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Zuletzt aktualisiert: 27.07.2010 um 13:05 UhrKommentare

Loveparade: Trauerarbeit im Internet

140 Zeichen genügten am Samstag, um die Welt von der Massenpanik und den Todesopfern bei der Loveparade zu informieren und auch Tage nach dem Unglück ist das Internet für viele Menschen die wichtigste Möglichkeit ihre Trauer auszudrücken.

Nicht am Schauplatz der Tragödie, sonder auch im Internet wird getrauert

Foto © ReutersNicht am Schauplatz der Tragödie, sonder auch im Internet wird getrauert

Die Tragödie von Duisburg hat nicht nur gezeigt, wie fatal ein schlecht organisiertes Fest enden kann – das Unglück ist auch ein weiterer Beweis dafür, dass klassische Medien mit dem Internet nicht mehr mithalten können. Während über Twitter und Facebook bereits Statusmeldungen von dem Unglück zu lesen waren, gingen die meisten Nachrichtenredaktionen noch von einem ?ruhigen“ Samstag aus.

Als das Unglück dann publik wurde, waren schon einige Videos auf Youtube gelandet, welche die Menschenmassen im Tunnel zeigten. Anstatt zu Reportern vor Ort schalteten Fernsehstationen in ihre Online-Redaktion – über Twitter liefen dort in Echtzeit die tragischen Nachrichten ein. Nur im WDR berichteten die Reporter live vom Geschehen.

Beklemmende Blogs

Bereits am Sonntag tauchten auf Blogseiten die ersten Erlebnisberichte von der Katastrophe auf. Beklemmend beschreiben die Betroffenen die Enge und den Kampf, selbst bei Bewusstsein zu bleiben. Auch in diesen Erzählungen kommt immer wieder der Eindruck auf, dass die Verantwortlichen hier fahrlässig gehandelt haben und jegliche Sicherheitsbedenken ad acta geschoben haben.

Und auch vier Tage nach dem Unglück finden Trauer und Anteilnahme größtenteils im Internet statt. Das Wort ?Loveparade“ ist noch immer der am häufigsten gepostete Begriff im deutschen Twitter. Mit respektablem Abstand folgt ?Duisburg“. Auf Facebook haben sich binnen Kürze Trauerseiten gegründet. Auch Boykott-Aufrufe gegen die Fitness-Kette des Veranstalters finden auf Facebook statt und Trauergruppen auf StudiVZ haben tausende Mitglieder.

Bis heute haben sich unzählige Menschen auf den verschiedenen Kondolenz-Seiten eingetragen und bekunden so ihr Entsetzen. Es ist eine Art kollektive Trauerarbeit die im Internet stattfindet. Einmal mehr wird deutlich, dass virtuelle und reale Welt immer mehr miteinander verschmelzen.

ROMAN HUBER

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