Brief spaltet die Gläubigen

    Die Gläubigen müssten zwar "unnachgiebig mit der Sünde, auch der eigenen", sein, jedoch "geduldig mit den Menschen", mahnte Benedikt XVI. in Rom beim traditionellen Angelus-Gebet. Der Papstbrief sei "bedauernswert unpassend", wurde allerdings in Medien kommentiert.

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    Papst Benedikt XVI. hat sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche "aufrichtig bedauert". In seinem mit Spannung erwarteten Hirtenbrief an die irische Kirche drückte der Papst, an die Opfer und ihre Familien gewandt, "im Namen der Kirche offen die Schande und die Reue aus, die wir alle fühlen". Andere Länder wie Österreich oder Deutschland, in denen ebenfalls Missbrauchsfälle bekannt geworden waren, nannte Benedikt XVI. nicht. Die Reaktionen auf das Schreiben fielen am Wochenende geteilt aus. Hohe Kirchenvertreter lobten die "Klarheit" und "Entschiedenheit" des Papstes. Opferverbände zeigten sich hingegen enttäuscht.

    Irlands Missbrauchsopfer wollen mehr

    Der Kirche in Irland warf Benedikt XVI. "schwere Fehler" im Umgang mit dem Missbrauchsskandal vor. Er forderte die Schuldigen auf, sich für ihre Vergehen nicht nur "vor Gott", sondern auch vor ordentlichen Gerichten zu verantworten. Er teile "die Bestürzung und das Gefühl des Vertrauensbruchs" vieler Iren angesichts der "sündhaften und kriminellen Taten" und der "oftmals unangemessenen Reaktion" der Kirchenführung.

    Laut einem im Auftrag der Regierung erstellten Untersuchungsbericht hatten katholische Würdenträger in Irland jahrzehntelang Vergewaltigungen und Misshandlungen von Minderjährigen durch Geistliche vertuscht. Insgesamt ist von 14.500 Opfern die Rede.

    Das Oberhaupt der Katholischen Kirche warf irischen Bischöfen vor, dass einige darin versagt hätten, die seit langem bestehenden Vorschriften des Kirchenrechts zum sexuellen Missbrauch von Kindern anzuwenden. Nach schwerwiegenden Fehlurteilen sollten die Bischöfe jetzt weiterhin mit den staatlichen Behörden kooperieren. Transparenz und Aufrichtigkeit müssten auch in der Kirche oberstes Gebot sein. Benedikt kündigte konkrete Initiativen zum Umgang mit dem Skandal in Irland an wie etwa eine apostolische Visitation in einigen Bistümern.

    Hirtenbrief "eine Etappe auf einem Weg"

    Der Papst habe bisher noch nie einen Text wie diesen Pastoralbrief geschrieben, betonte der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi, am Samstag im Vatikan. "Einen derartigen Brief des Papstes hat es bisher noch nicht gegeben, er ist eine Antwort auf die Missbrauchsfälle, die nicht unterschätzt werden sollen." Der Hirtenbrief sei "eine Etappe auf einem Weg", damit wolle der Papst nicht alle Probleme beseitigen, die mit den Missbrauchsfällen verbunden seien.

    Benedikt XVI. nannte in seinem Schreiben nur Irland explizit. Hochrangige Kirchenvertreter sahen in dem Brief dennoch eine klare Botschaft auch an andere Länder. Was der Papst den Katholiken in Irland sage, "hat Geltung für die ganze Kirche und ist eindeutig eine Botschaft auch an uns in Deutschland", betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.

    In ähnlicher Weise sah der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, in dem Papier auch eine klare Maßgabe für Österreich. "Man spürt in diesem Brief, dass der Papst die Enttäuschung und auch den Zorn sehr wohl wahrgenommen hat - und es ist ihm klar, dass der nicht nur auf Irland beschränkt ist", sagte der Wiener Erzbischof gegenüber Kathpress. "Dieser Brief ist auch an uns in Österreich geschrieben."

    Das Oberhaupt der irischen katholischen Kirche, Kardinal Sean Brady, lobte am Samstag in einer Messe im nordirischen Armagh den Hirtenbrief als einen zentralen Schritt auf dem Weg zur Erneuerung der Kirche. Er selbst wird kritisiert, weil er in den 1970er Jahren dabei gewesen sein soll, als zwei missbrauchte Kinder ein Schweigegelübde ablegen mussten. Immer wieder wird deshalb sein Rücktritt gefordert.

    Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche in Irland gingen die Papst-Worte nicht weit genug. Andrew Madden, ein früherer Messdiener in Dublin, der 1995 als erstes Missbrauchsopfer an die Öffentlichkeit ging, sagte: "Der Papst muss sich bei mir nicht für die Täter entschuldigen. Ich, wie tausende unbekannte Opfer, wollen vom Papst eine Entschuldigung für die Rolle, die die kirchliche Hierarchie beim Schutz der Täter auf Kosten der Kinder gespielt hat. Das ist der wahre Skandal, und der Papst ist darin verwickelt. Er ist kein unschuldiger Zuschauer."

    Der irische Opferverband "One in Four" bedauerte das Fehlen einer Entschuldigung für die "niederträchtige" Weise, in der Missbrauchsopfer zurückgewiesen oder zum Schweigen gebracht worden seien, wenn diese versucht hätten, sich über Kirchenverantwortliche zu beschweren. Dies sei "äußerst schmerzlich", sagte die Geschäftsführerin Maeve Lewis. Der Papst habe es versäumt, die "vorsätzliche Politik" anzusprechen, mit der "die Katholische Kirche auf den höchsten Ebenen Sexualstraftäter geschützt" habe. John Kelly vom Opferverband SOCA sagte, die zentrale Frage sei, ob den Opfern nach den Äußerungen des Papstes nun Gerechtigkeit widerfahren werde.

    Österreichische Opfer "enttäuscht"

    Mit "großer Enttäuschung" reagierten Betroffene kirchlicher Gewalt in Österreich auf das Schreiben Benedikts XVI. "Wir wollen keine salbungsvollen Worte mehr. Das 'Erschüttert-Sein' allein bedeutet noch gar nichts", heißt es in einer Stellungnahme mehrerer Missbrauchs-Opfer, die sich in der Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt" zusammengeschlossen haben.

    Die Plattform "Wir sind Kirche" vermisst vor allem konkrete Veränderungen. Der Papstbrief sei zwar "geprägt von hoher Anteilnahme und einfühlsamen Worten an die Opfer und Strenge gegenüber den Tätern. Aber er ist in einer spirituellen Sprache abgefasst, die nichts Konkretes aussagt und die keinerlei Veränderungen erwarten lässt."


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